Alltagsrassismus ist ein gesellschaftliches Problem - den Finger in die Wunde legen Engagierte auch im Kreis Mettmann immer wieder mit Demonstrationen. Foto: Volkmann
Alltagsrassismus ist ein gesellschaftliches Problem - den Finger in die Wunde legen Engagierte auch im Kreis Mettmann immer wieder mit Demonstrationen. Foto: Volkmann

Kreis Mettmann. Das Team der Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus zieht in einem Bericht Bilanz zum Jahr 2025. Das sei “besorgniserregend” verlaufen.


Der neu veröffentlichte Jahresbericht 2025 zeigt nicht nur einen deutlichen Anstieg der Beratungszahlen, sondern auch eine erschreckende Intensivierung rassistischer Dynamiken im Alltag. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 118 individuelle Beratungen durchgeführt – im Vergleich zu 93 Fällen im Vorjahr bedeutet dies eine erhebliche Zunahme des Unterstützungsbedarfs in der Region.

Besonders alarmierend sind die spürbare Enthemmung und die Aggressivität der Vorfälle.

Während ein Großteil der Diskriminierungen mit rund 33 % nach wie vor den Alltag – wie das Einkaufen, die Nutzung des ÖPNV oder Hass im Netz – betrifft, verzeichnet die Beratungsstelle einen drastischen Schwerpunkt bei körperlichen Übergriffen. In über 14 Prozent der gemeldeten Fälle ging es im Jahr 2025 um rassistisch motivierte Gewalt. „Diese Entwicklung deckt sich mit den landesweiten Trends der Opferberatung Rheinland, die für NRW einen neuen Höchststand rechter und rassistischer Gewalt meldet “, berichtet Robert Goroyan von der BgA.

Hinter diesen bloßen Zahlen verbergen sich menschliche Schicksale, die von massiven Bedrohungen, Ausgrenzungen und offener Gewalt berichten. „Viele Betroffene erleben dadurch eine gravierende psychische und physische Belastung, die bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen oder dem Verlust der Arbeitsfähigkeit führen kann“, beschreibt Kira Waschk die Erfahrung aus der Beratungsarbeit.

Auf Grundlage der gemeldeten Fälle rückten 2025 insbesondere Herausforderungen und Defizite im Arbeits- und Ausbildungssektor, auf den rund elf Prozent der Beratungen entfielen, in den Fokus. „Hier zeigt sich oft, dass Betroffene aus Angst vor beruflichen oder aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen schweigen und Vorfälle erst gar nicht melden“, erklärt Julia Kioltyka. „Zudem fehlen in vielen Unternehmen und Institutionen noch immer transparente Beschwerdestrukturen und das nötige Bewusstsein.“

Die BgA bietet Betroffenen einen sicheren, kostenfreien und mehrsprachigen Raum, in dem sie Gehör finden und psychosoziale sowie rechtliche Orientierung erhalten.

Doch reine Beratung reicht nicht aus. Um dem rassistischen Trend und der zunehmenden Gewalt aktiv entgegenzutreten, setzt die Beratungsstelle verstärkt auf Prävention und Aufklärung.

Arbeitgeber*innen und Institutionen im Kreis Mettmann wird empfohlen, aktiv rassismuskritische Strukturen zu etablieren. Um hierfür konkrete Hilfestellungen zu bieten, wird die BgA dieses Jahr ein großes Sensibilisierungsevent für Unternehmer*innen veranstalten.

Die Beratungsstelle gegen Alltagsrassismus ist seit 2021 ein Projekt, das von Trägern der Wohlfahrtspflege gemeinsam betrieben wird. Sie wird finanziert und gefördert vom Kreis Mettmann.