Kreis Mettmann. In der Debatte um die abschlagsfreie Frührente warnt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Mettmann vor einem Scheitern der Reform. Der MIT-Kreisvorsitzende Klaus Wiener erklärt die Gefahr eines massiven Fachkräfte-Verlustes – und die besondere Rolle Ostdeutschlands.
Die im Koalitionsausschuss erzielte Einigung, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren („Rente mit 63“) auslaufen zu lassen, wurde zuletzt von einigen Ländervertretern in Frage gestellt. Bei einer Nicht-Umsetzung drohte das gesamte Reformpaket ins Wanken zu geraten. Solchen Gedankenspielen erteilt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Mettmann eine klare Absage.
„In der Alterssicherungskommission haben sich Politiker und Wissenschaftler parteiübergreifend auf Änderungen des bisherigen Modells geeinigt, denn ohne die wird das System kollabieren“, betont Dr. Klaus Wiener, Kreisvorsitzender der MIT Mettmann, und fügt hinzu: „Wer jetzt das Paket aufschnürt, gefährdet die gesamte Reform. Der demografische Wandel hat begonnen, und er wird sich in den kommenden Jahren mit Macht auswirken. Wollen wir unseren Wohlstand erhalten, müssen wir darauf reagieren.“
Deshalb sei es aus Sicht der Kreis-MIT auch dringend notwendig, den Rentenkompromiss so schnell wie möglich umzusetzen und auch keine langen Übergangsfristen zuzulassen. „Ihn wenige Wochen nach Vorstellung wieder infrage zu stellen, ist das falsche Signal an die Betriebe, die Beitragszahler und an die junge Generation“, bekräftigt Klaus Wiener und führt aus: „Die abschlagsfreie Frührente ist der teuerste rentenpolitische Irrtum der letzten Jahrzehnte: Sie kostet Milliarden, entzieht dem Arbeitsmarkt genau die erfahrenen Fachkräfte, die wir am dringendsten brauchen, und die Rechnung zahlen die Jüngeren.“
Der Wirtschaftsexperte verweist darauf, dass Mitarbeitermangel schon heute eine der großen Wachstumsbremsen für den Mittelstand sei und sagt dazu: „Wer erfahrenen Beschäftigten mit Steuergeld den vorzeitigen Ruhestand ermöglicht, verschärft dieses Problem und schwächt die Betriebe, die Ausbildung und Arbeitsplätze sichern.“ Statt Anreize zum früheren Ausstieg, seien bessere Bedingungen für längeres Arbeiten erforderlich.
Auch die bei diesem Thema besondere Situation in Ostdeutschland nimmt die Kreis-MIT in den Blick. „Wir erkennen an, dass dort überproportional viele Beschäftigte auf lange Beitragszeiten kommen“, so Klaus Wiener. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es nach der Wiedervereinigung eine extrem großzügige Regelung zur Anerkennung der Erwerbszeiten aus der früheren DDR gegeben hat, die auch dazu geführt hat, dass Frauen aus dem Osten heute oftmals eine höhere gesetzliche Rente beziehen als Frauen aus dem Westen, wo die Beteiligung am Erwerbsleben für Frauen und Mütter ungleich schwieriger gewesen war.“
Insgesamt sei dort, wo es drauf ankomme, für soziale Absicherung gesorgt, wie der Kreisvorsitzende verdeutlicht: „Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten kann, wird aufgefangen. Dafür hat die Alterssicherungskommission Ausnahmen vorgesehen. Deshalb fordert die MIT Mettmann, den vorliegenden Rentenkompromiss konsequent umzusetzen, denn ein Rückfall in die Frührente wäre teuer, ungerecht gegenüber den Jüngeren und schädlich für den Standort Deutschland.“


