Die Künstlerin Jeongmoon Choi erschafft durch Fäden und ultraviolettes Licht begehbare Installationen, die Räume in geometrische Lichtzeichnungen verwandeln Foto: Jeongmoon Choi
Die Künstlerin Jeongmoon Choi erschafft durch Fäden und ultraviolettes Licht begehbare Installationen, die Räume in geometrische Lichtzeichnungen verwandeln Foto: Jeongmoon Choi

Ratingen. Fäden im Dachgeschoss: In der Textilfabrik Cromford gehören sie seit jeher zum Alltag – zumindest im Erdgeschoss, wo bis heute vorgeführt wird, wie aus Baumwolle Garn entsteht. Doch nun ziehen sie auch ganz oben in der Hohen Fabrik ihre Bahnen.


Auf der Grenze zwischen Zeichnung und Skulptur entsteht zurzeit ein besonderes künstlerisches Projekt im LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford. Für die Ausstellung „Entgrenzungen. Licht-Faden-Installation von Jeongmoon Choi“ zieht die Künstlerin im dunklen Raum fluoreszierende Fäden wie schwebende Linien und lässt so geometrische Strukturen entstehen. Durch ultraviolettes Licht formt sich eine begehbare Lichtzeichnung, die aus den Gegebenheiten des historischen Raums erarbeitet wurde.

Die Ausstellung ist auch ein Beitrag des Museums zum 750-jährigen Ratinger Stadtjubiläum. Eine Geschichte, die die ehemalige Baumwollspinnerei Cromford als erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent mitgeprägt hat. Die Fäden der Installation schaffen einen Bezug zum historischen Fabrikstandort, an dem seit seiner Gründung 1783/84 Baumwolle zu Garn verarbeitet wurde und eine nicht zählbare Menge an Fäden über die Spulen der Maschinen liefen.

Fäden bilden auch das zentrale Element im Werk Jeongmoon Chois. Die in Seoul geborene und international tätige Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin. Den Faden sieht Jeongmoon Choi als Gegenstück zur Farbpalette in der Malerei, der ihr das dreidimensionale Zeichnen im Raum erlaubt. Aus kilometerlangen elastischen Fäden entstehen Strukturen, die speziell für einen Raum und nur für eine bestimmte Zeit geschaffen werden. Die Licht-Faden-Installation eröffnet so neue Blickwinkel auf den historischen Ort der Textilfabrik Cromford und ihrer Bedeutung als erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent.

Die Hohe Fabrik blieb mehr als ein Jahr aufgrund umfassender Umbaumaßnahmen geschlossen. Im Zentrum der Arbeiten stand die barrierefreie Erschließung des Gebäudes durch einen neuen Außenaufzug, der jetzt alle Geschosse der Hohen Fabrik barrierefrei zugänglich macht. Zugleich wird die Dauerausstellung neugestaltet. Als erstes ist nun das Dachgeschoss zugänglich, sodass die Ausstellung ein Anlass ist, das Haus am 4. Dezember in Teilen wiederzueröffnen und erste Einblicke in seine neu gewonnenen Möglichkeiten zu geben.