Ursel Kiepert feierte hundertsten Geburtstag und bekam vom Bürgermeister im Namen der Stadt Glückwünsche, einen Strauß Blumen und regionale Präsente. Foto: Stadt Erkrath
Ursel Kiepert feierte hundertsten Geburtstag und bekam vom Bürgermeister im Namen der Stadt Glückwünsche, einen Strauß Blumen und regionale Präsente. Foto: Stadt Erkrath

Erkrath. An Ursel Kieperts Ehrentag wurde es voll in der Wohnung der Seniorin aus Unterfeldhaus: 100 Jahre wird schließlich nicht jeder. Daher hatten sich Ende September nicht nur ihre Tochter, sondern auch viele langjährige Nachbarinnen und Nachbarn, Bekannte sowie Freundinnen und Freunde in ihrem Wohnzimmer versammelt, um gemeinsam mit der Erkratherin auf ein langes Leben anzustoßen. Auch Bürgermeister Christoph Schultz war gekommen und überbrachte der Jubilarin einen Strauß Blumen, Präsente aus Erkrath und Glückwünsche im Namen der Stadt.


Bei Häppchen und einem Glas Sekt erzählte die Hundertjährige von ihrem bewegten Leben, das 1926 in Berlin begonnen hatte. Während des Zweiten Weltkrieges war die Familie gezwungen, zunächst nach Leipzig, später dann nach Wolfsburg und Braunschweig zu fliehen. Dort lernte sie nach Kriegsende auch ihren Helmut kennen und lieben. Nach der Hochzeit zog das junge Paar im Jahr 1950 nach Düsseldorf, wo Ursels Mann eine Stelle als Ingenieur antrat, und als gelernte Sekretärin fand auch Ursel schnell eine Anstellung.

Gemeinsam bereisten die Kieperts in den kommenden Monaten und Jahren auf zahlreichen Dienstreisen die gesamte Welt. Zusammen besuchten sie nicht nur Amerika und Indien, sondern lebten auch einige Zeit in Japan. Selbst nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr 1952 blieb Ursel berufstätig. In einer Zeit, in der es keine Kindergärten oder Tagesmütter gab, war dies alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

„Wir hatten das Glück, dass meine Mutter uns bei der Kindererziehung unterstützen konnte. Sie wohnte im gleichen Haus und konnte so bei Bedarf immer einspringen, und ich konnte meinen Mann weiter auf seinen Reisen begleiten“, berichtet die Seniorin in ihrem Wohnzimmer, an dessen Wänden noch zahlreiche Erinnerungsstücke und Fotos von den gemeinsamen Trips rund um den Globus erzählen. Ende der 1970er Jahre, die Tochter war ausgezogen und hatte eine Stelle in München angetreten, wechselte Ursels Mann zu einem Arbeitgeber in Erkrath. Das Paar bezog eine neue Wohnung in Unterfeldhaus, wo den beiden jedoch nur noch wenige gemeinsame Jahre blieben. Ihr Mann verstarb bereits 1984.

Ursel jedoch blieb. Halt gab ihr in dieser Zeit nicht nur ihr großer Freundeskreis, sondern auch ihre Hunde. Gut ein halbes Dutzend Terrier haben Ursel im Laufe der Jahrzehnte begleitet, und auch wenn sie heute keinen eigenen Hund mehr halten kann, sind die Vierbeiner nach wie vor ihr Ein und Alles. So wünschte sie sich statt Geschenken zum Geburtstag vor allem Spenden für den Bundesverband Rettungshunde, dessen wichtige Arbeit die Hundeliebhaberin seit vielen Jahren unterstützt. Und auch wenn Ursel Kiepert in der ganzen Welt zu Hause war, ihre Heimat ist und bleibt ihr Unterfeldhaus. Dank der Unterstützung einer Haushaltshilfe, ihrer Hausgemeinschaft – viele davon auch schon über 80 – und ihrer Tochter, die sie mehrere Wochen im Jahr besuchen kommt, kann sie hier weiterhin selbstständig leben.

Nur ein Ort könnte Unterfeldhaus Konkurrenz machen: Bozen in Südtirol war lange nicht nur das liebste Reiseziel der Familie, sondern schon fast so etwas wie eine zweite Heimat. Vielleicht liegt das Geheimnis für ihr langes Leben im italienischen Klima? Ursel winkt ab: „Ach was, man muss nur in Bewegung bleiben, sich gesund ernähren und sich an den Menschen freuen, die einem zur Seite stehen.“