
Düsseldorf. Bis zu 19 Kilogramm pro Kopf und Jahr – so hoch ist der Verbrauch an Hygienepapieren in Deutschland. Insgesamt verschwinden damit jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Papierservietten, Taschen- und Kosmetiktücher, Küchenkrepp und Toilettenpapier im Abfalleimer oder in der Kanalisation.
„Bestehen diese Papierprodukte aus Primärfasern, die Holz als Faserrohstoffquelle nutzen, entsorgen wir auf diese Weise ganze Wälder“, erklärt Philip Heldt, Experte für Umwelt und Ressourcenschutz der Verbraucherzentrale NRW. „Aus ökologischer Sicht sind deshalb Recyclingprodukte die beste Wahl. Verbraucherinnen und Verbaucher sollten sich beim Kauf jedoch nicht von exotischen Tieren auf den Verpackungen in die Irre führen lassen, sondern auf verlässliche Siegel achten“, empfiehlt Heldt. Die Verbraucherzentrale NRW hat Wissenswertes und Tipps zu Recyclingpapieren zusammengestellt.
Welche Vorteile hat Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier?
Laut Umweltbundesamt stammen 57 Prozent des in Deutschland verbrauchten Papiers, Karton, Pappe und mehr als 75 Prozent des eingesetzten Zellstoffs für die deutsche Papierindustrie aus dem Ausland – ein zunehmender Anteil kommt aus Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort werden für den Anbau schnell wachsender Bäume natürliche Ökosysteme zerstört oder Flächen für den Lebensmittelanbau umgenutzt. Wer zu Recyclingpapier greift, schont also wertvolle Ressourcen. Zudem spart die Herstellung von Recyclingpapier im Durchschnitt 78 Prozent Wasser, 68 Prozent Energie und 15 Prozent CO2-Emissionen gegenüber der Produktion von Frischfaserpapier. Und: Je nach Marke, Lagenzahl und Weißegrad sind Recyclingprodukte oft auch preislich günstiger.
Welche Siegel sind empfehlenswert?
Mit dem rechtlich geschützten Zeichen Blauer Engel sind Verbraucher auf der sicheren Seite. Hygienepapiere mit diesem Zeichen werden zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt. Aus Umweltschutzgründen weniger empfehlenswert ist das häufig zu findende FSC-Siegel (Forest Stewardship Council). Bei FSC-gekennzeichneten Papieren stammen die Holzrohstoffe aus zertifiziertem Holz oder es wird Altpapier verwendet. Um tatsächlich Hygienepapiere aus 100 Prozent Recyclingpapier zu erhalten, müssen Verbraucher bei FSC-Produkten also sehr genau hinschauen. Bei der Herstellung werden auch keine Umweltkriterien wie beispielsweise Energie- und Wasserverbrauch oder der Einsatz von Chemikalien berücksichtigt. Auch das EU-Ecolabel für Hygienepapiere garantiert keinen Altpapiereinsatz bei der Produktion.
Was bedeuten Tiermotive oder der Hinweis „chlorfrei gebleicht”?
Viele Küchenrollen, Kosmetiktücher und Co. sollen als besonders umweltfreundlich vermarktet werden, sind es aber nicht unbedingt. Die Abbildungen von exotischen Tieren oder Naturmotiven auf der Verpackung sind keine verlässlichen Anhaltspunkte für echte Recyclingpapiere. Auch der Hinweis „chlorfrei gebleicht“ ist eher Augenwischerei. Er gibt laut Umweltbundesamt lediglich an, welche Chemikalien bei der Bleichung eingesetzt wurden, trifft aber keine Aussage, ob Altpapier genutzt wurde oder über die Art der Waldbewirtschaftung.
Sind Recyclingpapiere gesundheitlich unbedenklich?
Bei Hygienepapieren mit dem Blauen Engel sind Farbmittel, die Schwermetalle wie Quecksilber, Blei, Cadmium oder Chrom-VI enthalten, ebenso verboten wie Stoffe, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft werden. Gemüse mit Recycling-Küchenkrepp abzutrocknen oder Fleisch kurz abzutupfen, ist also kein Problem. Auch für die Haut sind die Produkte aus Altpapier nicht problematisch.
Welche empfehlenswerten Alternativen gibt es für Küche und Bad?
Auch Produkte aus Recyclingpapier werden in der Regel nur einmal benutzt und dann weggeworfen. Wer Müll vermeiden, die Umwelt schonen und Geld sparen will, setzt daher auch Recycling-Küchenrolle und andere Einwegpapiere möglichst sparsam ein. Um in der Küche verschüttete Flüssigkeiten aufzunehmen und Flächen zu säubern, empfehlen sich waschbare Lappen und Putztücher, die bei 60 Grad in der Waschmaschine keimfrei werden. Obst und Gemüse kann mit sauberen Handtüchern getrocknet werden. Stoffservietten auf dem Esstisch und waschbare Abschminkpads oder Mulltücher im Bad reduzieren ebenfalls den Papierverbrauch. Auch der Umstieg auf Stofftaschentücher entlastet die Umwelt.

