Die Autorin Shida Bazyar. Foto: Veranstalter
Die Autorin Shida Bazyar. Foto: Veranstalter

Ratingen. Der Kulturkreis Hösel lädt bereits jetzt zum nächsten Treffen seines von Margret Paprotta moderierten Literaturkreises ein. Am 12. November ab 17 Uhr steht in der Stiftung Geschwister Gerhard, Bahnhofstraße 90, der Roman „Die Lücken“ von Shida Bazyar auf dem Programm.


„Literaturinteressierte haben damit Gelegenheit, sich frühzeitig mit der Lektüre zu beschäftigen und auf die Diskussion über die unterschiedlichen Perspektiven auf den Roman vorzubereiten.“ so Wolfram Brecht vom Vorstand des Kulturkreis Hösel.

Der Roman, den der Literaturkritiker Denis Scheck als „literarisches Ereignis“ bezeichnet hat, entwirft ein vielschichtiges Panorama von nahezu 100 Jahren deutscher Geschichte. Schauplatz ist die fiktive Kleinstadt Heimesbach im Hunsrück. Erzählt wird aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Eine tote Ich-Erzählerin blickt auf die Geschichte des Ortes und seiner Bewohner. Dabei verbindet sich die kindliche Wahrnehmung eines jungen Flüchtlingskindes mit einem zugleich „allwissenden Blick“ auf Personen, Handlungen und Prozesse.

Bazyar thematisiert sehr feinsinnig die Nachwirkungen der NS-Zeit und die Formen des kollektiven Schweigens und Verdrängens. Als in den 1980er-Jahren zwei Familien aus dem Iran nach Heimesbach fliehen, treffen ihre Erfahrungen auf die verdrängte Vergangenheit und die unterschwellige Ausgrenzung im Dorf. So entsteht ein äußerst spannender Roman, der persönliche Lebensgeschichten mit gesellschaftlichen und historischen Entwicklungen verknüpft.

Shida Bazyar wurde 1988 in Trier als jüngstes Kind iranischer Eltern geboren. Ihre Eltern flohen 1987 nach der Islamischen Revolution als politische Aktivisten nach Deutschland. Bazyar studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus und arbeitete als Bildungsreferentin für junge Menschen. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des PEN Berlin.

Auch aktuell steht „Die Lücken“ im Fokus der literarischen Aufmerksamkeit: Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels setzte jüngst den Roman zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 7. Oktober auf die Shortlist für die Auswahl des „Romans des Jahres 2026“.

Der Kulturkreis bittet um Anmeldung: kulturkreis-hoesel.de.