Menschen aus Politik und Gesellschaft gedachten gemeinsam der Opfer. Foto: Stiftung Haus Oberschlesien
Menschen aus Politik und Gesellschaft gedachten gemeinsam der Opfer. Foto: Stiftung Haus Oberschlesien

Ratingen/Gliwice. Im ehemaligen Schönwald sind Engagierte eines deutsch-polnischen Projekts für ein Gedenken an den Todesmarschs aus Auschwitz und seinen Außenlagern zusammengekommen. 


Es war wieder winterlich in Gliwice-Bojkòw, dem ehemaligen Schönwald, als sich viele Menschen aus Gesellschaft, Politik, der örtlichen Schule und Delegationen aus dem Ausland versammelten, um an die Opfer des Todesmarsches aus Auschwitz und seinen Außenlagern zu gedenken.

Im letzten Jahr, zum 80. Jahrestag der Ereignisse, war für die Opfer der neu entdeckten Route eigens ein Denkmal, zunächst mit Gedenktafeln in Hebräisch, Polnisch, Englisch und Deutsch errichtet worden. Das Monument war Ergebnis eines deutsch-polnischen Projekts, finanziert durch den Verein “Schönwalds Erben” (Machern, Sachsen) und die Stiftung Haus Oberschlesien (Ratingen, Nordrhein-Westfalen). Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, Hendrik Wüst, sendete damals ein – selbst in der polnischen Presse beachtetes und zitiertes – Grußwort. Das Ereignis fand breiten Widerhall in den internationalen Medien.

Nun ist das Denkmal komplettiert worden. die Holzschuhe, die provisorisch auf originalen Pflastersteinen lagen, über welche die Häftlinge laufen mussten und dabei den typischen Klang hinterließen, wurden nun durch massive Bronzekunstwerke ersetzt und befestigt. Zusätzlich wurde ein Pflasterstein durch einen Kubus mit einem QR-Code ersetzt. Dieser führt zu einer Unterseite der Homepage von “Schönwalds Erben”, die demnächst mit Daten und Fakten gefüttert werden soll. Alles ehrenamtlich. Vorsitzende Cornelia Stieler: “Wir suchen natürlich Unterstützer und Partner, die sich nicht scheuen, unangenehmen Fakten zu begegnen. Nur durch Wahrheit gelangen wir zur Versöhnung und Freundschaft”. Neben Cornelia Stieler waren bei dem Gedenken unter anderen auch der deutsche Honorarkonsul Martin Tyslik, die Gleiwitzer Oberbürgermeisterin Katarzyna Kuczyńska-Budka und der Abteilungsleiter des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Dr. Jacek Lachendro zugegen.

“Das Denkmal ist nun komplett, unser Auftrag bleibt aber natürlich weiterhin bestehen. Ich freue mich daher, dass bereits Abgeordnete der CDU und B90/Die Grünen aus dem nordrhein-westfälischen Landtag persönlich hier vor Ort waren und wir mit ihnen über das Projekt sprechen konnten”, sagt Cornelia Stieler, die als Vorstandsmitglied die Stiftung Haus Oberschlesien beim diesjährigen Gedenken vertreten hat. Man habe zusammen viel Potential in der Erinnerungskultur zwischen den beiden Partnerregionen Nordrhein-Westfalen und Woiwodschaft Schlesien ausgemacht.

Stiftungsvorsitzender Sebastian Wladarz erklärt hierzu: “Die Ergänzung des Denkmals zum Gedenken an die Opfer des Todesmarsches ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung eines gemeinsamen deutsch-polnischen Projekts. Den wichtigsten Schritt jedoch vollziehen wir im Geiste. Denken wir daran, dass unsere Generationen zwar keine Schuld mehr an den Ereignissen des Jahres 1945 tragen, wohl aber die Verantwortung, die Erinnerung zu bewahren und danach zu streben, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen. Möge dieser Gedenkort uns vereinen im Einsatz gegen Hass und Gleichgültigkeit gegenüber unseren Mitmenschen. Möge er uns helfen, Mut zu zeigen – besonders dann, wenn es notwendig ist, andere zu verteidigen. Und möge er ein lebendiger Ort sein, der Dialog, Begegnungen und weitere Initiativen anstößt, die zu Verständnis, Versöhnung sowie zu gemeinsamen Perspektiven für eine gute Zukunft Europas führen!”

Einen Dokumentarfilm zum Thema gibt es am 29. Januar ab 18 Uhr im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, Finckensteinallee 63, zu sehen. Cornelia Stieler (Vorsitzende des Vereins Schönwalds Erben) informiert über ihre Forschung und die Herausforderungen der Aufarbeitungsarbeit. Der Film “Hand in Hand gegen das Vergessen – Gemeinsam auf der Suche nach der Wahrheit” zeigt das Spannungsfeld von Familiengeschichten und kollektiver Erinnerung und die konkrete Erinnerungsarbeit vor Ort.

Stiftungschef Sebastian Wladarz: „Ich freue mich, dass wir unsere Dokumentation, lediglich mit einem kleinen Budget hergestellt, an einem Prominenten Ort zeigen dürfen. Das dokumentiert den Anspruch, bundesweit wirken und ein Partner in den deutsch-polnischen Beziehungen sein zu wollen“.