Cornelia Hessenberg spielte zur Begrüßung der Gäste im Museum. Fotos: Kling

Wülfrath. Mit einem Tag der offenen Tür hat der Trägerverein Niederbergisches Museum am Sonntag sein 20-jähriges Bestehen gefeiert.


„Es war ein kleines Abenteuer“, sagte Vorsitzender Eberhard Tiso. „Aber das Abenteuer hat sich gelohnt.“ Gemeint war der Mut der Männer und Frauen, die vor 20 Jahren das Museum in Eigenregie übernahmen, nachdem die Stadt den Betrieb aus Kostengründen eingestellt hatte.

Vorsitzender Eberhard Tiso und Geschäftsführerin Karin Fritsche konnten als Gast und Redner einen der Gründer des Trägervereins, Dr. Ulrich Mairose im Museum begrüßen.

Dr. Ulrich Mairose gehörte damals zu den Gründern. Der frühere Chefarzt des inzwischen geschlossenen Krankenhauses erinnerte in seinem Vortrag daran, dass die Freunde des Museums ein erhebliches Risiko eingingen. Sie wollten die Schließung nicht hinnehmen und das Haus ehrenamtlich weiterführen – und zwar „an mindestens drei Tagen in der Woche“, wie Mairose berichtete.

Der Start war allerdings nicht einfach. Von den zugesagten Spenden ging nur etwa die Hälfte tatsächlich ein. Auch die Zahl derjenigen, die sich zunächst zur Mitarbeit bereit erklärt hatten, schrumpfte. Trotzdem hielten die Initiatoren an ihrem Vorhaben fest. Mairose übernahm als Zweiter Vorsitzender Verantwortung im neu gegründeten Verein. Den Vorsitz und die repräsentativen Aufgaben übernahm Rosel Lutz-Brenger als erste Vorsitzende des Trägervereins.

Der Mut hat sich gelohnt, fand Eberhard Tiso, der den Verein seit zehn Jahren als Vorsitzender führt. Heinz Franke und Jürgen Meinhard waren weitere Vorsitzende des Vereins, der heute 250 Mitglieder zählt. Ohne die Vorarbeit von Willi Münch, dem langjährigen Leiter des Museums, wäre die Übernahme durch den Trägerverein nicht möglich gewesen, sagte Tiso.

Möglich sei der Erhalt des Museums aber auch nur durch den Einsatz der Ehrenamtlichen. Tiso dankte der Mannschaft des Museums, „vor allem den Frauen“. „Wir haben eine ganz gute Stimmung“, sagte er und lud alle Interessierten dazu ein, sich dem Team anzuschließen. Beim Tag der offenen Tür hatten die Frauen und Männer des Trägervereins wieder alle Hände voll zu tun, die Gäste zu bewirten und ein Kinderprogramm durchzuführen.

Wie gut das Angebot angenommen wurde, zeigte sich auch an den Besucherzahlen: 257 Erwachsene und 15 Kinder kamen im Laufe des Tages ins Museum. Bei schönem Wetter waren die Tische im Außenbereich gut besetzt. Lediglich die Kaffeehausmusik fand im Museum statt. Dort bildete sich schnell ein Kreis interessierter und begeisterter Zuhörer.

Das Jugendensemble sowie Thomas, Miro und Vincent präsentierten ihre Musik dagegen draußen. Für den Auftritt des Jugendensembles kamen die Gäste aus dem Museum und dem Außenbereich zusammen. Auch Thomas, Miro und Vincent lockten zahlreiche Zuhörer an. Für ihren Auftritt wurde der Innenhof kurzerhand umgeräumt und zusätzliche Sitzplätze geschaffen. Die drei Musiker hatten nur viermal gemeinsam geprobt, sorgten mit ihren Songs und ihrer lockeren Art aber für gute Stimmung. Am Ende waren sämtliche Plätze belegt.

Auch Bürgermeister Sebastian Schorn würdigte bei der Jubiläumsfeier das Engagement der Mitglieder und Ehrenamtlichen. Die Geschichte des Trägervereins habe vor 20 Jahren in einer schwierigen Situation begonnen, nachdem der Rat beschlossen hatte, den Museumsbetrieb aus finanziellen Gründen nicht mehr aufrechtzuerhalten. „Doch 67 mutige Wülfratherinnen und Wülfrather wollten das nicht einfach hinnehmen“, sagte Schorn. 2006 hätten sie den Trägerverein gegründet und den Versuch gewagt, das Museum ehrenamtlich weiterzuführen.

„Der Trägerverein hat damit nicht nur den Betrieb eines Museums übernommen. Er hat Verantwortung für ein Stück Wülfrather Geschichte übernommen“, betonte der Bürgermeister. Das Museum lebe nicht allein von seinen Exponaten. „Es lebt von den Menschen, die sich darum kümmern, Geschichten erzählen, Wissen weitergeben und Räume für Begegnung schaffen.“

Schorn verwies zugleich auf die geplante Modernisierung des Museums. Die Ausstellung soll neu gestaltet und künftig durch moderne Technologien ergänzt werden. Augmented und Virtual Reality sollen Geschichte interaktiver und erlebbarer vermitteln. Auch der Innenhof soll barrierefrei gestaltet werden. „Damit wird das Museum nicht nur für die Zukunft bewahrt – es wird auch für die Zukunft fit gemacht“, sagte Schorn.