
Wuppertal. In Wuppertal nimmt die neue Spielzeit an Fahrt auf. Das Programm für Schauspiel, Oper und Philharmonikern steht fest.
In der Spielzeit 2026/27 rückt die Oper Wuppertal ein Thema in den Mittelpunkt, das Menschen seit jeher prägt und herausfordert: Macht – ihre Mechanismen, ihre Verlockungen und ihre Konsequenzen. In Opern, die von inneren wie äußeren Konflikten erzählen, entfaltet sich ein Panorama existenzieller Erfahrungen zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, Selbstbestimmung und Abhängigkeit. Den Auftakt bildet Giuseppe Verdis ›Otello‹, ein eindringliches Psychodrama über zerstörerische Zweifel und die Abgründe menschlicher Emotionen. Leichter im Ton, doch nicht minder präzise in seiner Beobachtung gesellschaftlicher Dynamiken, zeigt sich Johann Strauss’ ›Die Fledermaus‹. Hinter Glanz und Unterhaltung offenbart sich ein raffiniertes Spiel mit Identitäten, Täuschungen und sozialen Rollen. Mit Ernst Tochs ›Die Prinzessin auf der Erbse‹ feiert eine selten gespielte Komposition Premiere, die mit feinem Humor und musikalischer Raffinesse überzeugt.
Auch in dieser Spielzeit bringt die Oper Wuppertal erneut Werke von Komponistinnen auf die Bühne: In ›Prism‹ von Ellen Reid verschränken sich Klang und Erinnerung zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Trauma. Die Europäische Erstaufführung von Sarah Ellis Taylors ›These Girls Have Demons‹ rückt die Perspektive von vier Mädchen und ihre inneren Konflikte in den Fokus. Mit ›Carmen‹ von Georges Bizet folgt zum Ende der Spielzeit das Porträt einer Frau, die sich konsequent jeder Vereinnahmung entzieht und unbeirrt ihren eigenen Maßstäben folgt.
Für die Neuproduktion entsteht zudem eine besondere künstlerische Zusammenarbeit: Der Chor des Theater Hagen wird den Opernchor der Wuppertaler Bühnen in der Inszenierung verstärken, während im Gegenzug in der Spielzeit 2027/28 der Wuppertaler Opernchor im Theater Hagen in der Produktion ›Der fliegende Holländer‹ zu erleben sein werden. Diese Inszenierung von ›Carmen‹ wird zusätzlich als ›Große Oper klein‹ ins Programm genommen und eröffnet somit insbesondere jungen Zuschauer einen unmittelbaren Zugang zur Oper.
Die Spielzeit 2026/27 am Schauspiel Wuppertal
Mit der Spielzeit 2026/27 widmet sich das Schauspiel Wuppertal dem Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Inszenierung, zwischen Wahrnehmung und Behauptung. Theater wird dabei als Ort erfahrbar, an dem sich Schein und Sein begegnen – und neue Perspektiven auf das vorgeblich Vertraute eröffnen.
Intendant Thomas Braus beschreibt die neue Spielzeit als Einladung, diese Ambivalenzen bewusst zu erleben. In einer Welt, in der Inszenierungen längst Teil des Alltags geworden sind und Wahrheiten zunehmend subjektiv erscheinen, rücken wir Figuren in den Mittelpunkt, die zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung ihren Platz suchen. Sie scheitern, behaupten sich – und stellen die Frage, was Wirklichkeit eigentlich ist.
Den Auftakt der Spielzeit bildet Michael Endes zauberhaftes Familienstück ›Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch‹, in dem zwei dubiose Figuren versuchen, mit magischen Mitteln die Welt ins Chaos zu stürzen – und dabei an unerwartetem Widerstand scheitern.
Lokalprominent besetzt und in einer Koproduktion mit dem »TiC – Theater in Cronenberg«, folgt mit Yasmina Rezas Erfolgsstück ›Kunst‹ eine malerische Komödie über Wahrnehmung, Geschmack und die Fragilität von Freundschaft.
Jenke Nordalm, zuletzt am Haus mit ihrer starken Inszenierung von ›Das Fest‹, widmet sich im November 2026 William Shakespeares Verwirrspiel ›Was ihr wollt‹, in dem die Fragen von Liebe, Identität und Täuschung in den Mittelpunkt rücken.
