Düsseldorf. Der Umstieg auf batterieelektrische Lkw stellt die Stromnetze im Rheinland vor erhebliche Herausforderungen. Eine aktuelle Studie der Logistikregion Rheinland zeigt: Zum entscheidenden Engpass für den Hochlauf der E-Mobilität im Straßengüterverkehr könnten die verfügbaren Netzanschlusskapazitäten werden. Bis 2045 könnte der tägliche Energiebedarf für das Laden von E-Lkw aus dem Verteilnetz auf das 240-Fache steigen. Die dafür benötigte Strommenge entspricht laut Studie rechnerisch dem Verbrauch von rund 2,3 Millionen Haushalten.
„Der Umstieg auf E-Lkw ist bereits in vollem Gange. Entscheidend ist jetzt, dass die benötigte Energie auch dort verfügbar ist, wo die Fahrzeuge geladen werden müssen. Ohne leistungsfähige Netzanschlüsse droht die Infrastruktur zum Flaschenhals für die klimaneutrale Logistik zu werden“, sagt Markus Walke, Vorstandsvorsitzender der Logistikregion Rheinland.
Die Logistikregion Rheinland hat die Studie heute im Rahmen einer Landespressekonferenz vorgestellt. Sie untersucht, welche infrastrukturellen Voraussetzungen für den weiteren Hochlauf batterieelektrischer Lkw im Logistik-Hotspot Rheinland geschaffen werden müssen.
41 Standorte mit besonders hohem Handlungsbedarf
Die Studie identifiziert 41 Schwerpunkt-Cluster entlang wichtiger Autobahnachsen und im Rheinischen Revier. Dort ist der Ausbau von Stromnetzen und Ladeinfrastruktur besonders dringlich. Eine zusätzliche Herausforderung sind die örtlichen Gegebenheiten. Autobahnen, Bahntrassen und andere Barrieren können die Anbindung von Logistikstandorten an das Stromnetz erheblich verteuern und die Umsetzung verzögern. Damit unterscheiden sich Aufwand und Kosten eines Netzanschlusses je nach Standort deutlich.
Bis zum Jahr 2045 steigt die Zahl batterieelektrischer Lkw bereits deutlich. Mit jedem zusätzlichen Fahrzeug wächst auch der Strombedarf an Logistikstandorten und Ladepunkten. Fehlen dort ausreichende Netzkapazitäten, kann dies den weiteren Hochlauf bremsen – und damit auch die Dekarbonisierung von Lieferketten.
Zusätzliche Möglichkeiten bietet die Stromerzeugung direkt an den Logistikstandorten. Nach Berechnungen der Studie verfügen Logistikimmobilien im Rheinland über ein theoretisches Photovoltaik-Potenzial von rund 1,1 Terawattstunden pro Jahr. Bislang sind jedoch nur etwa 18 Prozent der Bestandsflächen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.
Damit bleibt ein erheblicher Teil des Potenzials zur dezentralen Stromerzeugung bislang ungenutzt. Besonders bei gemieteten Logistikimmobilien erschweren rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen Investitionen in Photovoltaikanlagen.
Aus den Ergebnissen der Studie leitet die Logistikregion Rheinland fünf zentrale Forderungen an die Bundes- und Landespolitik ab, darunter eine Netzplanung entlang des künftigen Bedarfs oder eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.
„Die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs ist nicht allein eine Frage der Fahrzeugtechnik. Sie ist vor allem eine Infrastrukturaufgabe. Wenn Netze, Ladeinfrastruktur und Logistikstandorte nicht gemeinsam geplant werden, drohen lange Wartezeiten und hohe Anschlusskosten den Hochlauf auszubremsen“, sagt Thomas Vieten, Geschäftsführer der Logistikregion.


