Sabine Hauswald mit Volker Klein und Felix Spiecker. Foto: MUT
Sabine Hauswald mit Volker Klein und Felix Spiecker. Foto: MUT

Mettmann. Die M.U.T.-Fraktion steht der geplanten Entwicklung des Bereichs an der Kirchendelle mit einem dort vorgesehenen Nahversorger und zusätzlicher Wohnbebauung kritisch gegenüber.


Nach intensiver Auseinandersetzung mit den vorliegenden Planungen und einem konstruktiven Austausch mit der Bürgerinitiative Kirchendelle sieht die Fraktion „erhebliche offene Fragen“. Die Wählergemeinschaft ist gegen das derzeit geplante Bauvorhaben.

Besonders kritisch bewertet die Fraktion die Ansiedlung eines weiteren großen Lebensmittelmarktes. In den vorliegenden Untersuchungen wird für den östlichen Bereich von Metzkausen ein Defizit bei der Verkaufsfläche im Bereich der Nahversorgung festgestellt. Gleichzeitig zeigt der direkte Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern ein anderes Bild. Ein tatsächlicher Mangel an Einkaufsmöglichkeiten wird von vielen Menschen vor Ort so nicht wahrgenommen. „Natürlich müssen wir uns mit den vorliegenden Gutachten und Analysen auseinandersetzen. Aber Stadtentwicklung darf nicht ausschließlich auf Zahlen und Berechnungen reduziert werden. Wenn die Menschen vor Ort einen zusätzlichen Bedarf so nicht empfinden, müssen wir auch diese Rückmeldungen ernst nehmen. Die Wahrnehmung der Bevölkerung vor Ort unterscheidet sich hier aus meiner Sicht deutlich von dem Bild, das uns die Analyse vermittelt“, erklärt Felix Spiecker, Direktkandidat im Wahlbezirk 51/40.

Hinzu kommt die Frage nach den Auswirkungen auf bestehende Nahversorgungsstrukturen. Nach Kenntnis der Fraktion besteht seitens der EDEKA-Gruppe Interesse an dem Standort. Damit stellt sich insbesondere die Frage, welche Folgen ein weiterer großer Lebensmittelmarkt für den bestehenden EDEKA-Markt an der Berliner Straße und die übrigen Nahversorgungsangebote im Umfeld hätte.

„Nahversorgung darf nicht isoliert betrachtet werden. Wir müssen uns sehr genau fragen, welchen tatsächlichen Mehrwert ein weiterer großer Lebensmittelmarkt an diesem Standort bringt. Wenn ein neuer Standort bestehende Märkte unter Druck setzt, kann am Ende eine Verlagerung stattfinden, ohne dass sich die Nahversorgung insgesamt tatsächlich verbessert“, so Spiecker weiter. Auch die geplante Wohnbebauung sieht die M.U.T.-Fraktion kritisch. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Wohnungsbau grundsätzlich abzulehnen. Mettmann braucht Wohnraum. Entscheidend ist für die Fraktion jedoch, welcher Wohnraum geschaffen wird und welchen konkreten Mehrwert er für die Stadtgesellschaft bringt.

„Ich bin grundsätzlich für Wohnungsbau. Aber wir müssen uns darauf konzentrieren, wo unsere tatsächlichen Probleme liegen. Und eines dieser Probleme ist bezahlbarer Wohnraum. Genau dieser Aspekt findet bei der geplanten Wohnbebauung aus meiner Sicht nicht ausreichend Berücksichtigung. Wenn wir zusätzliche Freiflächen in Anspruch nehmen, sollte daraus auch ein klarer Mehrwert für die Mettmannerinnen und Mettmanner entstehen. Diesen sehe ich bei diesem Vorhaben nicht“, erklärt Sabine Hauswald.

Besonders kritisch bewertet Hauswald den zusätzlichen Flächenverbrauch. Landwirtschaftlich genutzte und bislang weitgehend unversiegelte Flächen sollen für Wohnbebauung und Erschließung in Anspruch genommen werden. Gleichzeitig sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich, um die Folgen der zusätzlichen Versiegelung und die Anforderungen an die Entwässerung auszugleichen. „Für mich stellt sich grundsätzlich die Frage, warum wir eine bislang unversiegelte Fläche bebauen müssen, um anschließend mit erheblichem Aufwand einen Teil der Folgen wieder auszugleichen. Natürlich sind die vorgesehenen Maßnahmen sinnvoll. Sie ändern aber nichts daran, dass wir Fläche verlieren. Und wenn am Ende nur 24 Wohneinheiten entstehen, gleichzeitig aber kein verbindlicher Anteil an gefördertem Wohnraum vorgesehen ist, steht das für mich nicht im richtigen Verhältnis“, so Hauswald.

Auch die verkehrlichen Auswirkungen der Gesamtentwicklung müssten aus Sicht der Fraktion kritisch betrachtet werden. Durch die geplante Wohnbebauung und den Nahversorger ist mit zusätzlichem Verkehr zu rechnen. Dabei müsse insbesondere berücksichtigt werden, wie sich die verschiedenen geplanten Bauvorhaben im Umfeld gegenseitig auswirken.
Volker Klein, Fraktionsvorsitzender der M.U.T.-Fraktion, betont: „Wir wollen Stadtentwicklung nicht verhindern, sondern verantwortungsvoll gestalten. Bei einem Vorhaben dieser Größenordnung müssen die Auswirkungen auf Verkehr, bestehende Nahversorgung, Infrastruktur und Freiflächen gemeinsam betrachtet werden. Für uns ist derzeit nicht ausreichend erkennbar, dass die Vorteile die absehbaren Nachteile überwiegen.“

Als Fraktion kommen wir zu dem Ergebnis, dass die offenen Fragen und absehbaren Nachteile derzeit überwiegen. Das betrifft insbesondere den Flächenverbrauch, den fehlenden verbindlichen Anteil bezahlbaren Wohnraums, mögliche Auswirkungen auf bestehende Nahversorgungsangebote und die Verkehrsentwicklung. Deshalb spricht sich die M.U.T.-Fraktion gegen die Planung in ihrer jetzigen Form aus.