"Kalle Koralle" wird mit einem Autokran auf die Wiese neben der Goldberger Mühle gesetzt. Foto: Kreisstadt Mettmann
"Kalle Koralle" wird mit einem Autokran auf die Wiese neben der Goldberger Mühle gesetzt. Foto: Kreisstadt Mettmann

Mettmann. Ein Stück Erd- und Stadtgeschichte ist zurückgekehrt. Der rund 13 Tonnen schwere Kalksteinbrocken aus dem Neandertal hat einen neuen Standort gefunden. „Kalle Koralle“, wie der Stein liebevoll genannt wird, liegt nun auf der Wiese neben der Goldberger Mühle.


Möglich wurde die Rückkehr durch das große Engagement von Rüdiger
Heidenreich, Mitglied des Arbeitskreises Stadtmarketing „Neanderthal-Stadt Mettmann“.
Die Geschichte von Kalle reicht rund 365 Millionen Jahre weit zurück. Der Kalkstein entstand aus Korallen eines tropischen Devon-Meeres. Im Mai 1977 schenkten die Kalksteinwerke
Mannesmann Neandertal den Mettmanner Bürgerinnen und Bürgern den imposanten Felsbrocken als Zeugnis der Erdgeschichte und der Mettmanner Industriegeschichte.

Das Projekt „Schwebefelsen“ wurde nicht genehmigt Zunächst lag der Stein viele Jahre an der Ecke Freiheitstraße / Am Königshof. Später wurde er auf die gegenüberliegende Grünfläche hinter der alten Straßenbahn versetzt. Als die Bauarbeiten für das Kö-Karree des Mettmanner Bauvereins anstanden, mussten sowohl die Straßenbahn als auch der Kalkstein weichen.

Um zu verhindern, dass der geschichtsträchtige Fels zerkleinert wird, hatte der Landschaftsarchitekt Richard Bödeker eine ausgefallene Idee: Unter dem Projektnamen
„Schwebefelsen“ sollte der Stein auf einer historischen VierSäulen-Hebebühne im Neandertal platziert werden, als Teil des Evolutionspfades, der von Mettmann zum Museum führt. Im Mai 2012 wurde der Kalkstein ins Neandertal transportiert und gegenüber dem Schwarzwaldhaus abgelegt. Da das Projekt „Schwebefelsen“ nicht genehmigt wurde, blieb der Stein dort liegen. Mit den Jahren verschwand er allmählich unter Brombeerranken und umgestürzten Bäumen – und geriet fast in Vergessenheit. Einer jedoch hatte den Felsbrocken nie ganz aus den Augen  verloren: Rüdiger Heidenreich. Schon lange wollte er den Kalkstein wieder nach Mettmann holen. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort führte er zahlreiche Gespräche.
Zunächst war eine Fläche in der Innenstadt vorgesehen. Dort ließ sich das Vorhaben jedoch nicht umsetzen. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung wurde schließlich die Wiese neben der Goldberger Mühle als guter Standort ausgemacht.

Bevor Kalle seine Rückreise antreten konnte, war erst einmal Handarbeit gefragt: Im Februar befreite Heidenreich den tonnenschweren Stein gemeinsam mit einem Bekannten von dichtem Gestrüpp und Bewuchs. Weil die Brombeeren schneller wuchsen als Genehmigungen eingeholt und Unterstützer gefunden waren, musste der Stein bis zum Abtransport noch zweimal freigeschnitten werden. Mettmanner Unternehmen ziehen an einem Strang Die Rückkehr des Kalksteins war nur durch das Zusammenwirken zahlreicher Unterstützer möglich. Der Mettmanner Bauverein übernahm die Kosten für den Kran.

Die Firma Westphal Service stellte den Transport mit einem
Tieflader sicher. Das Ingenieurbüro Feuerstack + Beyen aus
Düsseldorf erstellte die statische Unbedenklichkeitserklärung,
während GALA-Bau Palm & Spiecker für das Fundament
verantwortlich war.

Auch die organisatorischen Vorbereitungen vor Ort war Unterstützung erforderlich: Die Rheinbahn stimmte einer Straßensperrung zu, durch die zwei Busfahrten ausfielen. Der
städtische Baubetriebshof sperrte die Goldberger Straße ab. Rüdiger Heidenreich mit „Kalle Koralle“. Das Ergebnis zeigt, was durch persönliches Engagement, gemeinschaftlichen Einsatz und eine gute Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Institutionen und Stadtverwaltung erreicht werden kann: Ein bedeutendes Stück Mettmanner Geschichte bleibt erhalten und erhält einen neuen, öffentlich zugänglichen Platz. Ein steinerner Zeuge der Vergangenheit
Denn Kalle Koralle ist weit mehr als ein tonnenschwerer Fels. Er erinnert an ein Meer, das vor mehr als 365 Millionen Jahren existierte, an die geologische Entwicklung der Region und an
die lange Tradition des Kalkabbaus im Neandertal. Zugleich erzählt seine eigene Geschichte von der industriellen Vergangenheit Mettmanns und von Veränderungen im Stadtbild. Eine offizielle Übergabe des Kalksteins an die Mettmanner Bürgerinnen und Bürger ist in Planung.