Das Rathaus in Ratingen. Foto: Mathias Kehren
Das Rathaus in Ratingen. Foto: Mathias Kehren

Ratingen. Der Rat der Stadt hat sich in seiner Sitzung am 14. Juli mit einer Reihe von Punkten befasst, die sich auf das gesellschaftliche Leben in Ratingen spürbar auswirken werden – von sozialen Maßnahmen gegen Einsamkeit über wichtige Personalen bis hin zum neuen Klimaschutzkonzept.


Die folgende Zusammenfassung der Stadtverwaltung liefert eine Auswahl wichtiger Entscheidungen mit kurzen Erläuterungen. Ausführlichere Informationen zu den angesprochenen Themen gibt es unter www.ratingen.de, sei es in Form ausführlicherer Pressemitteilungen oder von originalen Beratungsunterlagen im Ratsinfosystem.

Jahresabschluss 2024 festgestellt

Der Rat stellte den Jahresabschluss 2024 fest und erteilte dem Bürgermeister Entlastung. Das Haushaltsjahr 2024 wurde mit einem hauchdünnen Minus von 79.000 Euro abgeschlossen, was bei einem Haushaltsvolumen in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe einer Punktlandung gleichkommt. Dies gilt auch für die Einnahmen aus der Gewerbesteuer, die bei rund 138 Millionen Euro lagen und damit genau der Prognose entsprachen.

Stadtwerke erzielen Überschuss von 5,4 Millionen Euro

Die Stadtwerke Ratingen schlossen das Geschäftsjahr 2025 mit einem Überschuss von 5,4 Millionen Euro ab. Davon werden 3,7 Millionen Euro an die Gesellschafter ausgeschüttet: 2,2 Millionen an die Stadt Ratingen, 1,5 Millionen an die rhenag AG. Der Anteil der Stadt Ratingen am Gewinn fällt geringer aus als ihre Unternehmensanteile, die bei gut 75 Prozent liegen. Allerdings gleicht die Stadt Ratingen die Verluste, die in der Bädersparte regelmäßig anfallen, allein aus. Der restliche Teil des Jahresüberschusses in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro wird der Gewinnrücklage der Stadtwerke zugeführt.

Wieder verkaufsoffener Sonntag beim Lintorfer Dorffest

Aus Anlass des Dorffestes mit Handwerkermarkt soll es am 6. September wie in den Vorjahren einen verkaufsoffenen Sonntag in Lintorf geben. Dafür gab der Rat mit großer Mehrheit grünes Licht, nachdem die Verwaltung die erforderliche ordnungsbehördliche Verordnung wie gewohnt mit großer Sorgfalt vorbereitet hatte. Für eine rechtssichere Verordnung muss mit beträchtlichem Aufwand nachgewiesen werden, dass die eigentliche Veranstaltung, also hier das Dorffest mit dem beliebten Handwerkermarkt, der stärkere Besuchermagnet ist als die offenen Geschäfte selbst. In zahlreichen Städten fielen in der Vergangenheit immer wieder geplante verkaufsoffene Sonntage erfolgreichen Klagen von Gewerkschaften zum Opfer, nicht jedoch in Ratingen.

Kunst-Schenkungen für das Museum Ratingen

Das Museum Ratingen kann durch zwei Schenkungen seine Kunstsammlung erweitern. Das großformatige Bild „Mandalas“ von Erika Maria Riemer-Sartory befindet sich bereits als Dauerleihgabe im Museum und wurde unter anderem im Rahmen der Ausstellung „Farbe und Licht“ 2025 gezeigt. Nun bot die Künstlerin dem Museum das Werk als Schenkung an, der Rat stimmte zu.

Aus einer Düsseldorfer Privatsammlung erhält das Museum ein Konvolut mit Werken von Norbert Tadeusz, Heinz Mack und Robin Page. Zentrale Werke der Schenkung sind zwei großformatige Bilder von Tadeusz, einem Beuys-Meisterschüler, der stark auf der Museumsinsel Hombroich engagiert war. Außerdem gehören zum Konvolut mehrere kleinere Papierarbeiten von Tadeusz, Mack und Page.

Maßnahmen gegen Einsamkeit

Was können wir in Ratingen tun, damit Menschen nicht einsam sind oder werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Fachkräfte, Vereine und Initiativen bei einer Veranstaltung zum Thema Einsamkeit im Februar dieses Jahres. Dabei wurden vielfältige Ideen, Anregungen und Projektansätze gesammelt, um Begegnung, Teilhabe und gegenseitige Unterstützung zu stärken. Jetzt nahm der Rat die Dokumentation dieser Veranstaltung zustimmend zur Kenntnis. An dem runden Tisch im Februar sind bereits erste konkrete Vorhaben entstanden, die nun weiterentwickelt werden. Für viele dieser Projekte werden engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter gesucht. Nähere Informationen zum Thema gibt es auf der städtischen Website unter www.ratingen.de, Stichwort „Einsamkeit“ in die Suchmaske eingeben.

Programme für Sprach-Kita und Kita-Helfer um ein Jahr verlängert

16 Kita-Helfer-/innen-Stellen, die vom Land bezuschusst werden, sind um ein weiteres Jahr verlängert worden. In jeder der 16 städtischen Kitas ist je eine Halbtagskraft im Einsatz, um das pädagogische Personal durch die Erledigung nichtpädagogischer Aufgaben zu entlasten. In den städtischen Kitas sind 17 weitere Helfer-/innen im Einsatz, deren Stellen jedoch nicht durch das Land bezuschusst werden und die deshalb nicht Gegenstand des aktuellen Ratsbeschlusses zur Verlängerung waren.

