Das neue Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum in Velbert. Foto: Mathias Kehren
Das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum in Velbert. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Mehr als 60 Besucherinnen und Besucher sind am 23. Juni im Foyer des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums zusammengekommen, um mit Judith Neuwald-Tasbach über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland ins Gespräch zu kommen. Zu der Veranstaltung hatten das Velberter Bündnis „Aktiv gegen Antisemitismus“, das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum sowie die Stadt Velbert eingeladen.


Im Mittelpunkt des Abends stand die Geschichte der Familie Neuwald. Judith Neuwald-Tasbach berichtete von den Schicksalen ihrer Angehörigen während der Zeit des Nationalsozialismus und von den Folgen der Shoa: das Wegschauen und Schweigen im Umfeld, zunehmende Ausgrenzung im Alltag, sowie die Gewalt der Verfolgung bis hin zu Erschießungskommandos. Sie erinnerte daran, dass Täter ihr Handeln immer wieder mit dem Satz „Ich hatte einen Befehl“ rechtfertigten, als könne persönliche Verantwortung dadurch aufgehoben werden. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Ausführungen war das Schicksal der sogenannten „Displaced Persons“, die nach dem Krieg entwurzelt ohne festen Halt in eine ungewisse Zukunft gingen, in der sie ihre Heimat verloren hatten.

Von den 26 Mitgliedern ihrer Familie überlebten lediglich zwei den Holocaust, darunter ihr Vater Kurt Neuwald.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Kurt Neuwald nach Gelsenkirchen zurück und engagierte sich für den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland. Als Gründungsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland und langjähriger Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen setzte er sich für einen Neuanfang ein. Seine Tochter führte dieses Engagement später fort und prägte die Gemeinde über viele Jahre als Vorsitzende.

Neben den persönlichen Erinnerungen richtete Judith Neuwald-Tasbach den Blick auf die Gegenwart. Sie sprach über die Herausforderungen, mit denen jüdische Menschen heute in Deutschland konfrontiert sind, und warb für ein aktives Eintreten gegen Antisemitismus und Ausgrenzung. Auf die Frage im Veranstaltungstitel „Jüdisches Leben in Deutschland heute: Geht’s weiter?“ antwortete Neuwald-Tasbach mit einem klaren “Ja” und fügt hinzu: „Wir haben keine andere Wahl. Wir haben nur diesen einen Ort für ein friedliches Miteinander“. Um dieses pflegen zu könnten, hilft es, Begegnungen zu schaffen und bei antisemitischen Äußerungen und Handlungen aktiv zu sein und nicht zu schweigen. Im anschließenden Austausch wurde deutlich, wie wichtig Dialog und gegenseitiges Verständnis für ein friedliches Zusammenleben sind.

Das Velberter Bündnis „Aktiv gegen Antisemitismus“ lädt Interessierte dazu ein, sich auch künftig an Veranstaltungen und Aktionen zu beteiligen. Weitere Informationen gibt es unter: aktiv-gegen-antisemitismus.net/