Düsseldorf. In Deutschland greifen auch immer mehr ältere Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln in der Hoffnung, ihre geistige und körperliche Fitness zu erhalten. Laut der KORA-Age-Studie nehmen 54 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer in der Altersgruppe der 65- bis 80-Jährigen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein.
Doch viele dieser Produkte sind weder notwendig noch unbedenklich. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass nur wenige der Mittel tatsächlich einen nachweisbaren Nutzen haben. Manche sind sogar gesundheitsschädlich. Angela Clausen ordnet ein und erklärt, warum die richtige Ernährung und ein gesunder Lebensstil Senior:innen oft weit mehr bringen.
Warum greifen so viele Ältere zu Nahrungsergänzungsmitteln?
Die Werbung und viele Influencer spielen eine große Rolle dabei, denn sie preisen älteren Menschen Nahrungsergänzungsmittel als eine einfache Lösung für ihre gesundheitlichen Beschwerden an. Häufig geht es um Versprechungen wie „mehr Energie“, „besseres Gedächtnis“ oder „mehr Vitalität“, die gerade im Alter verlockend wirken. Viele Senior:innen möchten ihre Lebensqualität angesichts der natürlichen Alterungsprozesse verbessern. Die Probleme, die mit dem Älterwerden einhergehen – wie zum Beispiel ein nachlassender Stoffwechsel oder die Zunahme von chronischen Krankheiten – lassen viele für diese Angebote empfänglich werden. Doch Nahrungsergänzungsmittel sind keine Wundermittel. Im Gegenteil: In den meisten Fällen reicht eine ausgewogene Ernährung aus, um den Nährstoffbedarf zu decken.
Welche Risiken können bei der Einnahme auftreten?
Die größte Gefahr bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist die unkontrollierte Dosierung. Denn mehr ist nicht besser. Gerade bei fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin D kann eine Überdosierung zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Zu viel Vitamin D kann den Kalziumspiegel im Blut erhöhen, was zu Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Muskelschwäche führen kann. In extremen Fällen können sich Nierensteine bilden oder sogar schwere Nierenschäden auftreten. Auch die Einnahme von Brausetabletten ist für manche Menschen mit Risiken verbunden: Sie enthalten häufig größere Mengen verstecktes Natrium, also einen Salz-Bestandteil, der bei Menschen mit Bluthochdruck diesen zusätzlich erhöhen kann. Besonders kritisch sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Das gilt ganz besonders für Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Zutaten. Auch Laborwerte können verfälscht werden, so beeinflusst beispielsweise die Einnahme von Biotin einen Biomarker für Herzinfarkt.
Was hilft Senioren, um im Alter fit und gesund zu bleiben?
Die Grundlage für eine gesunde Lebensweise im Alter ist eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung und ein aktiver Lebensstil. Eine abwechslungsreiche Kost sichert die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen – ganz ohne Nahrungsergänzungsmittel. Senior:innen sollten vor allem auf Vitamin D, Vitamin B12, Magnesium, Eisen, Folat und Calcium achten. Denn im Alter ist die körpereigene Produktion von Vitamin D vermindert – mit negativen Auswirkungen auf das Knochengewebe und die Muskelkraft -, auch die Aufnahme von Vitamin B12 kann reduziert sein.
Ein Gespräch mit der Hausarztpraxis, inwieweit eine Veränderung der Essgewohnheiten oder eine Nährstoffergänzung nötig ist, ist deshalb sinnvoll. Calcium ist vor allem in Milch und Milchprodukten sowie in calciumreichen Mineralwässern enthalten. Vitamin B12 findet sich fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln. Jod steckt hauptsächlich in Seefisch und jodiertem Speisesalz. Vitamin B6 liefern Vollkornprodukte, Fleisch, Fisch und verschiedene Nüsse. Folsäure ist reichlich in grünem Gemüse, Orangen, Tomaten, Vollkornprodukten und Erdnüssen enthalten. Vitamin D bildet der Körper durch Sonnenlicht selbst, ergänzt durch fetten Fisch, Eigelb und bestimmte Pilze. Wer wenig Zeit im Freien verbringt, sollte den Vitamin D-Spiegel ärztlich kontrollieren lassen.
Wichtig ist außerdem genügend Eiweiß. Ab 65 Jahren steigt der Bedarf auf etwa ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Hilfreich und kostenfrei sind zudem regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und viel Zeit an der frischen Luft. Auch Krafttraining hilft, den Muskelabbau zu verhindern und den Appetit zu fördern.


