IHK-Geschäftsführer Gregor Berghausen. Foto: BA
IHK-Geschäftsführer Gregor Berghausen. Foto: Olaf-Wull Nickel

Düsseldorf. Die Unternehmen in der Region spüren die Folgen des Klimawandels und investieren auf vielfältige Weise in Klimaschutzmaßnahmen – das ist das Ergebnis einer Untersuchung der sieben Industrie- und Handelskammern im Rheinland. Die IHKs Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln, Mittlerer Niederrhein, die Bergische IHK und Niederrheinische IHK haben den aktuellen Stand der unternehmerischen Klimaschutzmaßnahmen in der Region beleuchtet.

Im Rahmen der Untersuchung „Klimaschutz in Unternehmen im Rheinland“ wurden im Frühjahr 2023 rund 1.000 Unternehmen befragt. Die Untersuchung gibt einen Einblick in die Auswirkungen des Klimawandels auf die Betriebe, die bereits umgesetzten und geplanten Klimaschutzprojekte sowie die Motive und die Herausforderungen und Hemmnisse, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen. „Die Untersuchung zeigt, vor welche großen Herausforderungen der Klimawandel die Unternehmen stellt“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf.
Eine große Mehrheit der Unternehmen nimmt ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr und hat auch schon diverse und umfangreiche Energieeffizienz- und Klimaschutzprojekte umgesetzt.

Für die meisten Unternehmen sind die gesetzlichen Auflagen das größte Hemmnis mit Blick auf den Klimaschutz (47 Prozent). Der gestiegene bürokratische Aufwand und die erhöhten Dokumentationspflichten belasten die Unter-nehmen. Auch der gesellschaftliche Druck wird von den Firmen als spürbare Auswirkung genannt (39 Prozent). Eine veränderte Kundennachfrage wird von 29 Prozent der Unternehmen wahrgenommen.

Die Umfrage der IHKs verdeutlicht, welche Hürden die Unternehmen beim Klimaschutz sehen. So nennen fast zwei Drittel der Betriebe mangelnde Planungssicherheit durch politische Rahmenbedingungen als Hauptproblem.

„Wenn sich Förderprogramme und politische Schwerpunkte regelmäßig ändern, fehlt der Wirtschaft die Planbarkeit“, sagt Berghausen. Zudem werden die Kosten der Maßnahmen selbst und die mitunter fehlende Möglichkeit, diese Kosten auf die Kunden zu übertragen, als große Herausforderungen wahrgenommen (mehr als 60 Prozent der Antworten). Bürokratische Hürden sind ebenfalls ein wesentliches Hindernis (50 Prozent). Besonders in exportorientierten Branchen wie Transport und Logistik sowie in der Industrie besteht außerdem die Sorge um die internationale Wettbewerbsfähigkeit. „Im internationalen
Wettbewerb investieren Unternehmen aus anderen Ländern oft weniger in den Klimaschutz und profitieren davon, dass sie ihre Waren und Dienstleistungen günstiger auf dem Markt anbieten können“, so Berghausen. „Diese Nachteile sollten weitmöglichst ausgeglichen werden“, so Berghausen weiter. Langfristig aber sollte sich die Bundesregierung für eine stärkere internationale Verankerung des Klimaschutzes einsetzen und diesen vorantreiben. „Denn letztlich nützt uns die nationale Klimaschutzpolitik wenig, wenn sie im Ergebnis zu einem Carbon Leakage und der Verlagerung deutscher Unternehmen ins Ausland führt,
in dem der Klimaschutz gesetzlich nicht verankert ist“, betont Berghausen.

Die Industrie- und Handelskammern sind sich einig, dass die politischen Rahmenbedingungen verstärkt die unternehmerischen Planungsperspektiven im Blick haben und die gewählten Klimaschutzinstrumente marktbasiert und technologieoffen gestaltet sein sollten. „Wie so oft gilt auch hier, dass eine Reduzierung bürokratischer Hemmnisse allen Unternehmen zugute kommt“, bekräftigt Gregor Berghausen.

Fest steht, dass die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen Investitionen er-fordert. Rund 60 Prozent der Unternehmen im Rheinland haben dementsprechend in den vergangenen fünf Jahren ihre Investitionen in den Klimaschutz erhöht. Vor allem im Produzierenden Gewerbe (68 Prozent) und im Bereich Transport und Logistik (73 Prozent) sind diese Anteile überdurchschnittlich hoch.

Um die Klimaneutralität zu erreichen, haben 44 Prozent der befragten Unternehmen zeitliche Ziele festgelegt. Um diese Zielmarken zu erreichen, haben rund 27 Prozent der Unternehmen eine CO2-Bilanz erstellt.

Dabei ist die Größe der Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Bei den Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden liegt der Anteil sogar bei knapp 60 Prozent. „Das zeigt, dass größere Unternehmen über entsprechende Ressourcen verfügen, die sie zur Erstellung der CO2-Bilanzen und zum ESG-Reporting brauchen“, betont Berghausen.