
Ratingen. Am 22. Oktober hat im Theatermuseum Düsseldorf das PunkMuseumDUS eröffnet. Die erste Ausstellung „Be Realistic: Demand the Impossible! 50 Jahre Punk“ zeigt auf mehr als 500 Quadratmetern über 400 Exponate. Im Mittelpunkt steht der Ratinger Hof in der Düsseldorfer Altstadt. Er gilt als Geburtsort des deutschen Punk.
Ende der 1970er Jahre wurde der Ratinger Hof zum ersten Punk-Zentrum außerhalb Englands. Bands wie Fehlfarben, DAF, Male, KFC und ZK prägten den Ort; aus ZK gingen später die Toten Hosen hervor. Internationale Gruppen wie Wire gaben hier ihre ersten Deutschland-Konzerte. Im „Hof“ trafen sich Musiker, Studierende und Künstler der Kunstakademie. Punk war am Rhein ein Aufbegehren gegen bürgerliche Enge, laut und provozierend, aber in Freiheit.
Zur selben Zeit entstand auch in Oberschlesien eine Punkszene, allerdings unter ganz anderen Bedingungen. In der kommunistischen Volksrepublik Polen gründeten sich Ende der 1970er und in den 1980er Jahren landesweit Punkbands. Neben Warschau, Breslau und der Dreistadt gehörte Oberschlesien zu den aktivsten Zentren. Ausgerechnet Gleiwitz, eine Stadt der Gruben und Hütten, beherbergte Anfang der 1980er Jahre die lebendigste Untergrundmusikszene des Landes. Ihr Treffpunkt war der Studentenclub „Gwarek“.
Die bekannteste Band der Szene war Śmierć Kliniczna („Klinischer Tod“). Sie wurde im September 1981 gegründet, wenige Monate vor der Verhängung des Kriegsrechts. Sie zählte zu den populärsten frühen Punkbands Polens und trat 1982 beim legendären Festival in Jarocin auf. Musikalisch verband die Gleiwitzer Szene Punk mit Reggae und New Wave. Ihre radikalen Texte entzogen sich der Zensur und dem offiziellen kommunistischen Diskurs. Was in Düsseldorf Provokation war, bedeutete in Gleiwitz ein Stück gelebter Freiheit in einem unfreien System.
Ein Künstler als Bindeglied
Die verbindende Person zwischen beiden Welten ist der Düsseldorfer Künstler Jürgen Weber. Für das PunkMuseumDUS hat er den Ratinger Hof als detailgetreues Miniaturmodell nachgebaut, ebenso den Berliner Kultclub SO36. Für die Stiftung Haus Oberschlesien hat Weber die Statuette für den geplanten Preis „SILESIA PRO EUROPA“ entworfen. Mit dem Preis will die Stiftung künftig Persönlichkeiten und Organisationen würdigen, die sich um die Zusammenarbeit zwischen Nordrhein-Westfalen und Oberschlesien und um die europäische Verständigung verdient machen. Die Statuette zeigt den St. Annaberg mit Flügeln als Symbol für Freiheit und Versöhnung.
„Punk war am Rhein und in Oberschlesien Ausdruck desselben Wunsches: sich nicht vorschreiben zu lassen, wie man zu leben und zu denken hat. In Gleiwitz musste man dafür allerdings deutlich mehr riskieren als in Düsseldorf“, sagt Sebastian Wladarz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Haus Oberschlesien. „Dass Jürgen Weber mit seinen Arbeiten beide Geschichten berührt, freut uns besonders.“
Übrigens: Auch Ratingen hat einen Bezug zum Ratinger Hof. Die Ratinger Straße führt auf das Ratinger Tor zu, das an der historischen Wegeverbindung vom Düsseldorfer Rheinufer nach Ratingen steht.
Die Ausstellung im PunkMuseumDUS, Theatermuseum Düsseldorf (Hofgartenhaus), ist bis zum 31. Dezember 2027 zu sehen.

