Geldscheine und Münzen liegen auf einem Tisch. Foto: pixabay/symbolbild
Geldscheine und Münzen liegen auf einem Tisch. Foto: pixabay/symbolbild

Kreis Mettmann. Die gesetzliche Rente reicht für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen nicht aus, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. In einem Rentenreport hat der DGB NRW die aktuellsten verfügbaren Zahlen rund um die gesetzliche Rente zusammengestellt und gibt eine fundierte Bestandsaufnahme, wie es um die Rente in NRW und den einzelnen Kommunen steht.


„Besonders Frauen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Beschäftigte im Niedriglohnsektor sind von niedrigen Renten betroffen und von Altersarmut bedroht“, Vassilios Athanassiou, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Mettmann.

Für Mettmann wirken die Zahlen im NRW-Vergleich für 2024 im Durschnitt erst einmal positiv: 1.485 Euro Altersrente erhielten die Männer und 1.029 Euro die Frauen. Die Differenz von rund 456 Euro, was 31% weniger Altersrente für Frauen bedeutet, ist ein deutlicher Ausdruck struktureller Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt: geringere Löhne, mehr Teilzeit und unterbrochene Erwerbsbiografien schlagen sich in deutlich niedrigeren Renten für Frauen nieder. Diese Lücke besteht seit Jahren – und wird sich nicht von allein schließen. Wer die Rentenlücke schließen will, muss die Ursachen beseitigen: gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit, mehr Tarifbindung, existenzsichernde Beschäftigung statt Teilzeitfalle, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine starke gesetzliche Rente.

Der DGB-NRW-Rentenreport zeigt zudem erhebliche regionale Unterschiede bei den Rentenhöhen. „Grundsätzlich kann man sagen: In stark industriell geprägten Regionen wie dem Ruhrgebiet sind die Renten für Männer dank starker Tarifverträge und guter Löhne aktuell noch vergleichsweise hoch. Da hier das klassische Zuverdienermodell lange sehr verbreitet war, sind die Renten der Frauen hier wiederum besonders niedrig“, erklärt Vassilios Athanassiou.

Die Zahlen machen außerdem deutlich, dass es sehr viele Menschen in NRW gar nicht schaffen, bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten, da sie vorher krank oder arbeitslos werden. „In NRW lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter 2024 von Frauen bei 64,84 Jahren und von Männern bei 64,66 Jahren, Erwerbsgeminderte gehen sogar rund zehn Jahre früher in Rente“, so Annemarie Benke, DGB-Gewerkschaftssekretärin. „Daher ist es falsch, das Rentenalter pauschal zu erhöhen und den Renteneintritt an die Lebenserwartung zu koppeln, wie es die Rentenkommission vorschlägt. Das würde in vielen Fällen schlicht eine Rentenkürzung bedeuten.“

Kritisch sieht Vassilios Athanassiou zudem die Pläne der Rentenkommission für eine stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge. „Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel der Rentenkommission, das Rentenniveau zu stabilisieren. Statt riskanter Börsenmodelle brauchen wir aber eine verpflichtende Betriebsrente für alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die von den Arbeitgebern mindestens mitfinanziert wird.“

Positiv bewertet der DGB den Vorschlag der Rentenkommission, dass mit Selbstständigen und Abgeordneten mehr Menschen in die gesetzliche Rente einzahlen sollen. „Auch die verpflichtende Einbeziehung von Minijobs in die Rentenversicherung unterstützen wir ausdrücklich. Gerade Frauen, die überdurchschnittlich häufig in Minijobs beschäftigt sind, würden davon profitieren. Wer arbeitet, muss vom ersten Euro an in die Rentenkasse einzahlen und dann auch im Alter davon profitieren“, sagt die Gewerkschaftssekretärin Annemarie Benke.