Ebenfalls um ein Jahr verlängert werden fünf Halbtagsstellen für Sprachförderkonzepte in vier Kitas. Diese Programme haben sich in den letzten Jahren sehr bewährt. Von der besonderen Förderung profitieren Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, in hohem Maße. Die Verlängerung wurde unter dem Vorbehalt beschlossen, dass der entsprechende Förderantrag beim Land bewilligt wird.

Buslinie 753 fährt weiter bis Ratingen-Ost

Die Buslinie 753, die zwischen Mülheim/Ruhr und Ratingen verkehrt, fährt auch künftig bis zum S-Bahnhof Ratingen-Ost. Die zwischenzeitliche Überlegung eines größeren Umbaus des Busverkehrs zwischen Mülheim und Ratingen wurde zurückgestellt. Die erforderlichen Erhebungen und Analysen werden mit dem neuen Nahverkehrsplan für den Kreis Mettmann durchgeführt, der zurzeit aufgestellt wird.

Zum Hintergrund: Um Breitscheid insbesondere während der langen S-6-Sperrung besser ans S-Bahn-Netz anzubinden, wurde die Linie 753 vor einem Jahr von Ratingen-Mitte bis Ratingen-Ost verlängert. Dies sollte aber nur die erste Phase einer umfassenderen Änderung sein, die auch Auswirkungen auf andere Linien gehabt hätte. Bei näherer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass die angedachte Phase 2 mit allzu großen betrieblichen Schwierigkeiten verbunden gewesen wäre. Nun will man etwas mehr Zeit und Daten gewinnen, um bis 2028 eine bessere Evaluierungs-Grundlage zu haben. Bis dahin soll der Nahverkehrsplan fertig sein.

Veränderungssperre für B-Plan in West

Der Rat erließ eine Veränderungssperre für das Gebiet des Bebauungsplans E 145a, 2. Änderung, 1. Ergänzung „Gewerbegebiet Kaiserswerther Straße / Dieselstraße / Boschstraße / Mieleplatz“. Die Stadt Ratingen steht – wie zahlreiche andere Kommunen – vor der drängenden Aufgabe, bestehende Gewerbegebiete unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten weiterzuentwickeln. Vor dem Hintergrund, dass die Ressource Fläche zunehmend knapper wird und kaum neue oder revitalisierte Flächen für Gewerbeansiedlungen und Betriebsverlagerungen zur Verfügung stehen, ist ein strategisch und nachhaltig ausgerichteter Umgang mit den vorhandenen Gewerbeflächen erforderlich. Aktuell ist in dem Gebiet ein Parkhaus für 248 Stellplätze geplant, das auch als eigenständiger Gewerbebetrieb genutzt werden kann. Um hier im Sinne der Zielsetzung des Rates zu handeln, ist die Nutzungsmöglichkeit des Gebäudes für Flughafenparker auszuschließen. Dies kann nur im Rahmen der Bauleitplanung geregelt werden.

Reserveparkplätze fürs Schulzentrum

Unter den Hochspannungsleitungen an der Brandsheide soll ein Reserveparkplatz für das gegenüberliegende Schul- und Sportzentrum Lintorf eingerichtet werden, das zurzeit spürbar erweitert wird. Auf einem ehemaligen Fußballplatz entsteht die neue Heinrich-Schmitz-Schule, und in den nächsten Jahren sollen auch zwei Sporthallen neu gebaut werden. Dafür müssen Teile des Parkplatzes am White-Bear-Lake-Platz in Anspruch genommen werden, mit der Folge, dass künftig bei Schulveranstaltungen nicht genügend Stellplätze direkt an der Schule zur Verfügung stehen.

Neuer B-Plan für ehemaliges Outlet-Grundstück

Nach der Insolvenz von Esprit hat der Rat die Weichen für die Neuentwicklung des ehemaligen Outlet-Grundstücks am Voisweg gestellt. Ein erneuter Herstellerverkauf wäre dort weder erwünscht noch realistisch. Daher soll die bislang enge Zweckbestimmung des Grundstücks per neuem B-Plan geändert werden, um den Standort Gewerbebetrieben zugänglich zu machen.

Konzept zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels aktualisiert

Der Rat beschloss die Fortschreibung des städtischen Konzepts zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Unter Beteiligung der Stadtgesellschaft wurden 49 kurz- bis langfristige Maßnahmen definiert. Diese dienen einerseits dazu, den Klimawandel einzudämmen, indem der Ausstoß von CO2 vermieden bzw. verringert wird. Andererseits sollen die bereits unausweichlichen und spürbaren Folgen des Klimawandels – vor allem große Hitze und Überflutungen bei Starkregenereignissen – erträglicher werden. Dazu gehören zum Beispiel: mehr Grün und Schatten in der Stadt, die Förderung klimaneutraler Mobilität, verstärkter Einsatz erneuerbarer Energieträger bei der Strom- und Wärmeerzeugung, Energiesparen und Hochwasserschutz. Die 49 Maßnahmen dienen als Handlungsrahmen für die Stadtverwaltung bis zum Jahr 2035.

Zwei neue Amtsleitungen

Der Rat gab grünes Licht für die Besetzung zweier Amtsleitungen. Alexander Meinhardt leitet ab 1. August das Kulturamt, in dem er bereits stellvertretender Amtsleiter ist. In dieser Funktion hat er die Federführung bei der Organisation der Feierlichkeiten für das 750-jährige Stadtjubiläum inne. Ebenfalls ab 1. August leitet Merle Möhlenbeck das Amt für Stadtplanung, Vermessung und Bauordnung. Auch für sie ist die Aufgabe nicht neu, sie nimmt sie aktuell bereits kommissarisch wahr.