
Ratingen. „Dieses einzigartige Bauwerk wird uns noch jahrzehntelang an unser tolles 750-jähriges Stadtjubiläum erinnern“, sagte Bürgermeister Patrick Anders bei der Einweihung der neuen „Jubiläumsbrücke“ über den Stadtgraben an der Turmstraße. Diese ist seit dem 4. September für freigegeben.
Die Brücke schließt nicht nur eine Wegelücke für Spaziergänger, sondern setzt auch ein markantes städtebauliches Ausrufezeichen im Herzen der Altstadt. Das vom renommierten belgischen Planungsbüro Ney & Partners entworfene Stahlbauwerk mit den künstlerisch durchlöcherten Brüstungen war als Sieger aus einem Wettbewerbsverfahren hervorgegangen.
Das Votum der fachlich hochkarätigen Jury unter Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Martin Trautz vom Lehrstuhl für Tragkonstruktion der RWTH Aachen war eindeutig. Der Entwurf überzeugte sowohl in funktionaler als auch in gestalterischer Hinsicht auf der ganzen Linie. Besonders hervorgehoben wurde das interessante Licht- und Schattenspiel, das durch das abstrakte Muster in den Brüstungen erzeugt wird. Dieses ist einem Fresko des Kölner Künstlers Thomas Heinz nachempfunden. Bei der Einweihung konnte sich der Künstler persönlich davon überzeugen, wie sein Werk an Ort und Stelle wirkt.
Bürgermeister Patrick Anders ging in seiner Rede auch auf diesen Aspekt ein. Er legte den Ratingerinnen und Ratingern ans Herz: „Schauen Sie sich Ihre neue Jubiläumsbrücke an – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichem Wetter. Denn je nachdem, ob die Sonne scheint und woher sie scheint, schafft das ausgestanzte Fresko in den Geländern ein neues Spiel von Licht und Schatten im Stadtgraben. Empfehlenswert ist auch ein Besuch bei Dunkelheit, denn die in den Handlauf eingebaute Beleuchtung schafft noch einmal besonders reizvolle Effekte.“
Die ehemalige Holzbrücke an dieser Stelle hatte vor drei Jahren abgerissen werden müssen, weil sie durch Pilzbefall morsch geworden war. Petra Cremer, Technische Beigeordnete der Stadt Ratingen, hatte dann im Hinblick auf das nahende Stadtjubiläum die Idee, an dieser markanten Stelle der Altstadt keinen reinen Zweckbau zu setzen, sondern auch einen bleibenden städtebaulichen Akzent.
Eine stimmige Idee, die sich bestens in das Leitkonzept des Stadtjubiläums einfügt, nämlich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu vereinigen. „Wir haben hier die historische Grabenzone, ein deutlich erkennbares, pittoreskes Relikt der reichen Ratinger Stadtgeschichte. Und hierhin setzen wir ein Bauwerk, das einen künstlerischen Wert hat, das aber gleichzeitig schon durch seinen Baustoff Stahl für Moderne steht. Dieses ästhetisch äußerst gelungene Bauwerk schafft einen schwierigen Spagat: Einerseits fällt es auf, andererseits fügt es sich harmonisch in die Umgebung ein. Die Jubiläumsbrücke hat das Potenzial, eine Sehenswürdigkeit weit über das Jubiläumsjahr hinaus zu werden.“ Im Portfolio der Kreationen des Planungsbüros Ney & Partners aus Brüssel steht sie jedenfalls schon Seite an Seite mit außergewöhnlichen Brückenbauwerken in ganz Europa und Japan.
Die funktionalen Parameter der Brücke überzeugten die Jury ebenfalls. Mit einer Innenbreite von 2,50 Metern (ein Meter mehr als die frühere Brücke), sowie ihrer ebenen und rutschfesten Oberfläche ist die Brücke barrierefrei und bequem zu begehen, die Kopfhöhe für Spaziergänger im Stadtgraben ist mit 2,65 Metern ebenfalls größer als früher, und die Brücke ist robust und resistent gegen Vandalismus.
Der 16 Meter lange und zwölf Tonnen schwere Brückenkorpus ist bei der Stahlbaufirma Schmees & Lühn im Emsland hergestellt und in einem spektakulären Transport am 21. Juli nach Ratingen gebracht worden. Patrick Anders dankte allen Beteiligten, von der Wettbewerbsjury über das Planungsbüro, die ausführenden Firmen und die Projektleitung im städtischen Tiefbauamt, herzlich für die gelungene Umsetzung dieser nicht alltäglichen Baumaßnahme.

