
Velbert. Zum wiederholten Mal besuchte der örtliche Landtagsabgeordnete Martin Sträßer die Grundschule in Langenberg. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Schulleiter Wolfgang Köhler standen die geplanten ABC-Klassen zur frühzeitigen Sprachförderung sowie die Besoldung von Schulleitungen und Funktionsstellen.
Der Besuch fiel auf einen besonderen Schultag: Grundschulkinder sollten Kindern aus Kitas Geschichten in ihren Herkunftssprachen vorlesen. Die Aktion setzt ein Zeichen für sprachliche Vielfalt und Leseförderung. Sträßer war begeistert: „Jede Sprache ist wertvoll und ein wichtiger Teil der Persönlichkeit. Und wer anderen vorliest, weckt nicht nur Neugier auf Bücher und Geschichten, sondern stärkt zugleich das Verständnis für Sprache und ihren Gebrauch.“
Sträßer und Köhler waren sich einig darüber, dass die Sprachbildung zunächst eine Aufgabe in der Familie sei. Sträßer: „Bildungssprache bleibt Deutsch.“ Erziehung und Bildung in der Familie ginge dabei über die Sprachbildung hinaus und umfasse weitere „Basiskompetenzen“. Sträßer: „Je weniger Kita und Schule als Reparaturbetrieb herhalten müssen, umso mehr können sie weitere Aufgaben für die Kinder wahrnehmen.“
Die bisherige alltagsintegrierte Sprachbildung und -förderung in den Kitas werde weiter durch das Land gefördert und sogar ausgebaut, betonte Sträßer. Die Erfahrungen hätten aber auch gezeigt, dass dies nicht ausreiche, um Chancengleichheit beim Einstieg in die Schule zu erreichen. Hier setzen jetzt die „ABC-Klassen“ als Vorkurse zur Grundschule an. Zunächst werde hier die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen in der Übergangsphase zwischen Kita und Grundschule intensiviert. „Die Grundschule Kuhstraße leistet hier schon ohne ABC-Klassen vorbildliche Arbeit,“ lobte Sträßer, „weil hier Kita-Kinder schon sehr lange vor Schulbeginn Kontakte zur Schule aufbauen, die mit dem nahenden Schulbeginn immer intensiver werden.“
Sträßer: „Die ABC-Klassen ergänzen die Arbeit der Kitas und beziehen auch die Kinder ein, die nicht zur Kita gehen. Wer zusätzliche Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache braucht, muss und wird sie verbindlich und passgenau erhalten.“ Das Konzept sei keine Neuerfindung für NRW, sondern habe sich insbesondere in Hamburg in ähnlicher Form schon bewährt.
Schulleiter Wolfgang Köhler wies auf offene Fragen der Umsetzung hin und betonte, dass mehr Transparenz und zeitnahe Information möglicherweise die Akzeptanz erhöhten. Vor allem müsse dafür gesorgt werden, dass auf Schulen und Kitas keine zusätzlichen Belastungen ohne Entlastungen oder zusätzliche Ressourcen zukommen. Sträßer versicherte: „Wir werden uns an den Grundsatz der Konnexität halten und zusätzliche Belastungen ausgleichen.“ Er verwies auf den Übergang von G8 auf G9 bei den Gymnasien, als das Land schon einmal mit dreistelligen Millionenbeträgen die Belastungen der Städte ausgeglichen habe. Dass der Start der ABC-Klassen erst ab 2028 vorgesehen sei, sei ein Indiz dafür, dass das Land hier vorsichtig vorgehen: „Wir bräuchten diese gezielte Sprachförderung eigentlich sofort. Aber weil die Ressourcen mitgedacht werden müssen, lassen wir allen Beteiligten Zeit zur Vorbereitung. Das Konzept steht und fällt mit dem Personal, das dafür zur Verfügung steht.“
Schließlich thematisierte Köhler die Besoldung von Schulleitungen und Funktionsstellen. Die für 2027 geplante Verbesserung für die Schulleitung ‚großer‘ Grundschulen sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber unberücksichtigt bliebe die große Mehrheit von ‚kleinen‘ Grundschulen. Das sei ungerecht. Sträßer: „Das stimmt, weil viele Leitungsaufgaben unabhängig von der Größe einer Schule entstehen. Mehr Verantwortung und mehr Leistung sollten auch im öffentlichen Dienst immer belohnt werden. Zugleich bitte ich aber um Verständnis, dass nach zwei außerordentlichen Verbesserungen der Gehaltsstrukturen in dieser Wahlperiode, die dem Land Jahr für Jahr dreistellige Millionenbeträge kosten, bei zurückgehenden Steuereinnahmen und Kürzungen in allen anderen Bereichen des Landeshaushalts nur noch diese Verbesserungen möglich waren. Sie sind aber ein Signal, dass wir das Problem erkannt haben und zu weiteren Verbesserungen bereit sind. Derzeit ist aber nicht mehr möglich.“
Sträßer freute sich über den offenen Austausch und wünschte sich mehr Schulen, die dazu bereit sind: „Gute Bildungspolitik muss die Menschen und Strukturen vor Ort einbeziehen. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Kindern gute Startchancen zu eröffnen, und dabei berücksichtigen, welche Ressourcen im Land, aber auch in den Kommunen und in den Schulen zur Verfügung stehen. So kann mehr gegenseitiges Verständnis entstehen.“

