Ratingen. Alfred Dahlmann, langjähriger Stadtdirektor Ratingens, ehemaliges Ratsmitglied und Träger des Ehrenrings der Stadt Ratingen, ist am 11. Oktober im Alter von 92 Jahren gestorben.
Bürgermeister Patrick Anders würdigt den Verstorbenen: „Was Dr. Alfred Dahlmann für Ratingen geleistet hat, ist einzigartig. Wir verlieren mit ihm eine der großen Persönlichkeiten der Ratinger Nachkriegsgeschichte. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Familie.“
Dahlmann gilt als „Vater der Ratinger Infrastruktur“. Mit großer Weitsicht hat er während seiner Zeit als Erster Beigeordneter in den 60er Jahren sowie als Stadtdirektor in den 70er und 80er Jahren Großprojekte angestoßen und umgesetzt, die notwendig und maßgeblich waren für den enormen Aufschwung, den Ratingen seitdem genommen hat – vom Bau von Ratingen-West über das Gewerbegebiet Tiefenbroich, den innerstädtischen Verkehrsring, die Schulen, die Stadthalle bis zur Eissporthalle, um nur ein paar zentrale Beispiel zu nennen.
Legendär waren die Dynamik, die strategische Weitsicht und die Umsetzungsstärke, mit der Dahlmann seine Ideen zur Entwicklung Ratingens umgesetzt hat. Er verfolgte seine Ziele mit größtmöglichem persönlichem Einsatz – die großen wie die kleineren. Ein sehr großes Beispiel ist der Bau von Ratingen-West. Dieser Stadtteil wurde errichtet, weil es in den 60er Jahren eine extreme Wohnungsnot gab. Das Ziel war, so viel Wohnraum wie möglich zu schaffen. Niemand konnte sich in dieser Zeit dem damals vorherrschenden sehr verdichteten (sprich: hochgeschossigen) Baustil entziehen. Dahlmann hat aber mit großer Hartnäckigkeit und mit Erfolg dafür gekämpft, dass Ratingen-West neben Hochhäusern auch aufgelockerte Einfamilienhaussiedlungen bekam und vor allem großzügige Grüngürtel als Frischluftschneise – ein Konzept, das sich heute mehr denn je als visionär erweist.
Mit viel Liebe zum Detail hat sich Alfred Dahlmann aber auch um Dinge gekümmert, die klein erscheinen mögen, für die kulturelle Identität und die Lebensqualität einer Stadt aber essenziell sind: zum Beispiel die vielen Brunnen im Stadtgebiet und das Glockenspiel, das 2023 seine Renaissance beim Café Bös an der Minoritenstraße feierte. Dahlmann persönlich hatte – längst im Ruhestand – dafür gesorgt, dass dieses Glockenspiel, das einst bei Altenkamp am Marktplatz hing, nach dem Abriss gesichert wurde. Und er konnte Alexander Bös davon überzeugen, dieses Stückchen Heimat restaurieren und bei sich anbringen zu lassen.
Und immer wieder stößt man aufs Stadtgrün. Noch in seinem letzten Interview im vergangenen Jahr anlässlich des 50-jährigen Gemeindereform-Jubiläums erinnerte sich Dahlmann mit geradezu diebischer Freude daran, wie er als Stadtdirektor persönlich mit seinen Gartenbauern durch die Stadt fuhr und dabei nicht nur entschied, in welchen Straßen Bäume gepflanzt werden sollten, sondern auch welche Baumart.
Dahlmann, der in Essen-Borbeck geboren und aufgewachsen ist, kam 1965 als junger Jurist aus Köln nach Ratingen und wurde mit 31 Jahren Erster Beigeordneter. 1971 wählte ihn der Rat zum Stadtdirektor. 1986 verließ er Ratingen und wurde Oberstadtdirektor von Krefeld. Vor seinem Abschied verlieh ihm der Rat wegen seiner großen Verdienste den Ehrenring der Stadt Ratingen.
Doch auch nach seinem beruflichen Wechsel blieb Dahlmann seiner Stadt eng verbunden – und zwar über Jahrzehnte. Im Ruhestand kehrte er als Ratsmitglied und sachkundiger Bürger auf die lokalpolitische Bühne zurück. „Auch in diesen Rollen haben Sie es kraft Ihres Wissens, Ihrer Erfahrung und Ihres politischen Geschicks verstanden, wichtige Entwicklungen in unserer Stadt auf den Weg zu bringen“, schrieb der ehemalige Ratinger Bürgermeister Klaus Pesch in seinem Glückwunsch zu Dahlmanns 90. Geburtstag.


