
Wülfrath. „Museum“ – das klingt in vielen Ohren schon nach Vergangenheit. Nach „angestaubt“ und „von früher“. Wie also lassen sich junge Menschen für ein Museum begeistern? Vielleicht, indem sie mit ihrem Smartphone Vögel zum Leben erwecken können? Das Niederbergische Museum in Wülfrath will genau das versuchen.
Das Museum an der Bergstraße birgt zahlreiche Schätze. „Wir wissen oft gar nicht, wo sie herkommen“, sagt Eberhard Tiso. Dass es das Museum überhaupt noch gibt, ist vor allem das Verdienst der Menschen, die sich in ihrer Freizeit dafür engagieren. Seit 20 Jahren hält ein Trägerverein das Haus am Leben. Ehrenamtliche kümmern sich darum, nachdem die Stadt das Museum bereits aufgegeben hatte.
Doch Ehrenamt bedeutet nicht automatisch Fachwissen. Tiso, der Vorsitzende des Trägervereins, räumt unumwunden ein, dass die Vereinsmitglieder in vielen Bereichen Laien sind. Deshalb sollen nun Profis helfen, das Museum für ein breiteres Publikum attraktiver zu machen.
Mit „Sunbird Images“ kommt ein Unternehmen ins Museum, das darauf spezialisiert ist, Wissen auf digitalem Weg zu vermitteln. Für den Naturschutzbund NABU hat die Firma eine App zur Erkennung von Vogelstimmen entwickelt. Vögel können damit anhand von Bildern und Stimmen identifiziert werden. Die App wurde inzwischen millionenfach heruntergeladen.
Einer der Firmengründer ist Dr. Peter Mullen. Der Ornithologe stammt aus Wülfrath, ebenso hat „Sunbird Images“ seinen Sitz in der Stadt. Viele der mehr als 1.000 Fotos von 315 Vogelarten sind in den Wülfrather Kalksteinbrüchen entstanden. Mullen kennt zudem die Museumswelt: Er hat als Museumsbiologe in Bonn gearbeitet.
In den kommenden Wochen und Monaten werden acht Mitarbeiter von Sunbird gemeinsam mit dem Museum an der Digitalisierung arbeiten. Allein 300 Vogelpräparate besitzt das Niederbergische Museum, erklärt Mullen. Sie sollen künftig nicht einfach nur in den Vitrinen stehen, sondern den Besucherinnen und Besuchern digital ihre Geschichten erzählen.
Möglich wird der Schritt in die Zukunft vor allem durch die NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Sie stellt 150.000 Euro für die Modernisierung zur Verfügung. Weitere 25.000 Euro kommen von Lhoist/Rheinkalk, 5.000 von der Kreissparkasse Düsseldorf. Auch der Kalkraum des Museums, der einst durch die Arbeit ehemaliger Kalk-Mitarbeiter entstanden ist, soll neu gestaltet werden.
Dabei geht es auch um die Verbindung von Natur und Industrie. Rheinkalk hat ein Interesse daran, im Museum zu zeigen, dass Kalkabbau ein moderner Prozess ist und Kalk in zahlreichen Bereichen des täglichen Lebens und der Industrie benötigt wird. Die seltenen Vogelarten, die in den Brüchen und am Eignerbach ihren Lebensraum gefunden haben, bieten zugleich die Möglichkeit, die Vogelwelt mit der Industriegeschichte zu verbinden.
Museum und Sunbird wollen die Öffentlichkeit an den einzelnen Schritten der Digitalisierung teilhaben lassen. Der Trägerverein verbindet damit auch eine Hoffnung: Dass das Museum nicht nur für jüngere Besucher interessanter wird, sondern sich vielleicht auch jüngere Menschen für die Mitarbeit im Verein gewinnen lassen.
Denn ein Museum muss nichts Angestaubtes sein.

