Kerstin Griese (SPD) Foto: Mathias Kehren
Kerstin Griese (SPD). Foto: Mathias Kehren

Velbert. Wie können Forschung, künstliche Intelligenz und medizinischer Fortschritt mit sozialer Gerechtigkeit verbunden werden? Darüber diskutierten der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese bei ihrer beliebten Veranstaltungsreihe „Kerstin Griese trifft …“ im BILO in Velbert. Diesmal war es besonders voll, 100 Leute drängten sich in den Saal und auch die Kinder und Jugendlichen von der Ferienbetreuung waren gespannt, wer da kam.


Kerstin Griese fragte den erst kurz davor aus China zurückgekehrten Forschungsausschussvorsitzenden Lauterbach nach seinen Eindrücken. Und Lauterbach berichtete gewohnt pointiert vom riesigen Fortschritt, den China in Sachen KI und Technologisierung vor Europa hat, verbunden mit der Forderung, dass Deutschland und Europa hier dringenden Nachholbedarf haben.

Schwerpunkt des Abends war die Frage, wie medizinischer Fortschritt allen Menschen zugutekommen kann. Neue Behandlungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse eröffneten große Chancen, so der Gesundheitsökonomie-Professor Lauterbach. Entscheidend sei jedoch auch, wie die Versorgung finanziert und organisiert werde.

„Wir müssen die medizinische Qualität verbessern und die richtigen Anreize im Gesundheitssystem setzen, statt knappes Geld zu verschwenden“, betonte er. Kerstin Griese unterstrich, dass Reformen auch daran gemessen werden müssen, dass sie sozial gerecht sind. „Das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung führt zu Ungerechtigkeiten und untergräbt das Vertrauen in die Politik“, betonte Griese.

Auch die Bedeutung künstlicher Intelligenz für Medizin und Forschung wurde intensiv diskutiert. KI könne Diagnosen verbessern, die Entwicklung von Medikamenten beschleunigen und Behandlungen individueller machen. Voraussetzung dafür seien bessere digitale Strukturen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Gesundheitsdaten.

Lauterbach verwies auf das große Potenzial der Digitalisierung: Durch die gezielte Nutzung digitaler und anonymisierter Daten könnten Forschung und Versorgung erheblich verbessert werden. Zugleich warnte er vor Europas Rückstand bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz. „Der Zugang zu KI ist das neue Öl des 21. Jahrhunderts“, sagte er. Die Abhängigkeit von wenigen Ländern und Anbietern sei dabei ein erhebliches Risiko.

Griese machte deutlich, dass technologische Innovationen nicht zum Selbstzweck werden dürften. Entscheidend sei, dass sie den Menschen nützten und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichten. Dafür brauche es politische Rahmenbedingungen, die Innovation förderten und zugleich Verantwortung sicherten.

Wie Deutschland wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis übertragen und international wettbewerbsfähig bleiben kann, war ein weiterer Schwerpunkt. Lauterbach verwies auf die technologischen Fortschritte Chinas und die Erfahrungen aus seinen Reisen ins Silicon Valley in den USA. Deutschland müsse eigene Entwicklungen entschlossener vorantreiben und neue Technologien schneller in die Anwendung bringen.

Griese betonte, dass dafür langfristige Investitionen in Bildung und Forschung unverzichtbar seien. Gute Bildung sei die Grundlage für Innovation, gesellschaftlichen Aufstieg und wirtschaftlichen Wohlstand. „Wir müssen jedem Kind die besten Bildungschancen geben“, sagte sie.

Der Abend machte deutlich: Medizinischer und technologischer Fortschritt entfalten ihren Wert erst dann vollständig, wenn sie bei den Menschen ankommen. Dafür braucht es exzellente Forschung, mutige Innovationen und politische Entscheidungen, die wirtschaftliche Stärke mit sozialer Gerechtigkeit verbinden.