Düsseldorf. „EA Sports FC“, „Clash of Clans“ oder „Fortnite“ sind bekannte Videospiele, die eins gemeinsam haben: Sie ermöglichen Zusatzkäufe im Spielverlauf, die mehr Inhalte bieten, höhere Levels oder eine bessere und seltenere Ausstattung der Avatare.
„Auch wenn ein Spiel erst kostenlos ist, können sich die nachträglichen Ausgaben schnell summieren“, erklärt Erol Burak Tergek, Jurist und Digitalexperte der Verbraucherzentrale NRW. „Für Kinder und Jugendliche stellt das eine große Gefahr dar. Sie lassen sich von Spielvorteilen blenden und verlieren durch geschickte Kaufanreize den Überblick über ihre Ausgaben.“
Mit den folgenden Tipps der Verbraucherzentrale NRW lassen sich unnötige Kosten vermeiden:
Wenn der Button zum Kauf verleitet
Pop-ups mit Kaufangeboten, auffällig platzierte Shop-Symbole oder Pfeile, die auf kostenpflichtige Extras hinweisen: Solche Gestaltungselemente sollen Spielende dazu bringen, Geld auszugeben. Die sogenannten Dark Patterns, wörtlich übersetzt „dunkle Muster“, nutzen optische und psychologische Tricks, um Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Besonders bei „Free-to-play“-Spielen, die sich über Zusatzkäufe finanzieren, können sich viele kleine Beträge schnell summieren. Virtuelle Währungen wie Münzen, Diamanten oder Punkte erschweren zusätzlich den Überblick darüber, wie viel echtes Geld ausgegeben wird. Was helfen kann, sind geschützte Kinderkonten. Eltern können auf Konsolen und Computern über Gastprofile kostenpflichtige Käufe beschränken oder alternativ Zusatzpasswörter einrichten.
Countdown und künstliche Eile
Zeitlich begrenzte Angebote und Countdown-Anzeigen setzen Spielende unter Druck. Wer ein vermeintlich seltenes Angebot nicht verpassen möchte, entscheidet sich womöglich schneller für einen Kauf, als eigentlich beabsichtigt. Auch Belohnungen für tägliches Einloggen und das Anschauen von Werbung können dazu verleiten, mehr Zeit im Spiel zu verbringen. Damit Kinder nicht durch solche Mechanismen beeinflusst werden, sollten Eltern die konkreten Spiele genau prüfen und gemeinsam mit ihren Kindern Spiele auswählen, die solche Mechanismen von vornherein nicht anbieten. Außerdem sollten sie mit ihren Kindern darüber sprechen, wie diese Mechanismen funktionieren und Kauf- und Spielentscheidungen beeinflussen können.
Die Gefahr bei Lootboxen
Lootboxen sind digitale Pakete, die man für echtes Geld kaufen kann, deren Inhalt aber vom Zufall abhängt. Sie können beispielsweise seltene Ausrüstung, neue Figuren oder besondere Gegenstände enthalten. Wer nicht das gewünschte Objekt erhält, versucht es möglicherweise erneut und gibt dabei immer mehr Geld aus. Das kann im schlimmsten Fall zu suchtähnlichem Verhalten führen. Weil der Ausgang ungewiss ist, ähneln Lootboxen in ihrer Funktionsweise teilweise Glücksspielmechanismen. Vor dem Kauf sollte man sich bewusst sein, dass die gewünschten seltenen Inhalte in den meisten Fällen nicht enthalten sind. Der Kauf einer Lootbox lohnt sich daher in der Regel nicht. Wer den Kauf dennoch erwägt, sollte sich vorab ein festes Ausgabenlimit setzen.
Was gilt bei In-Game-Käufen durch Kinder?
Wenn Kinder ohne Zustimmung ihrer Eltern In-Game-Käufe tätigen, müssen diese die Kosten nicht automatisch übernehmen. Kinder unter sieben Jahren sind nicht geschäftsfähig, Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren beschränkt geschäftsfähig. Verträge kommen daher grundsätzlich nur wirksam zustande, wenn die Eltern zuvor eingewilligt haben oder den Vertrag nachträglich genehmigen. Fehlt beides, besteht in der Regel keine Zahlungspflicht. Der sogenannte Taschengeldparagraf bildet eine Ausnahme, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Hierbei bezahlen Kinder mit Mitteln, die ihnen zur freien Verfügung überlassen wurden. Wichtig ist dennoch, bei unerwarteten Abbuchungen schnell zu handeln und den jeweiligen App-Store oder Spieleanbieter zu kontaktieren.
Wirksame Tipps gegen unerwünschte Käufe
Wer sich vor hohen Rechnungssummen schützen will, sollte Zahlungsdaten nicht dauerhaft hinterlegen. Sinnvoll ist es, Zahlungsdaten im App-Store oder auf der Konsole durch ein Passwort oder eine andere Freigabe zu schützen, um Käufe mit wenigen Klicks zu verhindern. Besonders hilfreich können Guthabenkarten sein, die eine klare Grenze für die verfügbaren Ausgaben setzen und so vor exzessiven Käufen schützen. Um unbeabsichtigte Käufe nachzuverfolgen, ist es außerdem ratsam, Handy- oder Kreditkartenrechnungen regelmäßig zu überprüfen. Je nach Einzelfall kann es sich lohnen, eine Erstattung beim Anbieter zu beantragen. Wer hohe Summen für Spiele bezahlt hat und in Zahlungsschwierigkeiten gerät, mit unberechtigten Forderungen konfrontiert wird oder feststellt, dass Minderjährige ohne Zustimmung der Eltern In-Game-Käufe getätigt haben, kann sich von den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW helfen lassen.


