Nach ihrem Auslandseinsatz in Venezuela sind Christine und ihr Rettungshund Clooney stolz, sichtlich geschafft, aber gesund nach Ratingen zurückgekehrt. Foto: THW/Sebastian Vogler
Nach ihrem Auslandseinsatz in Venezuela sind Christine und ihr Rettungshund Clooney stolz, sichtlich geschafft, aber gesund nach Ratingen zurückgekehrt. Foto: THW/Sebastian Vogler

Ratingen. Christine Pestka und ihr Rettungshund Clooney sind aus dem Einsatz in Venezuela stolz, sichtlich geschafft, aber gesund nach Ratingen zurückgekehrt. Als Teil der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) des Technischen Hilfswerks (THW) unterstützte die erfahrene Ratinger Rettungshundeführerin mit ihrem Hund die Such- und Rettungsmaßnahmen nach den verheerenden Erdbeben.


Christine zeigte sich beeindruckt von dem Erlebten und fasste die Zeit für sich und Clooney zusammen: „Der Einsatz war für uns körperlich sehr anstrengend. Gleichzeitig haben wir unglaublich viele Erfahrungen gesammelt, von denen wir in zukünftigen Einsätzen und in der Ausbildung profitieren werde. Auch wenn wir keine Person lebend retten konnten, war es wichtig, vor Ort zu sein. Den Angehörigen Gewissheit zu geben, ist ebenfalls Teil unserer Aufgabe. Ich bin dankbar, helfen zu können, und ich bin dankbar, Teil dieses starken Teams gewesen zu sein.“

Zwei schwere Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5, erschütterten am 24. Juni den Norden und das Zentrum Venezuelas. Das THW entsandte die SEEBA in das betroffene Katastrophengebiet. Die Rettungshundeführerin des THW Ratingen war gemeinsam mit ihrem Rettungshund Clooney vom 25. Juni bis zum 4. Juli im Einsatz.

Nach der Alarmierung traf sich das SEEBA-Team am Abend des 25. Juni im Ortsverband Köln-Porz. Von dort aus erfolgte in der Nacht die Verlegung nach Wunstorf in Niedersachsen. Mit zwei Transportflugzeugen des Typs A400M der Bundeswehr flog das 48-köpfige Team mit vier Rettungshunden am 27. Juni nach Venezuela . Dabei führte die SEEBA rund fünfzehn Tonnen Material mit sich.

Unmittelbar nach der Ankunft begann die Erkundung möglicher Einsatzstellen in der Küstenstadt Caraballeda im Bundesstaat La Guaira. Parallel dazu richtete ein Teil der Einsatzkräfte eine temporäre logistische und operative Einsatzbasis ein. Die Such- und Rettungsmaßnahmen erfolgten im Zwei-Schicht-System, um rund um die Uhr nach Überlebenden suchen zu können. Neben der SEEBA waren im Einsatzgebiet internationale Teams aus mehreren Ländern tätig. Gemeinsam mit einer spanischen Einheit koordinierte die SEEBA einen Einsatzsektor nördlich von Caracas.

Am Sonntag konnten an einer Einsatzstelle Lebenszeichen wahrgenommen werden und Kontakt zu einer verschütteten Person hergestellt werden. Trotz eines mehrstündigen Rettungsversuchs brachen die Lebenszeichen im weiteren Verlauf ab. Nachdem ein niederländisches Such- und Rettungsteam den Status verifiziert hatte, musste die Einsatzstelle geschlossen werden.

Nach mehreren Tagen intensiver Such- und Rettungsarbeit endete der Einsatz der SEEBA. Vor der Rückverlegung hinterließ das THW dem Venezolanischen Roten Kreuz rund fünf Tonnen Material im Wert von etwa 330.000 Euro, um ein Feldhospital zu unterstützen. Die Finanzierung des Einsatzes erfolgte durch das Auswärtige Amt.

Christine ist seit vielen Jahren erfahrene Rettungshundeführerin im Inland und seit 2017 zusätzlich als Dog Handler Teil der SEEBA. In dieser Funktion nahm sie an zahlreichen gemeinsamen Ausbildungen und mehreren internationalen Übungen teil, um gezielt auf Auslandseinsätze vorbereitet zu sein. Clooney ist ihr vierter Rettungshund. Der drei Jahre alte Border Collie leistete in Venezuela wertvolle Hilfe bei der Suche nach Vermissten unter extremen Bedingungen.

Die SEEBA (Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland)

wurde auf der Grundlage der bei der Erdbebenkatastrophe in Mexiko 1985 gewonnenen Erfahrungen entwickelt. Sie erfüllt die Qualitätskriterien der International Search and Rescue Advisory Group (INSARAG) der Vereinten Nationen und hatte mittlerweile vielfach Gelegenheit, ihre einsatztaktische Berechtigung und konzeptionelle Schlüssigkeit unter Beweis zu stellen, so zum Beispiel nach schweren Erdbeben in Indien, der Türkei, im Iran und in Pakistan.

Die SEEBA ist weltweit einsetzbar. Da sich nach 72 Stunden die Aussichten, Überlebende zu finden, rapide verschlechtern, muss im Ernstfall schnell und präzise gehandelt werden. Nach einem Erdbeben können daher innerhalb von zehn Stunden nach Alarmierung Einsatzkräfte der SEEBA mit ihrer Ausrüstung zum Abflug am Flughafen bereit stehen. Die Alarmierung erfolgt im Regelfall über das Bundesministerium des Innern. Finanziert werden diese Einsätze vom Auswärtigen Amt.

Die Ausrüstung der SEEBA ist in Leichtmetallkisten verpackt und kann so in herkömmlichen Verkehrsflugzeugen transportiert werden. Die vollständige Ausrüstung wiegt 15 Tonnen bei einem Volumen von 75 Kubikmetern. Sie beinhaltet die notwendige Rettungsausstattung, Ortungsgeräte, die Camp- und Logistikausstattung mit Stromerzeuger, medizinische Ausstattung zur Erstversorgung sowie Verpflegung für zehn Tage. Je nach verfügbarer Lufttransportkapazität können kleinere Fahrzeuge oder Anhänger ins Schadensgebiet mitgenommen werden.