Hakan Civelek, Geschäftsführer der IG Metall Velbert Foto: IGM Velbert
Hakan Civelek, Geschäftsführer der IG Metall Velbert Foto: IGM Velbert

Velbert. Am 30. November hat die IG Metall Velbert Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus den führenden Unternehmen der Schloss- und Beschlagindustrie zu einem gemeinsamen Austausch eingeladen, um über die aktuelle Baukrise und die konkreten Auswirkungen auf die Velberter Unternehmen zu diskutieren. Die Arbeitnehmervertreter gingen vor allem der Frage nach, wie sie gemeinsam mit der Gewerkschaft auf die Krise reagieren und die Unternehmen unterstützen können.

„Aktuell befindet sich die Baubranche in einer Krise. Viele Velberter Unternehmen produzieren Schlüssel, Schlösser und Beschläge, die in Neu- und Bestandsgebauten verbaut werden. Allerdings ist die betriebliche Betroffenheit bei unseren Produktionsfirmen in Velbert sehr unterschiedlich. Während die einen bereits Auftragseinbrüche zu verkraften haben und Kurzarbeit anmelden, produzieren andere Firmen in Vollauslastung weiter“, sagt der Geschäftsführer der IG Metall Velbert Hakan Civelek.

Tatsächlich befindet sich die Bauwirtschaft aktuell in einer Krise. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Baupreise um knapp 40% gestiegen und die Bauzinsen haben sich knapp verdreifacht. Zeitgleich belasten bürokratische Plan- und Genehmigungsverfahren die Investitionstätigkeit. „In diesem Jahr sind die Baugenehmigungen um knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Knapp 20 Prozent aller Bauprojekte wurden storniert. Auch der staatliche Wohnungsbau blieb weit hinter seinen selbst gesteckten Zielen zurück. All dies wirkt sich negativ auf die Auftragsbücher unserer Unternehmen aus. Der Austausch hat gezeigt, dass 2023 einige Unternehmen und 2024 zahlreiche Unternehmen mit Auftragsrückgängen rechnen. Das ist ein Alarmzeichen“, sagt Hakan Civelek.

Die Bundesregierung hat bereits mit einem Maßnahmenpaket auf die Baukrise reagiert. Im Mittelpunkt steht die degressive Absetzung für Gebäudeabnutzung von jährlich 6 Prozent, wodurch die steuerliche Absetzbarkeit deutlich verbessert wurde. Außerdem wurde das Aussetzen der geplanten Verschärfung von Energiestandards bei Neubauten verschoben, schnellere Plan- und Feststellungsverfahren beschlossen sowie Förderprogramme für Wohneigentum beschlossen. „Die staatlichen Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. Allerdings braucht die Bauwirtschaft noch eine stärkere Unterstützung. Vor allem im sozialen Wohnungsbau muss der Staat seiner Verantwortung nachkommen und die versprochenen 400.000 Wohnungen pro Jahr bauen. Dies würde sich sowohl positiv auf die Auftragslage unserer Unternehmen auswirken als auch die soziale Schieflage bei der Wohnungssuche abmildern. Die Wohnungssituation in den Ballungszentren ist die soziale Frage unserer Zeit. Wir brauchen mehr Wohnungen, um den sozialen Frieden in unserem Land sicherzustellen“, so Civelek.

Die Gewerkschaft möchte im Frühjahr zum nächsten Erfahrungsaustausch einladen. „Wir haben mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, uns regelmäßig auszutauschen und gemeinsam mit den Arbeitgebern konstruktiv zusammenzuarbeiten. Unser Ziel ist es, Beschäftigung zu sichern, gut durch die Krise zu kommen und nach der Krise gemeinsam durchzustarten“, so Civelek.