2026 wäre Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden. Das feiern wir mit der Uraufführung von ›Malina‹ nach ihrem gleichnamigen Roman. Darin entsteht ein vielschichtiges Psychogramm weiblicher Existenz zwischen innerer Zerrissenheit und gesellschaftlichen Zuschreibungen. Eine Kooperation mit dem ROTTSTR 5 THEATER in Bochum.
Starke Frauenstimmen stehen auch im Zentrum von Maria Milisavljevićs preisgekröntem Stück ›Staubfrau‹: ein poetischer, vielstimmiger Theaterabend über strukturelle Gewalt und weibliche Solidarität. Ein wichtiger Kommentar in Zeiten von »Manosphere« und zunehmenden Femiziden.
Für eine turbulente Liebeserklärung an das Theater selbst sorgt die vielfach ausgezeichnete Komödie ›Dieses Stück geht schief – The Play That Goes Wrong‹. Seit 12 Jahren durchgängig im West End in London zu sehen, wird das Stück nun erstmals in Wuppertal gezeigt, in Szene gesetzt von Schauspieler und Regisseur Roland Riebeling. Auch freuen wir uns sehr, die deutschsprachige Erstaufführung von ›Tief im schwarzen Wald‹ nach Wuppertal zu holen. Der Literaturnobelpreisträger Jon Fosse führt uns darin in eine beklemmende Welt zwischen Orientierungslosigkeit und existenzieller Leere. Das Stück wird eine Kooperation mit dem inklusiven Schauspielensemble ›Studiyou‹ und wird im Sinne der »Aesthetics of Access« die Barrierefreiheit auch im künstlerischen Prozess und Zugang berücksichtigen.
Ingeborg Bachmann und Max Frisch waren eines der prominentesten Pärchen der deutschen Nachkriegsliteratur. Mit Frischs ›Andorra‹ schließen wir somit einen Kreis und die Reihe der Premieren mit einem eindringlichen Stück über Vorurteile, Identität und gesellschaftliche Mechanismen.
Die Spielclubs bringen zudem wieder engagiertes Laientheater auf die Bühne am Engelsgarten. Das ›Theater der Generationen‹ zeigt ›Oliver Twist‹ nach dem Roman von Charles Dickens. Und das ›Junge Theater Wuppertal‹ holt mit ›Don Quijote‹ nach Miguel de Cervantes ebenfalls einen Klassiker ins Theater.
Ergänzt wird der Spielplan durch ein vielfältiges Repertoire, darunter Klassiker wie ›Faust‹, ›Arsen und Spitzenhäubchen‹ und ›Prima Facie‹ sowie Produktionen wie ›Das Tagebuch der Anne Frank‹, ›Drei Männer im Schnee‹, ›Die Hölle/Inferno‹ oder ›Nightradio‹.
Mit der Spielzeit 2026/27 möchten wir Vertrautes hinterfragen und Raum für neue Perspektiven öffnen – im geschützten Umfeld des Theaters und darüber hinaus.
Programm der Philharmoniker
Das Sinfonieorchester Wuppertal vereint in der Spielzeit 2026/27 hochkarätige Gäste mit einer großen stilistischen Bandbreite, die sich durch facettenreiche Konzertprogramme in der Historischen Stadthalle Wuppertal und darüber hinaus zeigt. Da der designierte Generalmusikdirektor Christian Reif sein Amt erst im Sommer 2027 antritt, haben Orchesterdirektor Raimund Kunze und Prof. Dr. Lutz-Werner Hesse die Programmplanung übernommen. Beliebte und populäre Werke erklingen ebenso wie unbekannte und solche, die in Wuppertal noch nie oder schon lange nicht mehr aufgeführt wurden. Der stilistische Radius reicht von der Klassik bis in die Gegenwart. Die Chorkonzerte werden in dieser Spielzeit in die Reihe der dann zwölf Sinfoniekonzerte integriert, wodurch noch vielfältigere Konzertprogramme entstehen – ergänzt durch musikalische Höhepunkte in den Kammerkonzerten, Uptown Classics, Education- und Sonderkonzerten des Sinfonieorchester Wuppertal.
