Großformatige Fotos vom Kerzenmeer nach der ersten Solidaritätskundgebung, die die Bürgerin Tanja Scholten (2. von links) initiiert hatte, erhielten die drei Einsatzleiter (von links) Dirk Bauernfeind (Polizei), René Schubert (Feuerwehr) und Thorsten Winking (DRK). Außerdem auf der Bühne: Bürgermeister Klaus Pesch und Notfallseelsorger Pfarrer Frank Schulte (rechts). Foto: Stadt Ratingen
Großformatige Fotos vom Kerzenmeer nach der ersten Solidaritätskundgebung, die die Bürgerin Tanja Scholten (2. von links) initiiert hatte, erhielten die drei Einsatzleiter (von links) Dirk Bauernfeind (Polizei), René Schubert (Feuerwehr) und Thorsten Winking (DRK). Außerdem auf der Bühne: Bürgermeister Klaus Pesch und Notfallseelsorger Pfarrer Frank Schulte (rechts). Foto: Stadt Ratingen

Ratingen. „Im Einsatz für Ratingen“ lautete das Leitthema des Neujahrsempfangs der Stadt Ratingen am 19. Januar.

„Wir veranstalten diesen Abend zu Ehren der bei dem hinterhältigen Anschlag vom 11. Mai 2023 schwer verletzten Einsatzkräfte und in dankbarer Würdigung der täglichen Arbeit, die Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste für uns alle leisten“, sagte Bürgermeister Klaus Pesch in seiner Ansprache und begrüßte herzlich die rund 400 Besucher, die seiner Einladung gefolgt waren, unter ihnen eine Reihe von Ehrengästen und insbesondere viele Vertreter der Blaulicht-Organisationen.

Unter den Ehrengästen befanden sich Regierungspräsident Thomas Schürmann, Landrat Thomas Hendele, die Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese und Peter Beyer, die Landtagsabgeordnete Elisabeth Müller-Witt (Dr. Jan Heinisch musste krankheitsbedingt absagen) sowie Mitglieder des diplomatischen Corps.

Um die Blaulicht-Familie und die Ereignisse vom und nach dem 11. Mai ging es auch in den Interviews, die Moderator René le Riche mit den Ratinger Einsatzleitern von Feuerwehr, Polizei und DRK sowie mit Notfallseelsorger Pfarrer Frank Schulte und der Ratinger Bürgerin Tanja Scholten führte. Tanja Scholten hatte unmittelbar nach dem Anschlag die erste Solidaritätsaktion für die verletzten Einsatzkräfte initiiert. Viele weitere folgten, und diesen Aspekt hob Bürgermeister Pesch besonders hervor: „Das war wirklich überwältigend, welche Welle der Hilfsbereitschaft aus allen Teilen der Gesellschaft wir erleben durften. Aus Ratingen und aus anderen Orten Deutschlands und sogar darüber hinaus.“

Ähnlich äußerte sich Innenminister Herbert Reul, der aus terminlichen Gründen nicht an dem Neujahrsempfang teilnehmen konnte, aber eine Video-Botschaft gesandt hatte. Die Einsatzleiter René Schubert (Feuerwehr), Frank Bauernfeind (Polizei) und Thorsten Winking (DRK) berichteten im Interview, wie in ihren Truppen die Geschehnisse erlebt wurden und werden. Sie schilderten, teils sehr emotional, wie sehr dieses dunkle Ereignis sie selbst und ihre gesamten Teams bis heute berührt.

Gleichzeitig wurde aber auch die enorm starke Verbundenheit der Einsatzkräfte mit ihrem Beruf deutlich, die auch bei den verletzten Einsatzkräften ungebrochen ist. Zum Thema „Helfen und Retten als Beruf“ sahen die Gäste des Neujahrsempfangs auch einen kurzen Film, in dem Feuerwehrleute und Notfallsanitäter darüber sprachen, warum sie ihren Job lieben.

Einig waren sich die drei Einsatzleiter, dass ihnen der überwältigende Zuspruch, den sie nach dem 11. Mai bis heute aus nah und fern erhalten, gutgetan hat. Gewissermaßen die Initialzündung für die zahlreichen Solidaritätsaktionen, die folgen sollten, hatte die Ratingerin Tanja Scholten schon am Tag nach dem Anschlag gegeben. Sie habe erst ungläubig und schockiert das Geschehen am 11. Mai über die Medien verfolgt, und dann aus dem Gefühl der Hilflosigkeit heraus, dass sie dort nichts tun konnte, am nächsten Tag einfach eine Kundgebung angemeldet. Der Plan sei gewesen, vielleicht mit 50, 100 anderen, die ähnlich empfanden, Kerzen an einem zentralen Ort in der Innenstadt anzuzünden.

Am Ende kamen mehr als 800 Menschen, die vielen Kerzen vor St. Peter und Paul brannten die ganze Nacht. Ein Foto von diesem Kerzenmeer hat Tanja Scholten vor dem Neujahrsempfang dreimal vergrößern lassen. Beim Neujahrsempfang erhielten jeder der drei Einsatzleiter je ein Exemplar auf der Bühne – unter Standing Ovations des Publikums für die Blaulicht-Familie und für diese bescheidene Ratingerin mit ihrem besonderen Bürgersinn.

Bürgermeister Klaus Pesch ging im Rückblick auf 2023 auch auf andere Themen ein, zum Beispiel den Heimatpreis 2023, der an den Konzertchor Ratingen und den Bienenzuchtverein Ratingen vergeben worden war, auf markante Baumaßnahmen wie die Stadtmauersanierung, die Fertigstellung des Kinos, die Sanierung des Stadttheaters im Gesamtzusammenhang mit dem Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasium, die größte Baumaßnahme der Stadt Ratingen in den letzten Jahrzehnten, den Kreisverkehr Kahlenbergsweg, die Kita-Bauten Brandsheide (fertig) und Alter Kirchweg (wird 2024 fertig) sowie die private Baumaßnahme Wallhöfe.

Trotz der zuletzt auch negativen Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Insolvenz des Investors hob Pesch hervor, dass das Problem in Ratingen vergleichsweise überschaubar sei. Denn die Wallhöfe sind praktisch fertig, im Gegensatz zu vielen Projekten in anderen Städten, die wegen Insolvenz des Bauträgers im Rohbau dastehen. Die städtebaulichen Ziele, die mit diesem zentralen Projekt zwischen Düsseldorfer Platz und Fußgängerzone verfolgt habe, habe man erreicht. Das werde erst recht deutlich werden, sobald in den nächsten Tagen mit Edeka der zweite Ankermieter seinen Betrieb aufnehmen wird.

Für die musikalische Untermalung des Neujahresempfangs sorgte die Brass Band des Landespolizeiorchesters NRW. Auch dies natürlich aus gegebenem Anlass, denn dieses virtuose Ensemble spielt nur bei Veranstaltungen mit Polizeibezug.