
Kreis Mettmann. Der DGB-Kreisverband Mettmann hat sich mit Landrätin Bettina Warnecke zu einem Austausch über die aktuelle wirtschaftliche und soziale Lage im Kreis getroffen.
Über die Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt wurde intensiv diskutiert. Ende Juni 2026 waren im Kreis Mettmann rund 18.863 Menschen arbeitslos, was einer Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent entspricht. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. Besonders kritisch bewertet der DGB-Kreisverband die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Nach Angaben der Agentur für Arbeit standen im Mai 2026 1.668 Ausbildungsplätzen insgesamt 2.624 Ausbildungsinteressierte gegenüber. „Wer nicht ausbildet, darf sich auch nicht über fehlende Fachkräfte beschweren. Ausbildung ist die wichtigste Investition in junge Menschen und unsere Zukunft“, betont DGB-Regionsgeschäftsführerin Sigrid Wolf.
Mit Sorge blickt der DGB zudem auf die demografische Entwicklung. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts (im Auftrag der IG BAU) werden in den kommenden zehn Jahren rund 81.400 Babyboomer im Kreis Mettmann in den Ruhestand gehen. Die Auswirkungen werden erst nach und nach sichtbar werden.
Thematisiert wurde außerdem die weiterhin bestehende Rentenlücke zwischen Frauen und Männern. Der sogenannte Gender Pension Gap beträgt im Kreis Mettmann rund 456 Euro monatlich. Frauen erhalten damit im Durchschnitt etwa 31 Prozent weniger Altersrente. „Wir sehen darin einen klaren Handlungsauftrag für bessere Entlohnung, mehr Tarifbindung sowie den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, damit Erwerbsbiografien von Frauen gestärkt werden und sich diese Lücke verringert“, macht Annemarie Benke, DGB-Gewerkschaftssekretärin, deutlich.
Trotz seiner hohen Wirtschaftskraft zählt der Kreis Mettmann mit einer pro Kopf Verschuldung von 4.480 Euro (2025) zu den höchstverschuldeten Kreisen in Nordrhein-Westfalen. Hierbei dominieren allerdings Investitionskredite. Der wirtschaftsstarke Kreis investiert massiv in Infrastruktur, Schulen und Digitalisierung. Der Kreis entlastet seine kreisangehörigen Städte durch eine niedrigere Kreisumlage. Das ist positiv zu bewerten. Gleichzeitig wird es darauf ankommen, trotz kontinuierlich steigender Sozial- und Personalkosten sowie notwendiger Investitionen in Infrastruktur und gute Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst eine nachhaltige Finanzierung sicherzustellen. Insbesondere Städte wie Velbert, Wülfrath und Mettmann stehen trotz der insgesamt starken Wirtschaftsregion unter erheblichem finanziellem Druck. „Wir fordern eine bessere Finanzausstattung der Kommunen, um den Investitionsstau aufzulösen und notwendige Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Wohnungsbau und den öffentlichen Dienst dauerhaft zu ermöglichen. Dies kann beispielsweise durch eine stärkere Besteuerung sehr hoher Vermögen, Erbschaften sowie durch das Schließen von Steuerschlupflöchern gelingen“, fordert Sigrid Wolf.
Die Transformation der Industrie müsse aktiv gestaltet werden. Ziel sei es, Wertschöpfung und industrielle Arbeitsplätze im Kreis Mettmann zu sichern, Unternehmen bei Investitionen in klimafreundliche und digitale Technologien zu unterstützen und die Beschäftigten durch Qualifizierung und Weiterbildung auf die Veränderungen vorzubereiten. „Voraussetzung ist dafür eine aktive Industriepolitik, ausreichende Gewerbeflächen sowie eine stärkere Tarifbindung und Mitbestimmung“, so Vassilios Athanassiou, DGB-Kreisverbandsvorsitzender in Mettmann.
Nach Angaben des Pestel-Instituts fehlen im Kreis Mettmann derzeit rund 10.300 Wohnungen. Gleichzeitig stiegen die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um rund 43,7 Prozent. Der DGB sprach sich deshalb für deutlich mehr sozialen Wohnungsbau, Maßnahmen zur Begrenzung der Mietpreisentwicklung sowie den Ausbau von Azubiwohnheimen aus. „Gerade bezahlbarer Wohnraum ist ein entscheidender Standortfaktor für Beschäftigte, Auszubildende und Unternehmen und eine wichtige Voraussetzung, um Fachkräfte für die Region zu gewinnen und zu halten“, stellt Annemarie Benke hervor.
„Der Austausch mit dem DGB hat gezeigt, dass wir bei zentralen Zukunftsthemen wie Fachkräftesicherung, Ausbildung, bezahlbarem Wohnraum sowie den Veränderungen durch Digitalisierung, Klimaschutz und neuen Technologien gemeinsam vor großen Herausforderungen stehen. Mir ist wichtig, diese Themen im engen Dialog mit den Unternehmen, den Kammern und weiteren Partnern wie den Gewerkschaften anzugehen. Nur gemeinsam können wir gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten, unsere Wirtschaft und die Menschen im Kreis Mettmann schaffen“ betont Frau Landrätin Dr. Warnecke.
Der DGB-Kreisverband und die Landrätin Dr. Warnecke vereinbarten, den Dialog fortzusetzen. „Der Kreis Mettmann braucht eine soziale und ökologische Wirtschaftspolitik, die gute Arbeit schafft und ein bezahlbares Leben ermöglicht. Dafür stehen wir als Gewerkschaften weiterhin als konstruktive Gesprächspartner bereit“, schließt Vassilios Athanassiou ab.

