An dem Diskussionsabend ging es unter anderem um Lieferketten. Foto: MIT Ratingen
An dem Diskussionsabend ging es unter anderem um Lieferketten. Foto: MIT Ratingen

Ratingen. Beim dritten Quartalstreffen der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Ratingen haben wirtschaftliche Zukunftsfragen und die aktuelle politische Entwicklung im Mittelpunkt gestanden.


Zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft folgten der Einladung der MIT Ratingen zum dritten Quartalstreffen des Jahres am Mittwoch, 16. September, in der Grevenmühle. Zwei Vorträge über internationale Lieferketten und die Digitalisierung der Bauwirtschaft bildeten den fachlichen Schwerpunkt des Abends.

Peter Thomas, Manager bei einer international tätigen Spedition und Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Ratingen, zeigte unter dem Titel „Lieferketten unter Druck – Herausforderungen und Chancen“, wie empfindlich das eng vernetzte internationale Wirtschaftssystem auf geopolitische Konflikte, blockierte Transportwege und Handelsbeschränkungen reagiert.

Am Beispiel der Straße von Hormus wurde deutlich, welche Folgen Störungen an einzelnen logistischen Nadelöhren für Energiepreise, Produktionskosten und die Versorgung europäischer Unternehmen haben können. Thomas machte zugleich deutlich, dass solche Entwicklungen auch Chancen eröffnen: Unternehmen können ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen, indem sie ihre Lieferantenstruktur breiter aufstellen, alternative Transportwege entwickeln, kritische Materialien vorausschauend sichern und mehr Transparenz in ihren Lieferketten schaffen.

Den zweiten Vortrag hielt André Pilling, Architekt und geschäftsführender Gesellschafter der DEUBIM GmbH sowie der POS4 Architekten Generalplaner GmbH. Unter dem Titel „Digitalisierung in der Baubranche – Was der Mittelstand daraus lernen kann“ erläuterte er anhand konkreter Beispiele die Möglichkeiten des Building Information Modeling, kurz BIM.

Dabei werden sämtliche für Planung, Bau und Betrieb eines Gebäudes wichtigen Informationen in einem digitalen Modell zusammengeführt. Planer, Architekten, ausführende Unternehmen und Auftraggeber können auf einer gemeinsamen Datengrundlage arbeiten. Fehler lassen sich früher erkennen, Abläufe besser koordinieren und Kosten sowie Termine transparenter steuern. Der beeindruckende Vortrag zeigte, dass sich viele dieser Erkenntnisse auch auf mittelständische Unternehmen außerhalb der Bauwirtschaft übertragen lassen.

Im weiteren Verlauf des Abends ging der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Thorsten Huch auf die aktuelle politische Entwicklung ein. Das starke Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt müsse als deutliches Warnsignal verstanden werden. Gleichzeitig warnte Huch davor, Themen oder Positionen allein deshalb reflexhaft abzulehnen, weil sie auch von der AfD vertreten werden.

„Nicht jede Position ist automatisch falsch oder darf nicht übernommen werden, nur weil auch die AfD sie vertritt. Entscheidend ist, dass wir jede Forderung kritisch prüfen, offen diskutieren und mit unseren demokratischen Grundwerten abgleichen“, erklärte Huch. Genau diese sachliche Auseinandersetzung finde in vielen gesellschaftlichen Debatten jedoch immer seltener statt. Statt Argumente auszutauschen, würden Themen häufig vorschnell eingeordnet oder tabuisiert.

Auch unbequeme Fragen und tatsächliche Belastungen für Wirtschaft und Gesellschaft müssten wieder offen angesprochen werden können. Eine solche Diskussion bedeute weder eine pauschale Annäherung an die AfD noch eine unkritische Übernahme ihrer Forderungen. Sie sei vielmehr eine Voraussetzung dafür, politische Probleme ernsthaft zu bearbeiten und überzeugende demokratische Lösungen zu entwickeln.

„Dem Erstarken der politischen Ränder begegnen wir nicht mit Sprachlosigkeit oder Denkverboten. Wir müssen bereit sein, auch schwierige Themen sachlich zu diskutieren und dort, wo Positionen richtig und mit unseren Grundwerten vereinbar sind, diese auch zu vertreten – unabhängig davon, wer sie zuerst ausgesprochen hat“, betonte Huch.

Die MIT Ratingen möchte deshalb auch künftig ein Ort sein, an dem wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Fragen offen, kritisch und respektvoll diskutiert werden. Die intensive Beteiligung der Gäste bestätigte den großen Bedarf an einem solchen Austausch. Das idyllisch zwischen den Hügellandschaften gelegene Landhaus Grevenmühle verband rustikalen Charme mit herzlicher Gastlichkeit und bot damit einen besonders ansprechenden Rahmen für das dritte Quartalstreffen der MIT Ratingen.