Ein Blick in die Velberter Innenstadt zur Adventszeit. Foto: Volkmann/Archiv
Ein Blick in die Velberter Innenstadt zur Adventszeit. Foto: Volkmann/Archiv

Düsseldorf. Der Handelsverband Nordrhein-Westfalen (HV NRW) hat im Rahmen einer Pressekonferenz seine Jahresbilanz für 2025 sowie den Ausblick auf das Jahr 2026 vorgestellt.


Die Ergebnisse einer landesweiten Händlerbefragung zeigen: Der NRW-Einzelhandel blickt auf ein wirtschaftlich herausforderndes Jahr zurück. Trotz einer weiterhin spürbaren Kaufzurückhaltung gibt es erste Anzeichen für eine allmähliche Beruhigung der Verbraucherstimmung.

Rund 49 Prozent der befragten Händlerinnen und Händler meldeten geringere Umsätze als im Vorjahr, während rund ein Drittel ihre Umsätze auf Vorjahresniveau halten konnte. Knapp 19 Prozent erzielten sogar Zuwächse. Insgesamt zeigt sich damit ein differenziertes Bild, das die Anpassungsfähigkeit vieler Betriebe unterstreicht. Gleichwohl sind 57 Prozent der Unternehmen mit ihrer Umsatzentwicklung unzufrieden oder sehr unzufrieden. „2025 war für viele Händlerinnen und Händler ein Jahr des Durchhaltens – nicht des Aufholens“, fasst Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes NRW, die Ergebnisse zusammen.

Auch das Weihnachtsgeschäft 2025 konnte die Erwartungen nicht überall erfüllen: 56 Prozent der Betriebe bewerteten das Weihnachtsgeschäft schlechter oder viel schlechter als im Vorjahr. Knapp 61 Prozent zeigten sich entsprechend unzufrieden oder sehr unzufrieden mit dem Ergebnis der Weihnachtssaison. „Wenn selbst das Weihnachtsgeschäft nicht mehr für ausreichend Umsätze sorgt, ist das ein deutliches Warnsignal“, so Radau. Dennoch gab es auch hier Betriebe, die durch gezielte Sortiments- und Servicekonzepte positive Impulse setzen konnten. „Umso wichtiger sind Profil, Qualität und Kundennähe – dort, wo diese stimmen, bleibt der stationäre Handel wettbewerbsfähig.“

Kaufzurückhaltung trotz leicht verbesserter Verbraucherstimmung

Zu Jahresbeginn 2026 signalisiert das aktuelle HDE-Konsumbarometer eine leichte Aufhellung der Verbraucherstimmung, gleichzeitig bleibt die tatsächliche Kaufbereitschaft verhalten. Auch in NRW bewerten rund 63 Prozent der Befragten die Auswirkungen der politischen und weltwirtschaftlichen Lage auf das Einkaufsverhalten ihrer Kundschaft als hoch oder sehr hoch. „Die Verunsicherung ist noch spürbar, aber die Stimmung scheint sich langsam und hoffentlich nachhaltig aufzuhellen. Das Vertrauen in die Zukunft kehrt zurück“, erklärt Radau. „Das ist ein wichtiges Signal – denn Vertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass Konsum wieder an Dynamik gewinnt. Solange Kosten steigen, politische Entscheidungen unklar bleiben und Zukunftsängste dominieren, wird Zurückhaltung an der Kasse die Regel bleiben.“

Der Blick nach vorne fällt zurückhaltend aus. 55 Prozent der Unternehmen erwarten für 2026 eine stagnierende Entwicklung der allgemeinen wirtschaftlichen Situation, 28 Prozent rechnen mit einem schlechteren Jahr, lediglich 17 Prozent mit einer Verbesserung. Etwas positiver fallen die Umsatzerwartungen aus: Jeweils etwa ein Drittel der Befragten rechnet mit Umsatzzuwachs oder aber konstanten Umsätzen, 30 Prozent gehen von Umsatzrückgängen aus.

Ein weiterer wichtiger Hinweis auf die Lage im Einzelhandel sind die Investitionspläne. Kleinere und größere Investitionen können nur getätigt werden, wenn ausreichend finanzielle Mittel dies zulassen. Hier zeigt die Umfrage: Auch wenn die finanziellen Spielräume begrenzt sind, planen immerhin 24 Prozent konkret oder unkonkret Investitionen. Diese konzentrieren sich vor allem auf allgemeine Modernisierung, Digitalisierung, Energieeffizienz und Ladenbau.

Als größte Herausforderungen für 2026 nennen die Unternehmen insbesondere Kaufzurückhaltung, Bürokratiebelastungen, die Mindestlohnentwicklung, die allgemeine Preisentwicklung, den Attraktivitätsverlust der Innenstädte sowie steigende Energiekosten. Auch Ladendiebstahl wird zunehmend als Problem wahrgenommen. „Der Einzelhandel ist bereit, seinen Beitrag zur Belebung der Städte und zur wirtschaftlichen Stabilität zu leisten“, betont Radau. „Dafür braucht es aber verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und gezielte Unterstützung durch Politik und Kommunen. Dann kann der Handel auch in herausfordernden Zeiten Zuversicht und Perspektiven schaffen.“