Velbert. Bei der Veranstaltung „Kerstin Griese trifft … Kirsten Fehrs“ in Velbert hat die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die zunehmenden Anfeindungen gegenüber Menschen, die sich öffentlich für das Gemeinwohl engagieren, gesprochen.
Gerade im digitalen Raum beobachtet Bischöfin Kirsten Fehrs eine wachsende Verrohung der Debattenkultur. Auch Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus nähmen zu und stellten eine ernste Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt dar, betonten Fehrs und die Parlamentarische Staatssekretärin Kerstin Griese im evangelischen Gemeindehaus an der Christuskirche in Velbert. Es gebe regelrechte Kampagnen, um den muslimischen Glauben mit „Islamismus“ gleichzusetzen und religiöse Vielfalt zu delegitimieren, so Fehrs.
„Mit der Bibel kann man keine Politik machen, aber ohne sie auch nicht“ zitierte Kerstin Griese den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Griese gehört sowohl der Bundesregierung als auch dem Rat der EKD an. Für sie ist klar: Christliche Werte sind kein Parteiprogramm, sondern ein moralischer Kompass, der über politische Lagergrenzen hinweg wirkt. Sie beklagte, dass es Themen gebe, bei denen fast nur noch die Kirchen Partei ergriffen – etwa für Menschen mit Behinderungen oder für Flüchtlinge.
Griese und Fehrs betonten, dass viele Menschen derzeit Verunsicherung, Einsamkeit und den Verlust von Gemeinschaft empfänden. Umso wichtiger seien analoge Orte der Begegnung und des persönlichen Austauschs. Diese Räume für Gespräche und gegenseitiges Zuhören seien eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte Fehrs. Sie beklagte, dass es derzeit eine Partei gebe, deren Haltung toxisch sei und die die christlichen Werte untergrabe. Sie machte deutlich, dass christliche Werte nicht mit völkischem Nationalismus vereinbar sind.
Ein weiteres Thema des Abends war die sexualisierte Gewalt in kirchlichen Einrichtungen. Fehrs hat sehr viel für die Aufklärung getan. Sie sagte, die Täter seien das eine, das andere sei, als Institution nichts getan zu haben. „Wir müssen uns nicht verdächtigen. Aber wir müssen Leid verhindern.“ Kerstin Griese betonte, dass die Gesellschaft insgesamt sensibler werden müsse. „Sexualisierte Gewalt gibt es auch im Sport oder vor allem in Familien.“ Hier müssten auch die Gesetze nachgebessert werden. „Der Schutz des Menschen muss im Mittelpunkt stehen“, so Griese.


