Historische Postkarte von Beuthen O.S.
Beuthen O. S. – Ring mit Schießhausstr. Postkartenansicht um 1915. Foto: Museum

Ratingen. Wie eng Architektur und Geschichte miteinander verbunden sind und wie viel Wissen in der Architektur steckt, sollte nicht nur am Tag des offenen Denkmals gezeigt werden. Vor diesem Hintergrund kommen die Macher der Digitalen Bibliothek der Beuthener Architektur nach Hösel. In einem Vortrag am Donnerstag, 22. Februar, ab 18.30 Uhr wird das in der Region einzigartige Bauarchiv vorgestellt, das Dokumente und Informationen zur Baugeschichte von über 4.000 Gebäuden aus dem gesamten Stadtgebiet von Beuthen (heute Bytom) enthält, die im 19. und 20. Jahrhundert entstanden sind.

Die Sammlung des Archivs ist eine faszinierende und unschätzbare Wissensquelle über die Entwicklung der Stadt in ihrer Blütezeit. Die Projektverantwortlichen haben sich zum Ziel gesetzt, zumindest einen Teil dieser physisch nahen, aber oft unsichtbaren Zeugnisse des kulturellen Erbes von Beuthen vor dem Vergessen zu bewahren und ihre Entstehungsgeschichte und die damit verbundenen Menschen bekannt zu machen.

„Die räumliche Gestaltung des Stadtzentrums von Beuthen spiegelt die mittelalterliche Anlage wider – mit dem Marktplatz, einem Raster von rechtwinkligen Gassen und Straßen, die oval um die ehemalige Stadtmauer verlaufen. Diese mittelalterliche Form ist jedoch mit Häusern aus dem 19. und 20. Jahrhundert gefüllt. Dies ist das Ergebnis der industriellen Revolution, der Entdeckung von Kohlevorkommen und des Baus von Dutzenden von Industrieanlagen in der ganzen Stadt. Diese Bauten prägen den heutigen Charakter von Beuthen, der sich aus verschiedenen Architekturstilen zusammensetzt: Rundbogenstil, Historismus, Jugendstil, Expressionismus und Funktionalismus“, heißt es im Exposé. „Nicht nur die Formen der Gebäude, sondern auch ihre Details – die Skulpturen und Verzierungen an den Fassaden, die Geländer der Balkone und Treppenhäuser, die meisterhaften Schnitzereien an den Toren, Türen und Fenstern, die Buntglasfenster und sogar die Wandmalereien in den Fluren und Treppenhäusern – machen den einzigartigen Charakter dieser Stadt aus“. Neben dem historischen und kulturellen Wert hat diese Archivsammlung auch einen praktischen Wert, da die einzelnen Akten auch technische Informationen enthalten (z. B. Auslegung von Wasser- und Abwassersystemen), die bei Sanierungen genutzt werden können.

Was verbindet Nordrhein-Westfalen mit dem polnischen Beuthen? Eine Städtepartnerschaft mit Recklinghausen seit dem Jahr 2000.

„Podium Silesia – Beiträge zur Geschichte Oberschlesiens“ nennt sich das Vortragsformat des Oberschlesischen Landesmuseums. Renommierte Oberschlesien-Expertinnen und -Experten stellen einem breiten, interessierten Publikum regelmäßig wichtige historische Themen in Wort und Bild vor, greifen aktuelle Forschungsdebatten auf und laden zur Diskussion ein. Die Veranstaltungen finden mehrmals im Jahr im Haus Oberschlesien in Ratingen und bei weiteren Partnerinstitutionen statt.

Der Eintritt ist stets frei. Die Veranstaltungen sind öffentlich, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.