Reichlich Geschichte stand im Rahmen des Erinnerungsprojekt auf dem Programm - hier im Stadtarchiv. Foto: DBG
Reichlich Geschichte stand im Rahmen des Erinnerungsprojekt auf dem Programm - hier im Stadtarchiv. Foto: DBG

Ratingen. Dietrich Bonhoeffer, widersetzte sich im Nationalsozialismus dem Unrecht kompromisslos. Zum 120. Geburtstag ihres Namensgebers gedachten die Schülerinnen und Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums am 4. Februar mit einem vielfältigen Projekttag dem evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer.


Der Tag, der inzwischen fester Bestandteil des Schulprogramms ist, wurde von dem Lehrer Marius Graf organisiert und widmete sich auf altersgerechte Weise der Erinnerungskultur. Die Jüngsten des Gymnasiums befassten sich mit der Person Dietrich Bonhoeffers und lernten, begleitet von Pfarrer Matthias Leithe, sein Leben und seine Gedanken kennen. So wurde der Theologe zu einer greifbaren Persönlichkeit – jemand, der für seine Werte einstand.

Und wie bereits im letzten Jahr nahmen die Sechstklässler am an dem Erinnerungsprojekt “Remembrance and Hope – Gedenken und Hoffnung” teil. Dabei handelt es sich um ein internationales Projekt, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler mit den Schicksalen der im Holocaust ermordeten Kinder befassten. Gegen das Vergessen wurden für diese Kinder Schmetterlinge aus Ton gestaltet, die später ausgestellt werden.

Im Deutschunterricht wird Judith Kerrs Jugendroman „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ gerne gelesen. Aber nun konnten sich die Siebtklässler im Ratinger Kino die Verfilmung der Geschichte ansehen – eine eindringliche Darstellung von Flucht, Verlust und Zusammenhalt, über die man sich später austauschte.

Auf Spurensuche in die Vergangenheit begaben sich die Achtklässler. Bei einer Rallye, begleitet vom Stadtarchiv, lernten Schülerinnen und Schüler Orte jüdischen Lebens in Ratingen kennen. Dabei entdeckten sie, dass Erinnerung oft direkt vor der eigenen Haustür beginnt – etwa dort, wo Stolpersteine an verschleppte und ermordete Nachbarn erinnern.

Zeitzeugen, die die nationalsozialistischen Jahre noch erlebt haben, gibt es nicht mehr viele. Aus diesem Grund ermutigten Anna Vögeding, Annika Späth und Zoe Hars vom Verein „Zweitzeugen“ die Neuntklässler, die Geschichten der Überlebenden des Holocausts kennenzulernen und weiterzugeben. Die Jugendlichen lernten so die bewegenden Schicksale von Frieda Kliger, Henny Brenner und Gerhard Baader kennen.

In Bonn besuchten die Zehntklässler das Haus der Geschichte und die Ausstellung „Nach Hitler“, um zu erfahren, wie Deutschland nach 1945 mit der NS-Vergangenheit umging und wie schwierig Aufarbeitung sein kann. Gleichzeitig sahen Oberstufenschüler in „Schindlers Liste“ eindrucksvoll, was Verantwortung und moralische Entscheidung in Extremsituationen bedeuten. Eine anschließende Reflexion fand im Medienzentrum Ratingen statt.

Zu einem intensiven Erlebnis wurde das dokumentarische Schauspiel „Hitlers Tischgespräche“, bei dem der Schauspieler Andreas Breiing den Despoten als Privatperson auf eindringliche Weise verkörperte. „Er spielte die Rolle von seinem Aussehen und Verhalten her so authentisch“, berichtete Mohammed (Q1-Schüler) beeindruckt. In der anschließenden Gesprächsrunde, die von Britta von Anklang geleitet wurde, konnten sich die Schülerinnen und Schüler vertiefend mit Adolf Hitlers Ansichten auseinandersetzen.

“Der Projekttag verband historisches Lernen mit ethischer Reflexion. Er machte deutlich, dass Erinnerung nicht nur Wissen, sondern auch Haltung bedeutet – und dass Bonhoeffers Mut, Unrecht beim Namen zu nennen, auch heute noch Vorbild sein muss”, blickt Bettina Strigl auf den Tag zurück.