International gefragte Gastdirigentinnen und -dirigenten wie Cornelius Meister, Pietari Inkinen oder Kristiina Poska stehen in der Spielzeit 2026/27 am Pult des Sinfonieorchester Wuppertal. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit ›Ehrengastdirigent‹ Carl St. Clair und der ehemaligen Generalmusikdirektorin Julia Jones, die im Juni 2027 Werke von Ethel Smyth, Max Bruch und Robert Schumann dirigieren wird. Auch die Solistenauswahl steht dem in nichts nach: Gefeierte Musikerinnen und Musiker wie die Violinistinnen Baiba Skride und Caroline Widmann, Sopranistin Véronique Gens, Pianist Fabian Müller und Hornist Felix Klieser werden in der Historischen Stadthalle Wuppertal zu erleben sein. Mit dem Chor der Konzertgesellschaft Wuppertal, dem Konzertchor Wuppertal, den Essener Domsingknaben, der Elberfelder Mädchenkurrende und der Wuppertaler Kurrende freut sich das Sinfonieorchester Wuppertal auf stimmgewaltige Unterstützung zu unterschiedlichsten Anlässen.
Auf den Konzertprogrammen finden sich neben »Klassikern« wie Ludwig van Beethovens ›Pastorale‹ und dem 1. Klavierkonzert von Piotr I. Tschaikowski unter anderem Edward Elgars Sinfonie Nr. 2 und die ›Sea Symphony‹ von Ralph Vaughan Williams – beeindruckende Werke, die höchstwahrscheinlich noch nie in Wuppertal erklungen sind. Weitere Saisonhöhepunkte werden Maurice Ravels ›Boléro‹, Claude Debussys ›La Mer‹ und Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 3 sein. Mit Werken von Komponistinnen wie Emilie Mayer oder Andrea Tarrodi zeigt das Sinfonieorchester Wuppertal, dass es hochinteressante Musik gibt, die es verdient hat, bekannter zu werden. Um das Spektrum an Komponistinnen und Komponisten sowie deren musikalischer Heimatregionen möglichst breit zu gestalten, begegnet dem Publikum fast jeder Name im Laufe der Spielzeit nur einmal.
Erstmals gestaltet das Sinfonieorchester Wuppertal den 1. Weihnachtsfeiertag mit einem Konzertabend, der mit Werken von John Williams, Howard Shore und Ennio Morricone ganz im Zeichen weihnachtlicher Filmmusik steht. Weitere Saisonhöhepunkte sind das Neujahrskonzert mit George Gershwins legendär-jazziger ›Rhapsody in Blue‹ sowie das Benefizkonzert zum Tag der Deutschen Einheit, das mit einem attraktiven Programm Spenden für den Förderverein FrauenBeratung Wuppertal e. V. sammelt. Gastspiele führen das Sinfonieorchester Wuppertal in der Spielzeit 2026/27 ins schweizerische Murten sowie in die Festhalle Viersen. Die ›Uptown Classics‹ machen wieder Lust auf musikalische Entdeckungen an außergewöhnlichen Konzertorten in den Wuppertaler Nachbarschaften, darunter das Nachbarschaftsheim am Platz der Republik, die Friedhofskirche und das Vereinsheim des CVJM Langerfeld. Wer noch näher dran sein möchte, ist bei den abwechslungsreichen Kammerkonzerten genau richtig, die an sechs Montagabenden im Mendelssohn Saal der Historischen Stadthalle Wuppertal stattfinden. Auch die Orgel-Akzente gehen mit renommierten Organist_innen und Solist_innen in die nächste Runde.
Das umfangreiche Education-Angebot bildet auch in der Spielzeit 2026/27 einen wichtigen Schwerpunkt in der Arbeit des Sinfonieorchester Wuppertal. Mit interaktiven Familien-, Schul- und Kindergartenkonzerten sowie ergänzenden Formaten begeistern die Orchestermitglieder Menschen aller Altersklassen und unterschiedlicher Herkunft für klassische Musik. In den interaktiven Familienkonzerten erzählt das Sinfonieorchester spannende Geschichten für Jung und Alt: Es gibt Begegnungen mit Georges Bizets ›Carmen‹ und Piotr I. Tschaikowskis ›Dornröschen‹, ein fröhliches Familienkonzert zu Karneval sowie winterliche Klänge. Unterstützung bekommt das Sinfonieorchester Wuppertal dabei von bekannten Gästen wie den Moderator_innen Malte Arkona, Nadja Karasjew und Juri Tetzlaf.

