Düsseldorf. Geschichte verstehen, Verantwortung übernehmen und demokratische Werte stärken: Mit diesen Zielen haben die fünf Bezirksregierungen Düsseldorf, Köln, Münster, Arnsberg und Detmold in dieser Woche eine gemeinsame Bildungsfahrt zur Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Ysselsteyn in den Niederlanden durchgeführt.
Im Mittelpunkt der mehrtägigen Bildungsfahrt standen die Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus, die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur sowie die Verantwortung für Frieden und Demokratie in der Gegenwart. Zugleich bietet das Format den Nachwuchskräften der fünf Bezirksregierungen die besondere Möglichkeit, sich behördenübergreifend kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen gemeinsam zu diskutieren.
Die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Ysselsteyn ist eng mit der Deutschen Kriegsgräberstätte Ysselsteyn verbunden – der einzigen deutschen Kriegsgräberstätte in den Niederlanden. Dort ruhen 31.598 Kriegstote des Zweiten Weltkriegs. Der Ort ist heute nicht nur eine Gedenkstätte, sondern zugleich ein wichtiger Lern- und Begegnungsort, der zur Auseinandersetzung mit den Folgen von Krieg, Diktatur und menschenverachtenden Ideologien anregt.
Zum Auftakt der Bildungsfahrt erhielten die Nachwuchskräfte bei einer Führung über die Kriegsgräberstätte Einblicke in deren Geschichte und die Entwicklung der Erinnerungskultur. In Workshops recherchierten sie anschließend anhand historischer Quellen wie Briefen, Fotografien und Dokumenten die Lebensgeschichten einzelner Kriegstoter und setzten sich so intensiv mit den persönlichen Schicksalen hinter den Grabkreuzen auseinander.
Auch der Düsseldorfer Regierungspräsident Thomas Schürmann und die Behördenleitungen der vier weiteren NRW-Bezirksregierungen besuchten für einen Nachmittag die Gruppe und beteiligten sich im Rahmen von Zeitzeugengesprächen und eines Fachvortrags am Austausch. Bei den Zeitzeugengesprächen berichteten Menschen von ihren persönlichen Erfahrungen als Verfolgte im Zweiten Weltkrieg und verdeutlichten damit eindrucksvoll die Auswirkungen nationalsozialistischer Gewalt bis in die heutige Zeit. Ergänzt wurde das Programm durch einen Fachvortrag zur transnationalen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen.
„Die Bildungsfahrt hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Geschichte nicht nur aus Büchern zu kennen, sondern sich an authentischen Orten mit den persönlichen Schicksalen auseinanderzusetzen. Besonders die Gespräche mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen haben mich nachhaltig beeindruckt. Solche Erfahrungen stärken das Bewusstsein dafür, wie wertvoll Demokratie, Frieden und ein respektvolles Miteinander sind“, fasst Regierungssekretäranwärter Philipp Adams seine Eindrücke zusammen.
Besucherinnen und Besucher können die Kriegsgräberstätte Ysselsteyn ganzjährig besuchen und während der Öffnungszeiten des Besucherzentrums die Geschichten hinter den Grabkreuzen eigenständig entdecken.


