
Erkrath. Nach mehr als 35 Jahren bei der Stadt Erkrath scheidet die städtische Gleichstellungsbeauftragte Annegret Pollmann zum 30. April aus dem aktiven Dienst aus.
Zur offiziellen Verabschiedung im Foyer der Stadthalle kamen noch einmal rund 80 Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zusammen, um ihr langjähriges Wirken für mehr Chancengleichheit im Berufsleben sowie zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu würdigen. Mit neu geschaffenen Strukturen und vielfältigen Angebote für Frauen und Mädchen hat Pollmann die Gleichstellungsarbeit in Erkrath und dem gesamten Kreis Mettmann nachhaltig geprägt und Erkrath zu einem positiven Beispiel für Gleichberechtigung und Chancengleichheit entwickelt.
Annegret Pollmann begann ihre Laufbahn als Frauengleichstellungsbeauftragte der Stadt Erkrath im Jahr 1990. Damals war diese Stelle noch eine freiwillige Leistung der Kommunen und keinesfalls üblich. Zahlreiche Frauengruppen hatten sich zuvor rund vier Jahre für die Schaffung dieser damals gesellschaftlich stark umstrittenen Position eingesetzt. In den folgenden Jahrzehnten prägte Pollmann den Aufbau und die Weiterentwicklung der Gleichstellungsarbeit im gesamten Kreis Mettmann maßgeblich mit. Neben einer Begleitung an städtischen Personalverfahren, dem Ausbau von Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Durchführung und Unterstützung zahlreicher Projekte zur Stärkung von Mädchen und Frauen, erarbeitete sie eigenverantwortlich einen Frauenförderplan für die Stadtverwaltung Erkrath und setzte sich vor allem für die Rechte und den Schutz von Frauen in Gewaltbeziehungen ein. Aktionen wie der Orange Day zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen am 25. November, die begleitende Brötchentütenaktion in Kooperation mit zahlreichen Bäckereien, Apotheken und Kiosken, die Hilfsnummern und Unterstützungsangebote für betroffene Frauen seit 2017 unkompliziert im Alltag sichtbar macht oder auch die Mitwirkung Erkraths bei dem Arbeitskreis „Loverboy-Methode“ verbunden mit Präventionsarbeit an den Erkrather Schulen und der Initiative „Ist Luisa hier?“ gehen auf ihr Engagement zurück.
Stärkung der Frauenrechte auf kommunaler Ebene
Einen besonderen Schwerpunkt legte die studierte Diplompädagogin dabei auf die Netzwerkarbeit auf kommunaler und Kreisebene. So konnten wichtige Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für Frauen aufgebaut, weiterentwickelt und langfristig etabliert werden. Auch innerhalb der Verwaltung wurden in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt, etwa durch den Ausbau flexibler Arbeitszeitmodelle und eine deutlich gestiegene Repräsentanz von Frauen in den Führungsebenen der Verwaltung sowie bei der Feuerwehr. „Gleichstellungsarbeit bedeutet für mich, Veränderungen im Dialog, gemeinsam und Schritt für Schritt zu erreichen. Viele Verbesserungen waren umsetzbar, weil engagierte Menschen innerhalb und außerhalb der Verwaltung diesen Weg mit mir gemeinsam gegangen sind“, fasst Annegret Pollmann ihre langjährige Tätigkeit zusammen. Für die Zukunft hofft sie, dass Frauenpolitik nicht nur in Erkrath wieder an die Spitze der politischen Agenda gesetzt wird, um nach wie vor bestehende Forderungen durchzusetzen und Erreichtes in der Gleichstellung von Mann und Frau zu verteidigen. „Der Kampf für Frauenrechte ist ein Kampf für die Grundfesten unserer demokratischen Gesellschaft. Gerade zu einer Zeit, in der sich immer mehr antifeministische und demokratiefeindliche Kräfte anschicken, die Zeit zurückdrehen zu wollen.“
Auch der Verwaltungsvorstand würdigte das Wirken der langjährigen Gleichstellungsbeauftragten. Bürgermeister Christoph Schultz dankte ihr für die langjährige, gute Zusammenarbeit und erklärte: „Annegret Pollmann hat die Gleichstellungsarbeit in Erkrath mehr als 35 Jahre lang mit großem Einsatz, fachlicher Kompetenz und Leidenschaft für die Sache geprägt. Ihre Arbeit hat dazu beigetragen, strukturelle Verbesserungen zu ermöglichen und die Gleichstellung als wichtigen Bestandteil der politischen und verwaltungstechnischen Arbeit zu verankern.“
Mit ihrem Ausscheiden übergibt Annegret Pollmann die Aufgaben an ihre Nachfolgerin Derya Durur.

