Bademode sollte bequem und vor allem schnelltrocknend sein. Foto: VZ NRW/adpic
Bademode sollte bequem und vor allem schnelltrocknend sein. Foto: VZ NRW/adpic

Düsseldorf. Nachhaltige Bademode? An Kunststofffasern kommen Hersteller kaum vorbei, trotz Plastikeinsatz wird die Schwimmbekleidung häufig als nachhaltig beworben. Eine Expertin der Verbraucherzentrale NRW erklärt, was von derartigen Werbeversprechen zu halten ist.

Der Häkel-Bikini aus Biobaumwolle ist fürs Schwimmen keine echte Alternative – Badekleidung soll schließlich auch nass in Form bleiben und schnell trocknen. Kunstfasern und Elastan für die Dehnbarkeit – auch bekannt unter den Namen Lycra oder Spandex – stehen bei Bikini, Badeanzug und Schwimmhose im Mittelpunkt. Dennoch wird Bademode von einigen Herstellern aus unterschiedlichen Gründen als nachhaltig beworben.

Was von diesen Aussagen zu halten ist, erklärt Kerstin Effers, Expertin für Umwelt und Gesundheitsschutz bei der Verbraucherzentrale NRW: „Recyclingmaterialien stehen bei nachhaltiger Bademode hoch im Kurs. Aber die Frage ist, was genau recycelt wurde. Wenn es PET-Getränkeflaschen sind, wäre ein Recycling zum Badeanzug langfristig nicht sinnvoll, denn aus dem Polyester-Elastan-Gemisch wird nie wieder eine Lebensmittelverpackung werden.

Besser ist es, PET-Flaschen im Kreislauf zu halten und neue Flaschen daraus zu produzieren. Andere Hersteller werben damit, Plastikmüll aus dem Meer zu fischen und zu Schwimmsachen zu verarbeiten. Econyl-Nylon wird laut Herstellerangaben aus Fischernetzen, Teppichböden, Rücknahmeprojekten oder Produktionsabfällen gewonnen und unter anderem zu Badeanzügen verarbeitet. Plastikmüll aus dem Meer zu verwenden, klingt erst einmal gut“.

Doch Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Aussagen und andere Recycling-Versprechen kaum nachprüfen. „Je nach verwendeten Plastikabfällen und Recyclingverfahren bleibt zudem die Frage, wie es mit Schadstoffen in der Schwimmkleidung aussieht. Auch Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie biobasiertes Evo aus Rizinusöl oder Yulex aus dem Saft von Gummibäumen werden zu Bademode oder Wetsuits verarbeitet. Als nachhaltig beworben werden auch bestimmte Polyamidfasern, die sich in der Umwelt besser abbauen sollen“, so die Expertin.

Wie sieht es mit unabhängigen Nachweisen für die Nachhaltigkeit aus?

„Unabhängige Textilsiegel mit Aussagen zu Schadstoffen oder Sozialstandards findet man eher selten auf Bademode und auch nicht auf der nachhaltigeren Schwimmkleidung. Umfassendere Siegel wie der Global Organic Textile Standard (GOTS) schließen Textilien aus reinen Kunstfasern aus. Bei anderen Siegeln wie bluesign oder Oeko-Tex-Standard 100 wird zwar Kleidung aus Chemiefasern auf Schadstoffe getestet, aber auch sie sind auf Bademode eher die Ausnahme.

Biobasiertes Evo trägt laut Herstellerangaben das Oeko-Tex-Siegel. Das Label der Fair Wear Foundation, das Sozialstandards und faire Löhne für die Näherinnen und Näher garantiert, findet man ebenfalls kaum auf Bademode – stattdessen die Versprechen vieler kleinerer Hersteller, die Schwimmkleidung in Europa fair nähen zu lassen. Insgesamt gilt: Bei Bademode sind unabhängige Siegel rar gesät. Demnächst sollen in der EU grüne Werbeaussagen besser geregelt werden. Der Entwurf für die sogenannte „Richtlinie über Umweltaussagen“ liegt seit März dieses Jahres vor.“

Wie lässt sich Badekleidung denn nachhaltiger nutzen?

„Der nachhaltigste Bikini und die umweltfreundlichste Badehose sind die aus der vergangenen Saison, denn für sie werden keine neuen Ressourcen verbraucht und keine zusätzlichen CO2-Emissionen verursacht. Bei guter Pflege bleiben die Badesachen länger schön und gut in Form. Nasse Kleidungsstücke sollten direkt nach dem Schwimmbadbesuch oder dem Strandtag mit Leitungswasser gründlich ausgespült werden.

Falls sie in Kontakt mit fettiger Sonnencreme gekommen sind, ist zum Auswaschen etwas Feinwaschmittel zu empfehlen. Auch starke Sonnenstrahlung kann das Material schädigen, daher trocknet die Kleidung schonender im Schatten. Starkes Auswringen tut den elastischen Fasern ebenfalls nicht gut. Und auch beim Waschen ist Materialschonung angesagt: Handwäsche oder niedrige Temperaturen, immer Feinwaschmittel verwenden, nicht schleudern und nicht in den Trockner. In der Waschmaschine werden besonders Bikinis und Badeanzüge mit Bügeln in Wäschesäckchen schonender sauber.“

Informationen und Tipps rund um die nachhaltige Nutzung von Kleidung hat die Verbraucherzentrale NRW zusammengestellt unter www.verbraucherzentrale.nrw.