Im Ratssaal übergaben Svenja Kircher und 1. Brudermeister Daniel Gebauer die historische Schützenfahren der St. Sebastinaus Schützenbruderschaft als Dauerleihgabe für die Stadt an Bürgermeister André Bär und Stadtarchivar Marinko Betker. Foto: Kreisstadt Mettmann
Im Ratssaal übergaben Svenja Kircher und 1. Brudermeister Daniel Gebauer die historische Schützenfahren der St. Sebastinaus Schützenbruderschaft als Dauerleihgabe für die Stadt an Bürgermeister André Bär und Stadtarchivar Marinko Betker. Foto: Kreisstadt Mettmann

Mettmann. Ein Stück Stadtgeschichte bekommt einen neuen Platz: Daniel Gebauer, 1. Brudermeister der St. Sebastianus Schützenbruderschaft, und Svenja Kircher, Tochter des verstorbenen Schützenbruders und langjährigen Fahnenschwenkers Josef „Jupp“ Kircher, haben die historische Bruderschaftsfahne am Mittwoch (14. Oktober) an Bürgermeister André Bär übergeben. Die Fahne wird der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und soll künftig im Rathaus einen angemessenen Platz finden.


Svenja Kircher hatte die Fahne aus dem Nachlass ihres Vaters an die Schützenbruderschaft zurückgegeben. „Diese Fahne ist weit mehr als ein historisches Vereinszeichen, sie ist ein beeindruckendes Zeugnis für den Mut, die Überzeugung und den Zusammenhalt der Menschen in Mettmann. Ich freue mich sehr, dass wir dieses wertvolle Stück unserer Stadtgeschichte dank der Familie Kircher und der St. Sebastianus Schützenbruderschaft für kommende Generationen erhalten können“, sagte Bürgermeister Bär. Bis ein geeigneter Platz im Rathaus gefunden ist, wird die Fahne zunächst im Stadtarchiv aufbewahrt. Stadtarchivar Marinko Betker hatte den Übernahmeprozess begleitet.

Die Geschichte der Fahne ist eng mit der Geschichte der Familie Kircher verbunden. Viele Jahre befand sie sich im Besitz von Josef Kircher, der sie von seinem Vater Wilhelm Kircher erhalten hatte. Auch er war als Fahnenschwenker in
der St. Sebastianus Schützenbruderschaft aktiv. Während der Zeit des Nationalsozialismus versteckte Wilhelm Kircher
die Fahne in seinem Bett und rettete sie so vor der Vernichtung. Im Jahr 1938 wurden die Schützenvereine aufgelöst und sämtliche Aktivitäten der Schützen unter Androhung von Strafe verboten. Andere bedeutende Insignien der Bruderschaft, darunter die Königskette, wichtige Abzeichen und weitere Fahnen, wurden von den Nazis zerstört, erläuterte Gebauer.

Damit ist die Fahne mehr als ein historisches Erinnerungsstück: Sie steht für den Mut und die Standhaftigkeit jener Menschen, die trotz Verbots das Erbe der Bruderschaft bewahrten. Im Rathaus soll sie künftig auch als Mahnung dienen, „dass sich diese schlimmen Zeiten nie wiederholen dürfen“, betonte der 1. Brudermeister. Die Geschichte der St. Sebastianus Schützenbruderschaft ist eng mit der Geschichte Mettmanns verknüpft. Bereits im 15. Jahrhundert schlossen sich Bürgerschützen zusammen, um die Freiheit der Stadt zu verteidigen. Darüber hinaus sorgten sie insbesondere bei kirchlichen Veranstaltungen für Recht und Ordnung. Die Mettmanner Schützenbruderschaft war darüber hinaus für die Menschen in der Stadt im Einsatz. So spendeten Bruderschaftsmitglieder den ärmeren Bauern fruchtbaren Boden aus dem Bruderteich (dieser befand sich nahe der Goldberger Mühle) als Dünger. Außerdem übernahmen sie auch die Pflege kranker Mitbürger.

Mit dem urkundlich belegten Gründungsjahr 1435 ist die Bruderschaft der älteste Verein Mettmanns. Die historische
Fahne macht diese Schützentradition sichtbar und erinnert zugleich an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Im Rathaus wird sie künftig die Verbundenheit der Bruderschaft mit der Stadt ebenso dokumentieren wie Zivilcourage,
Zusammenhalt und historische Erinnerung. Stadtarchivar Betker will nach Rücksprache mit dem Vorstand der Bruderschaft dem Haus der Geschichte NRW anbieten, die Schützenfahne in der bis 2030 entstehenden Dauerausstellung im Behrensbau in Düsseldorf als Mettmanner Exponat für eine gewisse Zeit zur Verfügung zu stellen.