
Düsseldorf. Ein Gänse-Essen gehört zu den Klassikern in der Vorweihnachtszeit. Viele Restaurants bieten es an, und auch auf Märkten und im Lebensmittelhandel wird Gänsefleisch verkauft.
Worauf sollte man achten, um die qualvolle Stopfmast oder den Lebendrupf zu vermeiden? Sabine Klein, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale NRW, erklärt die Kennzeichnungen und gibt die folgenden Tipps für den Kauf und die Zubereitung:
Wie gesund ist Gänsefleisch im Vergleich?
Gänsebraten gilt als kalorienreich und eher fettig. Tatsächlich aber ist der Anteil an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin im Vergleich zu anderen Fleischsorten relativ niedrig. Ebenfalls positiv: Das Gänsefett besteht überwiegend aus einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Wer selbst eine Gans im Ofen brät, kann den Fettgehalt durch mehrmaliges Einstechen in die Haut reduzieren. Bei der Zubereitung in der Pfanne ist es ratsam, die Haut vor dem Anbraten mit einem Messer einzuritzen und auf Bratfett zu verzichten. Auslaufendes Fett kann mit einem Löffel abgeschöpft werden.
Wie sollten die Gänse gehalten sein?
Am tiergerechtesten sind die biologische Haltung und die Freilandhaltung. Diese Haltungsformen sind durch EU-Recht definiert, unter anderem mit vorgeschriebenen Mindestauslaufflächen und einer Festlegung, wie viele Tiere maximal im Stall untergebracht werden dürfen. Dabei bietet die „bäuerliche Freilandhaltung – unbegrenzter Auslauf“ die größte Auslauffläche. Gänsefleisch aus diesen Haltungsformen ist in den Supermarkttheken jedoch deutlich seltener zu finden als Gänsefleisch aus Polen oder Ungarn, das häufig ohne Angabe dieser Haltungsformen verkauft wird.
Gänsekauf im Supermarkt
Im Supermarkt deutsche Gänse zu finden, ist nicht einfach. Denn fast 90 Prozent der Gänse in dortigen Theken stammen aus Ungarn und Polen. Im Gegensatz zu Deutschland werden Tiere in anderen Ländern oft in nur zehn Wochen mit konzentriertem Kraftfutter auf ihr Schlachtgewicht gemästet, erkennbar an der Bezeichnung „Frühmastgans“ oder „Junggänsemast“. In Deutschland dauert die Gänsemast dagegen meist sechs Monate und die Gänse haben genügend Auslauf.
In Supermärkten gibt es deshalb eher selten ein gesichert tiergerechtes Angebot. Kunden müssen dann den selbstverliehenen Hersteller-Angaben „Keine Stopfmast“ und „Kein Lebendrupf“ vertrauen, um wenigstens diese tierquälenden Haltungen zu vermeiden. Nicht eindeutig gekennzeichnete Produkte aus Bulgarien, Frankreich, Polen und Ungarn sind deshalb nicht empfehlenswert.
Wichtig: Angaben wie „bäuerliche Aufzucht“ oder „tiergerechte Haltung“ sind nicht geschützt und sagen nichts über die Haltungsbedingungen aus.
Wie vermeidet man Stopfgänse und Lebendrupf?
Das sogenannte Stopfen ist in Deutschland verboten, in Ländern wie Ungarn, Frankreich und Bulgarien hingegen erlaubt. Dabei erhalten die Tiere über ein Rohr eine übergroße Futtermenge, was die Leber krankhaft vergrößert. In Polen hingegen ist dies zwar verboten, dafür ist es eines der Länder, in denen der Lebendrupf weit verbreitet ist. Dabei werden den Tieren auch festsitzende Federn herausgerissen. Deshalb ist es empfehlenswert, auf eine Herkunft aus Deutschland zu achten. Hier sind nicht nur die Gänsestopfmast, sondern auch der Lebendrupf verboten.
Bei heimischen Landwirten kann man zudem davon ausgehen, dass die Gänse langsam gemästet wurden, genügend Auslauf und ein vergleichsweise tiergerechtes Leben hatten. Allerdings empfiehlt es sich auch hier, nach der Herkunft des Geflügels zu fragen. Denn zum Teil werden, insbesondere auf dem Wochenmarkt, auch zugekaufte Tiere angeboten.

