Die Sonne scheint - die Temperaturen steigen. Foto: Volkmann
Die Sonne scheint - die Temperaturen steigen. Foto: Volkmann

Ratingen. Mit einem Antrag vom 6. Juli setzt sich die CDU-Fraktion dafür ein, den Umgang mit zunehmenden Hitzeperioden in städtischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen umfassend zu prüfen. Ziel ist eine langfristige Strategie, um die Aufenthaltsbedingungen in Schulen und Kindertageseinrichtungen nachhaltig zu verbessern und dabei gesundheitliche, wirtschaftliche sowie bauliche Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen


Ausgangspunkt des Antrags waren zahlreiche Gespräche mit Eltern sowie pädagogischen Fachkräften, die Mitglieder der CDU-Fraktion auf die zunehmende Hitzebelastung in Klassen- und Betreuungsräumen aufmerksam gemacht hatten. Insbesondere in den Sommermonaten beeinträchtigen hohe Raumtemperaturen zunehmend die Lern- und Konzentrationsfähigkeit sowie das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen.

„Hohe Temperaturen wirken sich unmittelbar auf den Schulalltag aus. Wer selbst viele Jahre unterrichtet hat, weiß, dass Konzentration und Aufnahmefähigkeit bei großer Hitze deutlich nachlassen. Umso wichtiger ist es, dass wir dieses Thema frühzeitig und nachhaltig angehen“, erklärt Margret Paprotta, Vorsitzende des Ausschusses für Schule und Sport und langjährige Lehrerin.

Mit dem Prüfauftrag möchte die CDU-Fraktion deshalb mögliche Maßnahmen zum Hitzeschutz systematisch untersuchen und eine belastbare Grundlage für künftige Entscheidungen schaffen.

„Die vergangenen Sommer haben deutlich gemacht, dass längere Hitzeperioden zunehmend zur neuen Realität werden. Viele Eltern und pädagogische Fachkräfte haben uns geschildert, wie belastend die Situation in manchen Einrichtungen inzwischen ist. Deshalb haben wir dieses Thema aufgegriffen. Unser Ziel ist es, vorausschauend Lösungen zu entwickeln, bevor aus einzelnen heißen Tagen ein dauerhaftes Problem wird. Hitzeschutz muss künftig selbstverständlich mitgedacht werden, insbesondere dort, wo Kinder einen Großteil ihres Tages verbringen“, erklärt Leon Puttkammer, sachkundiger Bürger der CDU-Fraktion und Initiator des Antrags.

Für die CDU-Fraktion stehen dabei bewusst keine pauschalen Lösungen im Vordergrund. Vielmehr soll zunächst eine belastbare Entscheidungsgrundlage geschaffen werden, die den unterschiedlichen baulichen Voraussetzungen der städtischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen Rechnung trägt und gleichzeitig wirtschaftliche sowie energetische Aspekte berücksichtigt.

„Mit diesem Antrag wollen wir eine fundierte Grundlage für künftige Entscheidungen schaffen. Es geht darum, die Gebäude dort weiterzuentwickeln, wo Handlungsbedarf besteht, und die vorhandenen Mittel möglichst zielgerichtet einzusetzen. Gerade weil sich die Voraussetzungen von Gebäude zu Gebäude unterscheiden, ist eine differenzierte Prüfung der richtige Weg“, erklärt Stefan Heins, Vorsitzender der CDU-Fraktion.

„Uns war wichtig, den Antrag bewusst differenziert zu formulieren. In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Runderlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, der den Umgang mit hohen Temperaturen und die Voraussetzungen für Hitzefrei regelt. Das zeigt, dass das Thema bereits heute berücksichtigt wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass organisatorische Maßnahmen allein nicht jede Situation lösen können. Deshalb wollen wir nicht vorschnell einzelne Maßnahmen festlegen, sondern prüfen, wie wir den baulichen Hitzeschutz dort verbessern können, wo dies sinnvoll, wirtschaftlich und langfristig wirksam ist“, erläutert Leon Puttkammer.

Der Runderlass des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Schule und Weiterbildung sieht grundsätzlich erst bei Raumtemperaturen von mehr als 27 Grad Celsius die Möglichkeit vor, Hitzefrei zu erteilen.

Schülerinnen und Schüler der Grundschule sowie der Klassen 5 und 6 dürfen dabei nur nach Absprache mit ihren Eltern vorzeitig entlassen werden. Für die Sekundarstufe II ist Hitzefrei grundsätzlich nicht vorgesehen. Darüber hinaus empfiehlt das Ministerium, Klassenarbeiten bei hohen Temperaturen nach Möglichkeit zu vermeiden. Gleichzeitig bestehen insbesondere in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen aufgrund der Betreuungsverpflichtung nur eingeschränkte Möglichkeiten, auf hohe Temperaturen organisatorisch zu reagieren.

Der Antrag sieht deshalb vor, die Verwaltung mit einer umfassenden Prüfung möglicher Maßnahmen zu beauftragen. Untersucht werden sollen unter anderem Sonnenschutzfolien zur Verringerung der Aufheizung, außenliegende Verschattungssysteme wie Jalousien oder Markisen, optimierte Lüftungs- und Nachtlüftungskonzepte, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie dort, wo dies technisch, wirtschaftlich und energetisch vertretbar ist, auch aktive Kühllösungen. Darüber hinaus soll geprüft werden, in welchen Gebäuden aufgrund ihrer Bauweise, Ausrichtung oder bereits bekannter Belastungen besonderer Handlungsbedarf besteht und welche Förderprogramme von Bund und Land für eine Umsetzung genutzt werden können.

Oliver Thrun, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, erläutert: „Uns geht es bewusst nicht um pauschale Forderungen nach Klimaanlagen. Jedes Gebäude bringt andere Voraussetzungen mit sich. Deshalb wollen wir objektiv prüfen, wo beispielsweise Sonnenschutzfolien, außenliegende Verschattungssysteme, moderne Lüftungs- und Nachtlüftungskonzepte, Dach- und Fassadenbegrünungen oder technische Nachrüstungen den größten Nutzen für das Raumklima und damit für Kinder, Schülerinnen und Schüler sowie die Beschäftigten entfalten können. Entscheidend ist, dass wir die vorhandenen Fördermöglichkeiten nutzen und dort investieren, wo der Effekt am größten ist.“

Stefan Heins, Fraktionsvorsitzender und Sprecher der CDU im Jugendhilfeausschuss, richtet den Blick insbesondere auf die Situation in den Kindertageseinrichtungen: „Gerade in unseren Kindertageseinrichtungen gibt es praktisch kein Hitzefrei. Die Kinder verbringen dort häufig den gesamten Tag, unabhängig davon, wie hoch die Temperaturen in den Gruppenräumen sind. Umso wichtiger ist es, dass wir Träger und Beschäftigte mit dieser Herausforderung nicht allein lassen. Eine vorausschauende Hitzeschutzstrategie verbessert deshalb nicht nur die Betreuungsbedingungen für unsere jüngsten Kinder, sondern stärkt zugleich den Gesundheits- und Arbeitsschutz für die Beschäftigten.“

Die CDU-Fraktion betont, dass der Antrag bewusst als ergebnisoffener Prüfauftrag formuliert wurde. Ziel ist es, auf Grundlage einer differenzierten Bewertung eine zukunftsfähige Strategie für den Umgang mit zunehmenden Hitzeperioden in den städtischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zu entwickeln und Investitionen zielgerichtet sowie wirtschaftlich sinnvoll abgewogen auszurichten.