
Essen. Wann hat es das schon mal gegeben: Mitwirkende eines Theaterprojektes in der Stadt wollen, dass es fortgesetzt wird, sammeln dafür Unterschriften und übergeben diese an die Theaterleitung. Diese Erfahrung hat nun das Schauspiel Essen mit seinem partizipativen Theaterspektakel „500 Meter“ gemacht, das im Frühsommer dieses Jahres die nördliche Innenstadt mit Tanz, Musik und Theater zum Spielort machte.
Rund 100 Menschen aus der Stadt waren daran beteiligt. Mit dabei waren unter anderem Übersetzer und Boxer aus Projekten des RAA-Verein NRW (Respekt, Achtsamkeit, Anerkennung) sowie die Tanzgruppe BailaMe. Für Tuncer Kalayci, den 1. Vorsitzenden des Vorstands des RAA-Vereins, war das Projekt ein besonderes Beispiel dafür, wie Kultur Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zusammenbringen und einen Stadtteil beleben kann. Die positive Resonanz brachte Yasar Güzel, ebenfalls vom RAA-Verein, auf die Idee, Unterschriften für eine Fortsetzung des Projekts zu sammeln.
Mit Erfolg: Rund 315 Menschen haben sich für eine Weiterführung von „500 Meter“ ausgesprochen. „Für uns war ‚500 Meter‘ viel mehr als ein Theaterprojekt. Es hat Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten zusammengebracht, Begegnungen ermöglicht und gezeigt, wie viel Kreativität und Gemeinschaft in unserer Stadt steckt. Dass sich rund 315 Menschen für eine Fortsetzung einsetzen, ist ein starkes Zeichen dafür, wie nachhaltig dieses Projekt gewirkt hat. Wir wünschen uns, dass diese besondere Idee weiterlebt und Menschen auch künftig durch Kultur zusammengebracht werden“, so Tuncer Kalayci.
Die gesammelten Unterschriften übergab Tuncer Kalayci gemeinsam mit Yasar Güzel am Donnerstag, 8. Oktober, an die Intendantin des Schauspiel Essen, Selen Kara. „Das ist ein ganz großartiges Feedback für dieses Projekt“, freut sich Kara. „Wir möchten ja viele Menschen mit unserem Theater erreichen. Dass es so aufgegangen ist und bei Beteiligten wie Besucher*innen so einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat, ist toll. Leider werden wir ‚500 Meter‘ nicht wieder aufnehmen können, aber wir sind schon in Planungen zu einem Nachfolgeprojekt für die nächste Spielzeit, soviel kann ich schon verraten.“
Ausgangspunkt des partizipativen Theaterprojektes „500 Meter“ war die Frage: Wer lebt eigentlich in unmittelbarer Nachbarschaft des Theaters? Regisseur Christoph Frick und Autor Lothar Kittstein machten sich gemeinsam mit Stadt-Dramaturgin Katharina Rösch auf den Weg, um ein Jahr lang Geschichten von Menschen aus der Innenstadt zu sammeln. Gleichzeitig gingen sie auf Vereine, Initiativen und Gruppen im Stadtteil zu und luden sie ein, selbst Teil des Theaterprojekts zu werden.
Dieser Einladung folgten zahlreiche Akteure, neben den Gruppen des RAA waren die Ruhrpott Ballerinas des Zentrums 60plus, Tänzer*innen des Urban Dance Department (UDD) und von LindyPott, Musiker von Die Unverbesserlichen und der BlueBeaz Band aus dem Unperfekthaus, Rapper aus dem Projekt Studio des Atelierhauses Schützenbahn sowie zahlreiche Mitglieder des Sprechchors und weitere Beteiligte aus dem Stadtteil dabei.

