Am Gedenkzeichen im Neandertal fand das Gedenken statt. Foto: Kreis ME
Am Gedenkzeichen im Neandertal fand das Gedenken statt. Foto: Kreis ME

Kreis Mettmann. In Deutschland wird seit 1996 mit dem „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar an die Verbrechen der NS-Herrschaft erinnert. Im Neandertal hatten 

Im August 2020 hatte der Kreis Mettmann im Neandertal das Gedenkzeichen „Heller Schatten“ der Berliner Künstlerin Franziska Peter eingeweiht. Es steht für 152 Menschen, die hier während der NS-Zeit verfolgt, ausgebeutet, denunziert und ermordet wurden.

Zum Gedenken an die Opfer erinnerten Landrat Thomas Hendele und Kreisarchivar Joachim Schulz-Hönerlage am Samstag im Neandertal an die Menschen, die als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Kalkwerk Neandertal der Firma Mannesmann eingesetzt wurden.

Und auch auf aktuelle Entwicklungen nahm Hendele Bezug: „Wie oft haben wir es beschworen: Niemals wieder sollte es eine Diktatur in Deutschland, nie wieder Antisemitismus, nie wieder Rassismus, nie wieder Ausgrenzung und nie wieder Krieg geben. Doch die Wirklichkeit sieht heute leider anders aus. Jüdinnen und Juden haben Angst, auf die Straße zu gehen; palästinensische Gruppen fordern die Auslöschung Israels nach dem terroristischen Überfall der Hamas; rechtspopulistische und rechtsextreme Gruppierungen und Parteien haben seit Jahren mehr oder weniger ungebremsten Zulauf; Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte werden nicht nur beschimpft, sondern auch attackiert und sogar lebensgefährlich verletzt; mitten in Europa gibt es seit zwei Jahren wieder Krieg mit allen vorstellbaren schrecklichen und unmenschlichen Begleiterscheinungen.“

Umso wichtiger sei es, die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten, so Hendele. Er unterstrich: „Der Respekt und die Achtung des menschlichen Lebens sind die Grundlagen unserer Gesellschaft. Die Freiheit jedes Einzelnen, die Gewaltenteilung im Staat, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und ein friedliches Zusammenleben sollten für uns alle selbstverständlich sein. Um unsere Demokratie, ihre im Grundgesetz formulierten Werte und den funktionierenden Rechtsstaat zu sichern und zu schützen, ist historisch-politische Bildungsarbeit unabdingbar. Dabei helfen Gedenktage wie der heutige. Sie führen uns regelmäßig vor Augen, wie brutal und zerstörerisch der Mensch sein kann, wenn er nicht die Würde seiner Mitmenschen achtet und sich selbst über das Recht stellt.

In diesem Sinne ist der heutige Tag und das Gedenkzeichen ‚Heller Schatten‘ für uns zugleich Mahnung und Verpflichtung, aber auch Anlass für Hoffnung: indem wir uns im Bewusstsein unserer historischen Verantwortung den drängenden historischen und humanitären Herausforderungen der Gegenwart stellen und die Würde jedes einzelnen Menschen ins Zentrum unseres Handelns stellen.“

Zur Gedenkveranstaltung waren auch der Bundestagsabgeordnete Peter Beyer, der Landtagsabgeordnete Martin Sträßer, Mettmanns Bürgermeisterin Sandra Pietschmann, Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz, Kreistagsmitglieder und Vertreter der Geschichtsvereine gekommen und legten Blumen am Gedenkzeichen nieder.

Die Dokumentation „Verfolgt, ausgebeutet, ermordet – Das Neandertal als Schauplatz nationalsozialistischer Verbrechen“ kann auf der Homepage des Kreises www.kreis-mettmann.de heruntergeladen werden.