Der Jahresempfang des NRW-Einzelhandels fand im Hotel Hyatt Regency statt. Foto: HV NRW/Volker Wiciok
Der Jahresempfang des NRW-Einzelhandels fand im Hotel Hyatt Regency statt. Foto: HV NRW/Volker Wiciok

Düsseldorf. Der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen ist am Montag in Düsseldorf zusammen gekommen, um beim Jahresempfang der Handelsverbände Nordrhein-Westfalen (HV NRW) und Nordrhein-Westfalen – Rheinland (HVR) mit über 200 Gästen aus Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft einen Blick auf die aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Perspektiven der Branche zu werfen.

Trotz der schwierigen Konsumstimmung und den komplexen geopolitischen Entwicklungen bleiben die Einzelhandelsunternehmen optimistisch und engagieren sich für eine erfolgreiche Zukunft. Herausforderungen meistern, Chancen erkennen und optimistisch bleiben, so könnte man den Tenor des diesjährigen Jahresempfangs der Handelsverbände zusammenfassen. Natürlich wurde auch über die weiterhin schwierige Lage des Einzelhandels gesprochen, denn nach Jahren der Pandemie, die viele Reserven aufgezehrt hat und anschließenden globalen Krisen ist die Konsumstimmung auf historische Tiefpunkte gefallenen. Kombiniert mit der damit einhergehenden Veränderung im Verbraucherverhalten ließe sich thematisch schon ein ganzer Abend füllen, aber das sollte ganz klar nicht den Schwerpunkt des Abends ausmachen.

Vielmehr zeigten sich die Vertreter des Einzelhandels trotz dieser vielfältigen Herausforderungen zuversichtlich und betonten die Bedeutung von Innovation, Anpassungsfähigkeit und Zusammenarbeit, um diese schwierigen Zeiten zu überwinden. „Wir stehen vor einigen Herausforderungen, aber wir glauben fest daran, dass der Einzelhandel in NRW stark genug ist, um sie zu bewältigen“, so Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes NRW. „Dass so viele Gäste heute Abend zusammengekommen sind, ist für mich ein starker Beweis für die Relevanz des Einzelhandels in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam können wir mutige und gute Ideen entwickeln und den Einzelhandel in unserem Bundesland voranbringen!“

Die Digitalisierung und die zunehmende Vernetzung bieten dem Einzelhandel neue Möglichkeiten, sich anzupassen und weiter zu wachsen. Die Einzelhändler in NRW sind entschlossen, diese Chancen zu nutzen und sich auf die Bedürfnisse der Verbraucher von morgen einzustellen. Ein wichtiger Treiber dafür ist die künstliche Intelligenz. „Wir müssen innovativ sein und uns den Veränderungen anpassen, um langfristig erfolgreich zu sein“, betonte Radau. „Der Einzelhandel ist ein wichtiger Teil der Wirtschaft in NRW, und wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam die aktuellen Herausforderungen meistern und eine erfolgreiche Zukunft gestalten können.“ Das Leuchtturmprojekt von HV NRW und NRW-Wirtschaftsministerium für die Einzelhändler in NRW sind die Digitalcoaches. Die Experten unterstützen bei der Digitalisierung der Unternehmen. Jetzt bekommen sie Verstärkung: In Kürze werden zwei KI-Navigatoren den Einzelhandel im Rahmen eines neuen Projektes auch in diesem Feld fit machen. Beide Angebote sind durch die Förderung des Ministeriums für die Händler kostenfrei.

Außenpolitische Einflüsse für den Einzelhandel

Ehrengast in diesem Jahr war Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdB, Spitzenkandidatin der FDP zur Europawahl und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages. In Ihrer eindringlichen Rede ging Sie einerseits auf die verteidigungspolitischen Herausforderungen durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ein, betonte aber auch handelspolitische Vorhaben: „Momentan ist die Europäische Union durchsetzt von Regulierungen, die den Einzelhandel hemmen – das wollen wir Freien Demokraten ändern. Wir dürfen den Blick auf Menschenrechte und Produktionsstandards nicht verlieren, dürfen die Unternehmen aber auch nicht vor unlösbare Hürden stellen. Um die Handlungsfähigkeit der EU in der Handelspolitik zu verbessern, wollen wir Freihandelsabkommen so gestalten, dass – wie etwa beim EU-Japan Abkommen – nur die Zustimmung des Europäischen Parlaments, nicht aber die von nationalen und regionalen Parlamenten benötigt wird. Dabei wollen wir in der EU und weltweit gegen Marktverzerrungen vorgehen, die zum Beispiel durch stark subventionierte Staatsunternehmen entstehen.“

In einer anschließenden Diskussionsrunde warnte Mitgastgeber Dirk Wittmer, der im vergangenen Sommer zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Handelsverbandes NRW – Rheinland gewählt wurde, vor zu viel Bürokratie auch durch die EU: „Die Einzelhändler ertrinken schon jetzt täglich in Bürokratie, dabei wollen wir nur unserer Arbeit nachgehen und Handeln. Denn das ist unsere Leidenschaft und die wollen wir ausüben! Wir können viele Herausforderungen meistern und auch morgen für einen vielfältigen Handel und damit lebendige Innenstädte arbeiten, wenn man uns lässt.“

Der Jahresempfang der Handelsverbände ist die Jahresleitveranstaltung der nordrhein-westfälischen Einzelhandelsorganisation. Unter den rund 200 Gästen der Veranstaltung begrüßte der NRW-Einzelhandel zahlreiche Abgeordnete der Parlamente, Bürgermeister, Vertreter des diplomatischen Corps und der Kommunalpolitik sowie Führungskräfte aus Handel und Wirtschaft. Der Jahresempfang des Einzelhandels in NRW ist eine Gelegenheit für die Branche, sich zu vernetzen, Ideen auszutauschen und gemeinsam Wege zu finden, um erfolgreich voranzukommen. Trotz der Herausforderungen bleibt der Optimismus hoch, und die Einzelhändler sind entschlossen, die Zukunft mit Zuversicht anzugehen.

Für den lockeren Rahmen sorgte in diesem Jahr erstmalig das Ensemble „Ratinger Tragödchen“, das mit literarischen und musikalischen Intermezzos das Publikum begeisterte.