Simon Wilde (Tafel), Silvia Böhm (Vorsitzende Neue Wege e.V.), Jacqueline Melchert (JuHiS Stadt Mettmann und Nico Reitz (Tafel). Foto: Verein Neue Wege
Simon Wilde (Tafel), Silvia Böhm (Vorsitzende Neue Wege e.V.), Jacqueline Melchert (JuHiS Stadt Mettmann und Nico Reitz (Tafel). Foto: Verein Neue Wege

Mettmann. Bei einem Umzug ist jede helfende Hand willkommen. Aktuell gilt dies ganz besonders für die Tafel Mettmann. Hilfe kommt von einem Mettmanner Verein. 


Silvia Böhm, Vorsitzende des Vereins „Neue Wege“, waren die Umzugspläne bekannt und so kamen die beiden Organisationen ins Gespräch. Am Montag rückten zwölf Jugendliche an, um anzupacken. Sie wurden im Rahmen des Herbstferienprojekts des Vereins Neue Wege eingesetzt, um die von Staatsanwaltschaft oder Gericht verhängten Sozialstunden abzuarbeiten. Diesen Sozialstunden liegen in der Regel verschiedene Delikte zu Grunde: Schulpflichtverletzungen, Diebstähle oder auch Körperverletzungen.

Die Auswahl der Jugendlichen und ihre Betreuung übernehmen die Jugendhilfen
im Strafverfahren (JuHiS), die im Verein Neue Wege hauptamtlich tätig sind.
Die Jugendlichen stammen aus den fünf Mitgliedskommunen des Vereins. Dies
sind Erkrath, Haan, Heiligenhaus, Mettmann und Wülfrath. Es geht es nicht nur
darum, einen Ausgleich für die Tat zu schaffen, sondern auch um die pädagogische Arbeit mit den Jugendlichen.

Im Rahmen eines solchen Projekts können die JuHiS anders mit den Jugendlichen in Kontakt treten, denn auch die JuHiS packen regelmäßig mit an.
Obwohl die Sozialstunden angeordnet wurden, profitieren am Ende auch die Jugendlichen von den regelmäßigen Projekten des Vereins.
Begeistert von der Gruppe und der Stimmung zeigte sich ein junger Erwachsener. Er hatte erwartet, mit Argwohn und Stigmatisierung konfrontiert zu werden.

Schließlich sei allen bekannt, dass seiner Teilnahme eine Straftat zugrunde liegt.
Zu seiner Freude traf er auf Jugendliche, mit denen er gut zusammenarbeiten
konnte und wollte. Die Stimmung war alles andere als düster. Auch die Mitarbeitenden der Tafel, allen voran Simon Wilde, waren mit dem
Ergebnis nach vier Arbeitstagen sehr zufrieden. Den Jugendlichen gefiel gut, dass
die Arbeit auf Augenhöhe erfolgte. Es wurde viel geräumt, sortiert, gestrichen. Auch an der Ausgabe war ein Teil der Jugendlichen beteiligt. Im Außenbereich wurde Laub zusammengekehrt und gefegt. Ein 16-Jähriger entdeckte ein handwerkliches Talent, von dem er noch nicht wusste: Die Qualität seiner Malerarbeit war so gut, dass er überwiegend für das Streichen der neuen Räume eingesetzt wurde. Dennoch kann er sich eine Ausbildung zum Maler und Lackierer zurzeit nicht vorstellen. Er möchte zunächst Abitur und dann eher etwas im Bereit IT machen.

Simon Wilde, hauptamtlicher Ansprechpartner bei der Tafel, ist dankbar für
die Unterstützung durch den Verein. Ist ein Umzug im privaten Umfeld schon anstrengend, ist er für eine Institution wie die Tafel eine enorme Herausforderung.

Zum Ende des Projekts fühlen alle Beteiligten einen persönlichen Gewinn.
Besonders hervorzuheben ist: Die Tafel konnte aus den Reihen der Jugendlichen
gleich drei neue Ehrenamtlich rekrutieren. Ihnen gefiel die Arbeit und das Miteinander so gut, dass sie die Umzugshilfe freiwillig fortsetzen möchten.
Übrigens: Die Tafel kann auch weiterhin jede helfende Hand gebrauchen. In der
übernächsten Woche müssen die Räume in Metzkausen übergeben werden.
Simon Wilde freut sich über Helferinnen und Helfer (Telefon 02104 – 145427 /
E-Mail: s.wilde@diakonie-kreis-mettmann.de).