Die Replik ist selbst für Kenneraugen kaum vom Original zu unterscheiden. Foto: Stadt Ratingen
Die Replik ist selbst für Kenneraugen kaum vom Original zu unterscheiden. Foto: Stadt Ratingen

Ratingen. Der denkmalgeschützte Portikus auf dem Ehrenfriedhof ist wieder vollständig, nachdem am Montag ein neues Kruzifix angebracht worden ist. Es handelt sich um eine originalgetreue Kopie des Kunstwerks von Ignaz Osterspey aus dem Jahr 1809.

Der Portikus hat also wieder sein gewohntes Erscheinungsbild. An Ort und Stelle erläuterten Kulturdezernent Patrick Anders, die stellvertretende Leiterin des Museums Ratingen, Anne Rodler, Stadtkonservatorin Astrid Bonewitz sowie Vertreter der Ratinger Jonges, wie es zu dieser Lösung kam. „Sie wird einerseits dem Denkmal Portikus gerecht, gewährleistet andererseits aber auch den dauerhaften Schutz des kunsthistorisch wertvollen Original-Kruzifixes“, sagte Kulturdezernent Patrick Anders. „Sehr herzlich möchte ich mich bei den Ratinger Jonges für die konstruktive Zusammenarbeit bedanken.“

Der Portikus mit dem Kruzifix wurde 1809 auf dem damals noch recht neuen katholischen Friedhof vor dem Lintorfer Tor errichtet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts gehörte das Friedhofskreuz als siebte Station zum Bittweg der sieben Fußfälle vor den Ratinger Stadtmauern. 1926 überließen beide Gemeinden ihre Kirchhöfe vor dem Lintorfer Tor der Stadt Ratingen. Die Friedhöfe wanderten ostwärts, die zentrale Fläche an der Werdener Straße/Lintorfer Straße wurde zum Ehrenfriedhof erklärt.

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Beschädigungen am Portikus und dem Kruzifix, zum Teil durch Verwitterung, aber auch durch einen Blitzeinschlag vor 1945, der die Längsseite des Kreuzes spaltete. Beim Bombenangriff auf Ratingen am 22. März 1945 wurde der Portikus beschädigt, während Kreuz und die Christus-Skulptur verschont blieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage neu hergerichtet und erhielt das vom Bildhauer Max Kratz entworfene Denkmal. Das gesamte Ensemble des ehemaligen katholischen Friedhofs mit Grabsteinen, Denkmal und Portikus samt Kruzifix wurde 1983 unter Denkmalschutz gestellt.

Die Ratinger Jonges, deren satzungsgemäßer Zweck die Pflege heimathistorischer Zeugnisse ist, widmeten sich Anfang der 90er Jahre bereits einer umfassenden Instandsetzung des Portikus. Gut 20 Jahre später folgte die nächste Sanierung, bei der unter anderem der Dachstuhl des Portikus teilweise erneuert, der Giebel mit neuen Tragbalken versehen und die Außenhaut gestrichen wurde. Beschädigungen am Kreuz wurden verkittet, anschließend wurde die gesamte Oberfläche mit Kunstharz und Acrylfarben versehen.

Ab 2016 erstrahlte der Portikus in neuem Glanz, doch zwei Jahre später ereignete sich eine folgenreiche Vandalismus-Attacke. Korpus und Kreuzbalken wurden mit hellblauer Farbe übergossen und dabei massiv beschädigt und verunstaltet. Eine überaus komplizierte Restaurierung wurde erforderlich, in deren Zuge auch eine kunsthistorische Bewertung des Kruzifixes durchgeführt wurde.

Angesichts des hohen Rangs von Ignaz Osterspey als herausragendem Bildhauer seiner Zeit im Raum Düsseldorf und der filigranen Ausführung des Kunstwerks kam der Denkmalschutz zu dem Befund, das Kruzifix als kunsthistorisch sehr wertvollen Beitrag zur sakralen Bildhauerkunst des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts einzustufen.

Somit kam eine Anbringung im ungeschützten Außenbereich nicht mehr in Betracht, um das Kunstwerk weder der Verwitterung noch weiteren Vandalismus-Angriffen auszusetzen. Nach Prüfung diverser Varianten entschied die Fachverwaltung, eine originalgetreue Replik anfertigen zu lassen und im Portikus anbringen zu lassen.

Die Replik wurde in sorgfältiger Kleinarbeit durch den Bildhauer Alexander Diczig und die Restauratorin Carmen Seuffert aus Köln gefertigt. Der aus Eichenholz geschnitzte Korpus erhielt mehrere Farbüberzüge zur Isolierung, Grundierung und farblichen Angleichung an das Original. Und am Ende noch eine Wachsschicht als präventive Maßnahme gegen etwaige erneute Farbattacken.

Die Arbeiten wurden durch das Museum Ratingen und dessen stellvertretende Leiterin Anne Rodler eng begleitet. „Ich finde, das Ergebnis ist sehr ansprechend geworden und vom Original fast nicht zu unterscheiden“, sagte sie. Das Original wird bis auf weiteres im Museum fachgerecht eingelagert, bis ein würdiger und angemessen geschützter Ort gefunden ist, um es der Öffentlichkeit zu präsentieren.