Mettmann. Wie anspruchsvoll ist es, einen Bahnbetrieb sicher am Laufen zu halten? Und wie schlagen sich Politikerinnen und Politiker und Unternehmerinnen und Unternehmer, wenn plötzlich Auszubildende die Aufgaben stellen? Bei der zweiten IHK-Azubi-Challenge tauschten sechs Politikerinnen und Politiker und Wirtschaftvertreterinnen und -vertreter ihre gewohnten Rollen gegen praktische Aufgaben aus dem Eisenbahnbetrieb. Bei der Mettmanner Regiobahn waren technisches Verständnis, Fingerfertigkeit und Sorgfalt gefragt. Am Ende setzte sich Team Wirtschaft mit 2:1 durch.
Unter dem Motto „Azubis erklären – Politik und Wirtschaft erleben“ übernahmen diesmal die Auszubildenden der Regiobahn das Kommando. Vitali Kornishyn und Paul Szabados, beide angehende Eisenbahner im Betriebsdienst, erklärten die Aufgaben und bewerteten die Leistungen der Teams. Damit rückten sie einen Ausbildungsberuf ins Rampenlicht, dessen Arbeit für einen sicheren und zuverlässigen Eisenbahnbetrieb entscheidend ist.
Im „Team Politik“ traten die Landtagsabgeordneten Elisabeth Müller-Witt (SPD), Ina Besche-Krastl (Bündnis 90/Die Grünen) und in Vertretung Ulrich Biedendorf (IHK Düsseldorf) an. Das „Team Wirtschaft“ bildeten Jan-Philipp Matthewes, Geschäftsführer der Matthewes GmbH, Robin Clemens, Geschäftsführer der bitloft GmbH, und Thomas Römer, Geschäftsführer der Haaner Felsenquelle staatlich anerkannte Heilquelle GmbH.
Die Challenge machte sichtbar, welches Fachwissen hinter den Aufgaben steckt. Die Auszubildenden waren die Fachleute und erklärten, worauf es ankommt, beobachteten die Umsetzung und entschieden, welches Team seine Aufgabe besser gelöst hatte. „Bei unserer Azubi-Challenge drehen wir die Rollen um: Die Azubis sind die Experten, Politik und Wirtschaft müssen sich beweisen. Gerade weniger bekannte Berufe brauchen solche Einblicke. So wird sichtbar, wie viel Können und Verantwortung in Ausbildung steckt. Wer morgen Fachkräfte einstellen möchte, muss heute jungen Menschen zeigen, wie stark Ausbildung ist“, sagt Dr. Ulrich Biedendorf, Geschäftsführer des Kompetenzfelds Standortpolitik der IHK Düsseldorf.
Nach drei Wettkämpfen stand schließlich das Ergebnis fest: Team Wirtschaft gewann mit 2:1 gegen Team Politik. Doch unabhängig vom Punktestand zeigte die Challenge vor allem eines: Ausbildung lässt sich am besten verstehen, wenn man sie selbst erlebt.
Wie wichtig es ist, Unternehmen und Ausbildungsinteressierte zusammenzubringen, zeigt der aktuelle Ausbildungsmarkt. Ende Juli waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Düsseldorf 1.437 Bewerberinnen und Bewerber noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Gleichzeitig waren 1.277 betriebliche Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Interesse und offene Stellen sind also vorhanden – sie finden aber noch nicht immer zusammen.
Auch für die Regiobahn ist die intensive Ausbildung eigener Fachkräfte ein wichtiger Baustein der Unternehmensstrategie: „Die Regiobahn hat dieses Jahr eine Ausbildungsinitiative mit Fokus auf die eisenbahnspezifischen Berufe Lokführer und Mechatroniker mit zehn neuen Stellen gestartet. In Mettmann entsteht damit ein Eisenbahnkompetenzkluster, das nachhaltig einen stabilen Betrieb mit einer qualitativ hochwertigen Instandhaltung für Züge garantiert. Wir freuen uns aus diesem Grund besonders, dass unsere Regiobahn-Azubis dieses Jahr die Azubi-Challenge ausrichten durften. Schon jetzt besetzen wir die Ausbildungsplätze für 2027,“ so Götz Nink, Geschäftsführer der Regiobahn. Hintergrund ist der anhaltende Fachkräftemangel in der Eisenbahnbranche, der die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmend erschwert. Durch die gezielte Ausbildung möchte die Regiobahn ihren langfristigen Personalbedarf aus den eigenen Reihen decken und gleichzeitig jungen Menschen attraktive berufliche Perspektiven in einer zukunftssicheren Branche bieten.
Zugleich lohnt sich bei der Berufswahl der Blick über bekannte Ausbildungsberufe hinaus. Bundesweit stehen jungen Menschen mehr als 320 anerkannte Ausbildungsberufe offen. Die IHK-Azubi-Challenge setzt deshalb auf unmittelbare Einblicke: Auszubildende zeigen selbst, was ihren Beruf ausmacht, welche Fähigkeiten gefragt sind und welche Verantwortung sie bereits während ihrer Ausbildung übernehmen.
Informationen zu freien Ausbildungsstellen finden Interessierte unter www.ausbildungklarmachen.de.


