Die Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps, was steigende Zinsen für die Geldanlage bedeuten. Foto: VZ NRW/Adpic
Die Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps, was steigende Zinsen für die Geldanlage bedeuten. Foto: VZ NRW/Adpic

Düsseldorf. Der Leitzins in der EU hatte sich seit knapp zwölf Monaten nicht verändert. Nun wurde er am 11. Juni 2026 von 2,0 auf 2,25 Prozent erhöht. Das ist die erste Zinserhöhung seit rund drei Jahren.


Sie ist mittelfristig gut für viele Anleger, die Ersparnisse auf dem Konto haben. Für Menschen, die in absehbarer Zeit einen neuen Kredit abschließen wollen oder diesen seit vielen Jahren abbezahlen und nun vor einer Anschlussfinanzierung stehen, ist das hingegen keine gute Nachricht. „Wer einen Kredit benötigt, muss nun mit steigenden Zinsen rechnen. Wer kurz vor dem Ende der Zinsbindung steht und bisher von niedrigen Zinsen profitiert hat, muss die Restschuld zu deutlich höheren Zinsen abtragen“, erläutert Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW.

Drei Grundsätze sind aus seiner Sicht wichtig: Die Geldanlagen breit streuen, keine unnötigen Risiken eingehen und die Kosten niedrig halten.

Sparen wird etwas attraktiver

Die meisten Tages- oder Festgeldkonten oder Sparbriefe konnten in den letzten Jahren die Inflation nicht ausgleichen. Auch wenn einzelne Aktionszinsen bei etwa drei Prozent liegen, beträgt die Basisverzinsung meist unter zwei, oft sogar weniger als ein Prozent. Damit lässt sich der Kaufkraftverlust der Inflation nicht ausgleichen: Die Inflationsrate lag im Mai 2026 bei 2,6 Prozent. Wer Geld anlegen will, sollte Angebote vergleichen und sich auch nicht scheuen, die Bank zu wechseln, falls das eigene Institut deutlich schlechtere Konditionen bietet als am Markt üblich sind.

Immobilien: Kredite werden teurer

Nicht nur die Sparzinsen werden durch die EZB-Entscheidung steigen, sondern auch die Kreditzinsen. Damit werden Immobilienkredite und Verbraucherkredite teurer, ebenso die Zinsen, die man für eine Kontoüberziehung zahlt (Dispo). Für einen Immobilienkauf ist nun mehr Eigenkapital ratsam und die Rückzahlungsraten (Zins und Tilgung) werden steigen. Möglicherweise werden die Kreditzinsen sogar zeitnah angepasst. Das bedeutet, dass Interessenten nun noch genauer rechnen müssen, ob sie sich den Kauf leisten können. Monatliche Belastungen für Zins und Tilgung sollten nicht mehr als 30 bis 35 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens betragen.

Nicht überstürzt kaufen

Wer in seinen Planungen, eine Immobilie zu kaufen oder zu bauen, schon sehr weit fortgeschritten ist, kann überlegen, ob er die Umsetzung beschleunigen kann. Wer allerdings noch mitten in den Planungen steckt, sollte sich hüten, aus Angst vor steigenden Zinsen heute übereilt Entscheidungen zu treffen, die sich nachträglich als nachteilhaft erweisen könnten.

Wer kurz vor dem Ende der Zinsbindung steht, sollte prüfen, ob er Sondertilgungen tätigen kann und darf, um vor der Anschlussfinanzierung die Restschuld weiter zu reduzieren. Möglicherweise kann auch ein Forward-Darlehen eine Alternative sein. Mit diesem sichert man sich das heutige Zinsniveau. Allerdings muss man die hierfür anfallenden Zinsaufschläge berücksichtigen – diese können je nach Bank durchaus 0,05 bis 0,1 Prozent pro Monat betragen – und abwägen gegen die schwer zu beantwortende Frage, ob es bis zum Ende der Zinsbindung ein weiter steigendes allgemeines Zinsniveau geben wird.