
Wuppertal. Kann in Wuppertal Erdwärme für die öffentliche Wärmeversorgung genutzt werden? Mit dieser Frage befassen sich die WSW seit 2022. Aktuell wird in Kooperation mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG eine Machbarkeitsstudie erstellt. In die Studie fließen neu gewonnene Daten aus einer Untersuchung des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen (GD NRW) ein. Die Studie wird aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
Die Stadtwerke interessiert vor allem die Frage, wie das tiefe geothermische Potenzial erschlossen werden kann. Klar ist bisher nur, dass im nördlichen Stadtgebiet Kalksteinschichten in großer Tiefe vermutet werden, die Wasser in ausreichend hohen Temperaturen führen könnten. Dabei handelt es sich um sogenannte Massenkalke aus dem Devon, die im Westen der Stadt so weit an die Oberfläche treten, dass diese im offenen Tagebau in Kalksteinbrüchen abgebaut werden.
Der GD NRW hat 2025 in der Ruhrregion umfassende seismische Untersuchungen durchgeführt. Dabei stand die Suche nach wasserführenden Kalksteinschichten für die geothermische Nutzung im Fokus. Diese Untersuchungen wurden mit speziellen Messfahrzeugen – so genannten Vibro-Trucks – und Sensoren durchgeführt. Eine der untersuchten Messlinien liegt auf Wuppertaler Stadtgebiet. Die dabei gewonnenen neuen Seismik-Daten ermöglichen es erstmals, die Lage potenziell wasserführenden Kalksteinschichten in der Region genauer zu bewerten.
„Die Ergebnisse der Seismik sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer fundierten Bewertung der Möglichkeiten der Tiefen Geothermie in Wuppertal. Mit den Daten erhalten wir ein genaueres Bild des Untergrundes, insbesondere in welcher Tiefe die relevanten Gesteinsschichten vermutet werden. Eine ausführliche Bewertung des geothermischen Potenzials steht jedoch erst mit Abschluss der Machbarkeitsstudie aus. Wir möchten prüfen, welche technischen Möglichkeiten bestehen, ob und in welchem Umfang Wärme gewonnen werden kann und wie Geothermie im Vergleich zu anderen Wärmequellen abschneidet. Hierfür müssen noch weitere Informationen zusammengeführt werden. Entscheidend ist dabei, dass die gewählte Lösung sowohl für unsere Kunden als auch für uns zuverlässig und wirtschaftlich ist“, erläutert Dominik Pröpper, Leiter Erzeugung Strom und Fernwärme der WSW Energie & Wasser AG.
Auf Grundlage der Studie könnten Maßnahmen, wie weitergehende seismische Erkundungen oder Erkundungsbohrungen, geplant werden. Eine Erkundungsbohrung hat das Ziel harte Informationen über den Untergrund zu gewinnen, um die wirtschaftlichen und technischen Voraussetzungen für die Nutzung von Erdwärme zu bestimmen. Denn nur dadurch kann festgestellt werden, ob die geologischen Modelle zutreffen, eine ausreichende Durchlässigkeit vorhanden ist und welche Temperaturen in den Tiefenschichten tatsächlich herrschen. Die Planungen für weitere Erkundungsmaßnahmen setzen ein längeres, bergrechtliches Genehmigungsverfahren voraus. Um die nächsten Schritte einleiten zu können, sind positive Ergebnisse und klare Handlungsempfehlungen der Machbarkeitsstudie obligatorisch. Das Fraunhofer IEG übergibt die Ergebnisse der Studie Anfang kommenden Jahres.

