Mettmann. Die größten Herausforderungen auf Gut Heresbach sind die Feuchtigkeit und der Holzwurm. Über Jahrzehnte hinweg haben Nässe und Schädlinge die Dachstühle und das Fachwerk der jahrhundertealten Hofanlage massiv geschädigt.
Im September des vergangenen Jahres wechselte das geschichtsträchtige Gut, auf dem 1496 der Humanist Konrad Heresbach geboren wurde, den Eigentümer. Bereits im November wurden einsturzgefährdete Wirtschaftsgebäude sowie das Wohnhaus aufwendig gesichert und abgestützt. Anschließend begann die Sanierung der Dachstühle, um die Gebäude dauerhaft vor Regen und Feuchtigkeit zu schützen. Inzwischen werden die ersten Dächer neu eingedeckt. Die Rettung dieses einmaligen denkmalgeschützten Ensembles ist für die Stadt und die Region ein wahrer Glücksfall.
Bürgermeister André Bär hat sich jetzt über den Baufortschritt und die besonderen Herausforderungen der Sanierung informiert. Gleichzeitig erhielt er einen ersten Einblick in das ambitionierte Projekt, das die neuen Eigentümer mit großer Begeisterung, enormer Energie und ganz viel Zuversicht vorantreiben.
Unter dem Namen „Neandervalley“ plant eine Gruppe junger Unternehmer auf dem historischen Gut die Einrichtung von Büros und Co-Working-Flächen, Veranstaltungs- und Konferenzräumen, Übernachtungsmöglichkeiten sowie Werkstattflächen. Gleichzeitig soll das Erbe Konrad Heresbachs bewahrt und gewürdigt werden. „…denn es gilt Irrtümer auszurotten, nicht Menschen“ – unter diesem Leitgedanken des Humanisten soll ein Ort des Miteinanders, des Schaffens und der Bildung entstehen.
Gut Heresbach soll ein Zentrum für Start-ups werden, in dem Antworten auf die großen Zukunftsfragen unserer Zeit entwickelt werden. Die ersten Unternehmen – teils noch in Gründung, teils bereits etabliert – sind bereits gestartet. Von Gut Heresbach aus sollen neue Ideen und Impulse in die Welt getragen werden – so wie einst die humanistische Gedankenwelt Konrad Heresbachs.
Auch Schulklassen sowie die Bürgerinnen und Bürger Mettmanns sollen regelmäßig auf Gut Heresbach als Gäste begrüßt werden. So ist ein jährlicher Heresbach-Tag auf der Hofanlage geplant, um den bedeutenden Sohn der Stadt zu würdigen und sein Wirken stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Neben der Sanierung der Wohn- und Wirtschaftsgebäude ist ein landschaftsgerecht gestalteter, moderner und lichtdurchfluteter Ersatzbau für die ehemalige Strohscheune geplant, von der heute nur noch ein Teil erhalten ist.
Aktuell steht die verkehrliche Erschließung von Gut Heresbach im Fokus. Daran beteiligt sind die Stadt Mettmann, Straßen.NRW sowie der Kreis Mettmann. Da sich das Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet „Gruiten Nord-Ost/Hahnenfurt“ befindet, muss eine Lösung gefunden werden, die sowohl den Anforderungen an die Verkehrssicherheit als auch den Belangen des Landschaftsschutzes gerecht wird. Derzeit laufen hierzu die Abstimmungen zwischen den beteiligten Akteuren.
Bürgermeister André Bär sagte dem Team von Gut Heresbach bestmögliche Unterstützung zu und bot an, zu den Abstimmungsgesprächen der Behörden dazuzukommen.
„Was hier entsteht, ist großartig. Wir als Stadt werden alles tun, um dieses Projekt zu unterstützen, wo immer es uns möglich ist“, sagte Bürgermeister Bär.
Für diese Unterstützung zeigte sich das Team von Gut Heresbach sehr dankbar. Das Projekt sei durch die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung bereits entscheidend vorangekommen. Immer wieder stehe die Verwaltung dem Team mit Rat und Tat zur Seite, um die Umwandlung des geschichtsträchtigen Ortes vom landwirtschaftlichen Betrieb in eine moderne Ideenschmiede zu ermöglichen. Insbesondere Stadtkonservatorin Dr. Yasmin Renges und Anne Havlat, Leiterin des Amtes für Stadtplanung und Vermessung, stünden in engem und regelmäßigem Austausch mit dem Team und unterstützten bei immer wieder neuen Herausforderungen lösungsorientiert und mit großem Einsatz.
Dendrochronologisches Gutachten
Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland hat den Dachstuhl über dem Wohnhaus von Gut Heresbach untersucht. Es wurden 13 Bauteile des Dachstuhls mit 13 Eichenbohrkernen beprobt. 11 Bauteile konnten dendrochronologisch ausgewertet werden. Es wurde nachgewiesen, dass die Eichen, deren Holz im Dachstuhl verbaut wurde, im Winter 1763/1764 gefällt wurden. In dem Gutachten heißt es: „Der Dachstuhl über dem Wohnhaus ist baueinheitlich und besteht konstruktiv aus einem längsgebundenen Sparrendach mit stehendem Stuhl in acht Gebinden. Die dendrochronologische Untersuchung datiert die frühestmögliche Errichtung des Dachwerks im Zusammenhang mit der letzten Erweiterung des Wohnhauses in den Sommer 1764.“
Bei einer dendrochronologischen Untersuchung handelt es sich um eine naturwissenschaftliche Methode zur jahrgenauen Altersbestimmung von historischem Holz. Es basiert auf der Analyse von Jahresringen, die in Fachlaboren ausgewertet werden.


