Die Jonges engagieren sich für das Leben in der Stadt: So sieht es aus beim Turmfest der Ratinger Institution aus. Foto: Ratinger Jonges/Archiv
Die Jonges engagieren sich für das Leben in der Stadt: So sieht es aus beim Turmfest der Ratinger Institution aus. Foto: Ratinger Jonges/Archiv

Ratingen. Der Heimatforscher und Kirchenhistoriker Hans Müskens ist für seine Verdienste um die Stadt und Bürgerschaft von den Ratinger Jonges mit ihrer höchsten Auszeichnung, der Dumeklemmer-Plakette, geehrt worden.

Zur Feierstunde im gut gefüllten Ferdinand-Trimborn-Saal waren neben dem Familien- und Freundeskreis zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Brauchtum und öffentlichem Leben, aber auch viele ehemalige Plakettenträger gekommen. In seiner Begrüßung würdigte Baas Edgar Dullni den Preisträger als eine in Ratingen und Umgebung bekannte und respektierte Person, die zu Recht im vergangenen Jahr vom Landschaftsverband Rheinland für sein Engagement in der Erforschung unter anderem des Barockdichters Friedrich Spee den Rheinlandtaler verliehen bekam.

Müskens gründete 2000 das Spee-Archiv in Kaiserswerth und ist bis heute dort Vorsitzender. Für die vom Verein der Lintorfer Heimatfreunde herausgebrachte Jahreszeitschrift „Die Quecke‟ verfasste er bislang mehr als 100 profunde Artikel zur Geschichte Ratingens und Lintorfs. Die Jonges würdigen mit der Ehrung „seine Forschung zum Barockdichter Friedrich Spee sowie seine Verdienste, die historischen Schätze der Stadt Ratingen, besonders der Kirche St. Peter und Paul, zu erforschen, archivieren und den Bürgern nahezubringen‟, wie es auf der Urkunde heißt. „Die Plakette hat nur auf Hans Müskens gewartet‟, fügte Dullni augenzwinkernd hinzu 0und verwies dabei auf das Motiv der Medaille: das Stadtsiegel von 1338 mit dem Bild von St. Peter und Paul.

In seiner Laudatio zeichnete Manfred Buer, ehemaliger Vorsitzender des Lintorfer Heimatvereins und selbst Plekettenträger, Müskens’ Lebens- und Schaffenweg als „Nachbarskind, Klassenkameraden, Messdiener und langjährigen Freund‟ nach. Er sei allerdings kein waschechter Dumeklemmer, weil 1938 im benachbarten Dorf an der Düssel geboren. Erst ein Jahr später war die Familie nach Ratingen gezogen. Nach Mittlerer Reife, Kaufmanns-Ausbildung bei der Firma Siebeck und Abendgymnasium studierte Müskens Theologie und Germanistik. 1971 zählte er zur ersten Lehrergeneration des damals neu gebauten Kopernikus-Gymnasium in Lintorf, dem er bis zur Pensionierung treu geblieben war. Buer erinnerte an gemeinsame Zeiten im Messdiener-Zeltlager und an Gruppenabende am Blauen See, „wo wir von Tümmersteinen den Zement abgeklopft haben, um damit das katholische Jugendheim aufzubauen.‟

Mit Friedrich Spee, dem Barockdichter, Verfasser zahlreicher Kirchenlieder und Gegner der Hexenprozesse, war Müskens im Studium in Berührung gekommen und das Interesse hat nie nachgelassen, wie zahllose Veröffentlichungen belegen. Er sei Gründungsmitglied der Spee-Gesellschaft und seit 1997 ihr Vorsitzender. Ebenso sei er profunder Kenner der Ratinger Heimat- und Kirchengeschichte – besonders von St. Peter und Paul: ob historisches Kirchenarchiv, die Vervollständigung des Findbuches, Kirchenschätze wie die gotische Monstranz, Aufsätze, Vorträge – „Hans Müskens ist der Experte dafür.‟ Das zeige sich auch an den mittlerweile 112 Beiträgen in der „Quecke‟. Der große Applaus galt der gelungenen Laudatio Buers und dem Geehrten gleichermaßen.

Sichtlich bewegt dankte Müskens für die Ehrung, verwarf sein Redekonzept und plauderte: Die Plakette sei nicht nur Auszeichnung, sondern ja auch Dokument der Baugeschichte. Denn das alte Siegel zeige, dass St. Peter und Paul früher eine romanische Kirche war. „Das ist wie eine Reliquie für mich‟, sagte er schmunzelnd. Mit den Jonges verbinde ihn noch eine Besonderheit: Vor etwa 60 Jahren habe es bei Georg Hoberg, dem heutigen Ehrenbaas, eine Fete gegeben, bei der er ein nettes Mädchen kennengelernt und fünf Jahre danach geheiratet habe – seine Ehefrau Eva…

Für den musikalischen Rahmen sorgten ehemalige Mitglieder des Ratinger Kinder- und Jugendchores sowie ein Cello-Duo aus Musikschullehrerinnen.

Die Dumeklemmer-Plakette, von manchem „Heimat-Oscar‟ genannt, wurde erstmals 1986 zum 30jährigen Bestehen von Ratingens größtem Heimatverein verliehen.