Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Foto: IHK Düsseldorf/Felix Gemein
Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Foto: IHK Düsseldorf/Felix Gemein

Düsseldorf. Die Finanzlage der Unternehmen in der Region Mittlerer Niederrhein/Düsseldorf ist im Vergleich zum vergangenen Frühjahr weitgehend stabil geblieben. Das geht aus einer gemeinsamen Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf unter knapp 600 Unternehmen hervor.


„Trotz der weiterhin schwachen Konjunktur ist der Anteil der Unternehmen mit einer finanziell unproblematischen Geschäftslage leicht gestiegen“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Allerdings zeigt sich die Entwicklung nicht in allen Branchen gleichermaßen. „Besonders im Einzelhandel bleibt die finanzielle Lage besorgniserregend“, so Berghausen.

63,4 Prozent aller Betriebe bewerten ihre Finanzlage als unproblematisch. Im vergangenen Frühjahr lag dieser Wert bei 62,5 Prozent, vor zwei Jahren noch bei 66,1 Prozent. Überdurchschnittlich positiv ist die Situation bei den Dienstleistungsunternehmen und im Großhandel: Gut 68 Prozent der Großhändler und 65 Prozent der Dienstleister bezeichnen ihre Finanzlage als unproblematisch.

Im Einzelhandel hat sich die finanzielle Situation dagegen weiter eingetrübt. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Finanzlage als unproblematisch bewerten, ist erneut deutlich gesunken. Nur noch 48,5 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als nicht problematisch. Vor einem Jahr waren es noch 56 Prozent. „Die weiterhin verhaltene Konsumstimmung setzt den Einzelhandel spürbar unter Druck“, sagt Gregor Berghausen. „einer langen Phase der Kaufzurückhaltung sind die finanziellen Spielräume vieler Betriebe weitgehend ausgeschöpft.“ Als wesentlichen Belastungsfaktor nennt Berghausen die Folgen des Iran-Kriegs: „Die gestiegenen Kraftstoffpreise erhöhen den finanziellen Druck auf die Verbraucher zusätzlich. Viele verschieben deshalb größere Anschaffungen oder verzichten ganz darauf.“ Die Auswirkungen zeigen sich zunehmend in den Unternehmensbilanzen: Jeder vierte Händler berichtet inzwischen von Liquiditätsengpässen. Zudem sehen 5,9 Prozent der Einzelhändler ihr Unternehmen von einer Insolvenz bedroht. „Nach mehreren aufeinanderfolgenden Krisenjahren stoßen zahlreiche Betriebe an ihre Belastungsgrenzen“, erklärt Berghausen.

Auch in den energieintensiven Industriebranchen hat sich die Finanzlage nach mehreren Krisenjahren verschlechtert. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Situation als unproblematisch bewerten, ist von 71,4 auf 58,8 Prozent zurückgegangen. „Dass inzwischen jeder fünfte Betrieb der energieintensiven Industrie einen Rückgang des Eigenkapitals verzeichnet, ist ein Warnsignal“, sagt Berghausen. Es bestehe die Gefahr, dass dies mittelfristig zu Standortverlagerungen in Regionen mit besseren Wettbewerbsbedingungen führen könnte.

Ihr Insolvenzrisiko schätzen die Unternehmen ähnlich ein wie im Frühjahr 2025. Während vor einem Jahr 1,9 Prozent der Betriebe angaben, von einer Insolvenz bedroht zu sein, liegt dieser Anteil aktuell bei 2,0 Prozent. „Die Zahlen deuten darauf hin, dass das Insolvenzgeschehen vorerst auf dem derzeit hohen Niveau verharren wird“, erklärt Berghausen. Von zunehmenden Forderungsausfällen berichten 10,1 Prozent der Unternehmen, nach 12,4 Prozent vor einem Jahr. „Dass sich dieser Wert nicht weiter erhöht hat, ist ein positives Signal“, sagt Berghausen. „Denn Forderungsausfälle belasten nicht nur die Liquidität einzelner Unternehmen, sondern können auch das Vertrauen in den Wirtschaftsverkehr insgesamt beeinträchtigen.“